Kultur

Im Oberpinzgau wich Vorsicht der Neugier

Seit 25 Jahren entsteht beim Komponistenforum Mittersill rund um den Todestag von Anton Webern Neue Musik.

Beim ersten Komponistenforum 1996 erregte die Uraufführung eines Stücks für vier Wassergongs Aufsehen. SN/kofomi
Beim ersten Komponistenforum 1996 erregte die Uraufführung eines Stücks für vier Wassergongs Aufsehen.

Jeden Samstag ist es so weit. Anstatt lieblicher Töne bringt das Glockenspiel am Hauptplatz von Mittersill eine Zwölftonreihe von Anton Webern zum Klingen. Dass die Gemeinde die Installation "Webern-Uhrwerk" von Karlheinz Essl regelmäßig zum Einsatz bringt, sieht Wolfgang Seierl als Beleg für die Akzeptanz des Komponistenforums: "Das Bewusstsein für unsere Arbeit ist gestiegen."

Das war 1996 noch anders. Dass Tonschöpfer im Gedenken an Anton Webern, der am 15. September 1945 in Mittersill starb, rund um seinen Todestag einen interdisziplinären Künstlertreff veranstalten, sei mit Zurückhaltung und Vorsicht aufgenommen worden. "Es gab damals nicht einmal eine Postkarte von Mittersill, die auf Anton Webern verwiesen hatte." Mit Aktionen im öffentlichen Raum versuchten die Macher des Komponistenforums Aufklärung zu betreiben. Mittlerweile gebe es "schöne Erfolge", betont "kofomi"-Gründer Wolfgang Seierl: Ein Denkmal in der Gemeinde und der Webern-Park erinnern an den Komponisten, ein Webern-Wanderweg führt zu etlichen Gedenkorten.

Das lebendige Denkmal für Webern sei jedoch das Komponistenforum selbst, sagt Seierl: "An diesem Ort entsteht Neue Musik." Das Konzept sei unverändert, Künstler verschiedener Sparten sollten am Ort Neues schöpfen. Selbst das Neue-Musik-Ensembles "die reihe", das die Arbeit ohne Probeplan nicht gewohnt war, verinnerlichte diese Maxime. "Die Musiker ließen langsam los und mischten sich unter die Komponisten. Manche begannen selbst zu komponieren. Man wusste nicht, wer Komponist und wer Interpret war."

Vieles offen ist auch in der Jubiläumsausgabe zum 25-jährigen Bestehen, die unter dem Motto "Reset" steht. Fixpunkte sind eine Lesung von Marlene Streeruwitz, die sich in ihrem aktuellen Roman mit dem Tod von Anton Webern beschäftigt, die Performance "Stalltänze" von Barbara Maria Neu und ein Auftritt der Wiener Rapperin Kerosin95. Entgegen dem pandemiebedingten Boom virtueller Meetings stehe das "kofomi" für reale Kommunikation: "Je mehr das Digitale überwiegt, ist so ein Ort der Begegnung wichtig. Die Leute kommen bewusst ohne Vorbereitung her und können offen sein für das, was dort passiert. Und daraus entstehen tolle Sachen."

Festival: 25 Jahre Komponistenforum Mittersill, 11. bis 18. September.

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