Kultur

Mozartwoche: Piotr Anderszewski feiert gelungenes Debüt

Eigentlich gibt Piotr Anderszewski die Führung ungern aus der Hand. Bei seinem Debüt mit den Wiener Philharmonikern überließ der polnische Pianist das Dirigat gestern, Mittwoch, bei einem Konzert im Großen Festspielhaus bei der Salzburger Mozartwoche allerdings doch Alain Altinoglu.

 Piotr Anderszewski. SN/www.neumayr.cc
Piotr Anderszewski.

Für sein Debüt mit den Wienern hat sich Piotr Anderszewski Mozarts Klavierkonzert Nummer 25 ausgesucht. Ein Konzert, das sich auch auf seiner aktuellen Mozart CD findet. Dafür hat er es allerdings mit dem Chamber Orchestra of Europe eingespielt und selbst vom Flügel aus geleitet. Der Pianist schätzt die unmittelbare Verbindung zum Orchester, doch diese konnte er auch so gut herstellen. Alain Altinoglu ließ das gelassen zu und genoss vielmehr den Dialog zwischen den Musikern.

Piotr Anderszewski hat eine spezielle Verbindung zu Mozarts Musik, die man spürte. Gerade in den leiseren Passagen gelang ihm ein dichter Spannungsaufbau, den er jedes Mal wieder mit Freude auf die Spitze trieb, um dann Sekunden später wieder in das Orchester einzutauchen. Der Pianist und die Wiener Philharmoniker passen gut zusammen und machen Lust auf mehr.

Was Mozart für Piotr Anderszewski war, war Bizet für Alain Altinoglu: eine Wohltat. Nach der Pause dirigierte er Bizets erste Symphonie und die enge Verbindung zum französischen Repertoire war unverkennbar. Dadurch klangen auch die Wiener gleich ein bisschen französischer. Viele Emotionen schwirrten da durch das Große Festspielhaus, und der Dirigent kostete jede davon aus. Besonders der zweite Satz hatte es ihm offensichtlich angetan. Voller Schwermut ließ er die Wiener in ihrem warmen und satten Klang anschwellen. Dort hindurch führte die Oboe schlank die Melodie, was sich als guter Ausgleich erwies.

Auch wenn Bizets Oper "Carmen" erst zwanzig Jahre später entstand, so sind ihre Vorboten im letzten Satz der Symphonie doch schon gut hörbar. Und so dirigierte Alain Altinoglu die Wiener auch. Die starke Dramaturgie tat Bizet allerdings besser als Mozarts Pariser Symphonie, mit der das Konzert eröffnet wurde. Nach zwanzig Minuten voller Tempo und Klanggewalt war Anderszewskis unaufgeregter Zugang zu Mozart eine willkommene Abwechslung. Viel Jubel und langen Applaus bekamen letztlich alle verdient. Es dürfte tatsächlich für jeden Geschmack etwas dabei gewesen sein.

Quelle: SN

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