Kultur

Flachgauer Banker malt sich in fremde Galaxien

Düstere Landschaften, ferne Galaxien und unbekannte Mächte - in dieses Reich entflieht der Nußdorfer Franz Miklis nach Feierabend.

Franz Miklis in seinem Künstler-Reich im Keller seines Hauses in Nussdorf.  SN/Marco Riebler
Franz Miklis in seinem Künstler-Reich im Keller seines Hauses in Nussdorf.

Schuld an allem ist Tante Inge. Sie war es, die damals auf ihrem Klo stets einen Stapel "Perry Rhodan"-Hefte liegen hatte. Franz Miklis konnte gar nicht anders, als sie bei seinen Besuchen bei der Tante zur Hand zu nehmen und zu lesen. Irgendwann war es um ihn geschehen. "Ich war begeistert und verschlang die Geschichten." Sie eröffneten dem damals 14-Jährigen eine neue Welt. Der perfekte Gegensatz zum traditionellen Leben in seiner Heimat Nußdorf. "So konnte ich der Enge hier ein wenig entfliehen."

Doch für Franz Miklis waren die Science-Fiction-Romane noch viel mehr. Sie eröffneten ihm den Weg in eine große Leidenschaft, die ihn bis heute nicht mehr losgelassen hat. Der 53-Jährige ist neben seinem Brotberuf als Bankangestellter ein weithin geachteter Fantasy- und Science-Fiction-Künstler. Seine Werke zierten inzwischen nicht nur "Perry Rhodan"-Hefte, sondern auch das Sammelkartenspiel für "A Game of Thrones". Einer seiner größten Aufträge in den vergangenen Jahrzehnten. Mehr als 100 Spielkarten gestaltete der Flachgauer für "A Game of Thrones"-Autor George Martin.

Das Zeichentalent von Franz Miklis fiel früh auf. "Die Lehrer merkten bald, dass ich gut zeichnen kann und die gestellten Aufgaben immer irgendwie anders anging als die anderen." Besonders gern erinnert sich Miklis an seinen Zeichenlehrer im Salzburger Bundesgymnasium II zurück. Der förderte ihn, besuchte mit den Schülern Galerien und bestärkte Miklis darin, sich weiter der Kunst zu widmen. Es folgten Kunstkurse neben dem Bankjob. Miklis fand langsam zu seinem Stil und malte vor allem mit Acrylfarben. Sich hauptberuflich der Kunst zu verschreiben, kam für ihn aber nie infrage: "Ich bin Zwilling im Sternzeichen, in meiner Brust sind zwei Seelen: die eine will die Sicherheit, die mir mein Job gibt, die andere will sich austoben und verwirklichen. Das kann ich mit der Kunst." Besonders wichtig ist ihm, unabhängig zu bleiben. Wer von der Kunst leben wolle, müsse Kompromisse eingehen. "Ich wollte immer mein eigener Herr sein und mir nicht dreinreden lassen."

Miklis' erste Zeichnungen - Bleistiftporträts von "Star Wars"-Charakteren - erschienen vor Jahrzehnten in einer "Perry Rhodan"-Zeitschrift auf den "Galerie-Seiten". Sie liegt noch heute in seinem Kämmerlein im Keller seines Wohnhauses, in dem seine Kunstwerke entstehen. ",Star Wars' war für mich der Einstieg." Miklis mag dieses Genre, denn da gehe es um die Zukunft der Menschheit, um technische Fortschritte, die irgendwann einmal Wirklichkeit würden. "Da braucht man sich nur ,Raumschiff Enterprise' anzuschauen." Als er seine Zeichnung in der Zeitschrift gesehen habe, sei er unheimlich stolz gewesen. "Das war die erste große Bestätigung für mich, dass das, was ich da zeichne, tatsächlich etwas ist."

Inzwischen ist Franz Miklis ein alter Hase in diesem Geschäft. Immer wieder werden aus aller Welt Aufträge an ihn herangetragen, die er sorgsam auswählt. "Ich habe inzwischen zwei Enkerl, um die ich mich auch sehr gern kümmere. Darum zeichne und male ich derzeit nicht mehr ganz so viel." Doch ganz kann er es nicht lassen, sich in sein bis oben hin mit Fachliteratur und Kunstwerken sowie Bergsteigerbüchern (sein zweites großes Hobby) vollgestopftes Atelier zurückzuziehen, um in die Weiten des Weltraums und geheimnisvoller Königreiche einzutauchen.

Perry Rhodan und Co.: Miklis weltweit unterwegs

Franz Miklis malt seit seiner Kinderheit. Schnell entwickelte er für eine Vorliebe für Science Fiction und Fantasy. Er malte und illustrierte für die Perry-Rhodan-Hefte, später erschuf er mehr als 100 Sammelkarten für A Game of Thrones. Daneben verewigt er sich in der Kuppel des Planetariums Stuttgart.

Mit seinen Werken ist Franz Miklis weltweit unterwegs auf Fantasy- und Science Fiction-Conventions anzutreffen, etwa in Chicago, San Francisco oder Glasgow. Für die Austria Con 2016 entwarf der Künstler eine Briefmarke, zudem zahlreiche Buchcover für namhafte Autoren. Eines seiner aufwendigsten Projekte im Fandom war der von Johnny Bruck inspirierte Bilderzyklus "100 Maschinenträume" zum 100. Treffen des Wiener Perry Rhodan-Stammtisches.

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