Kultur

Salzburger Kulturvereinigung: So abwechslungsreich reist es sich durch das 20. Jahrhundert

Ein Gastspiel der Schwestern Katia und Marielle Labèque ist immer ein Erlebnis. Beim Abo-Konzert der Salzburger Kulturvereinigung sorgt das Weltklasse-Klavierduo im Konzert für zwei Klaviere von Francis Poulenc für rasende Brillanz in der Felsenreitschule.

Katia und Marielle Labèque mit Dirigent Gustavo Gimeno. SN/www.neumayr.cc
Katia und Marielle Labèque mit Dirigent Gustavo Gimeno.

Es klingt wie Mozart, aber unter dem Einfluss von ein bis zwölf Gläsern Absinth. Francis Poulenc sog in seiner kompositorischen Arbeit alle möglichen Einflüsse ein und verarbeitete sie in einer markanten, sehr originellen Weise. Sein Konzert für zwei Klaviere in d-Moll ist ein perfektes Beispiel: Man hört das Thema des langsamen Satzes aus dem Ravel-Klavierkonzert. Hat man es eingeordnet, ertönt schon wieder ein neuer musikalischer Gedanke. Jetzt sind wir bei einer Mozart-Melodie angelangt, deren harmonische Unterbau wiederum ins Moderne abgleitet. Im Tempo eines Videoclips wechseln sich Themen, Episoden, Bilder in atemberaubender Geschwindigkeit ab - Filmriss nicht ausgeschlossen.

Die Labèque-Schwestern Katia und Marielle haben eine Mordsgaudi mit diesem Werk, dessen Ironie und Brillanz die Vorzüge des Gespanns bestens zur Geltung bringt. Jede der Schwestern bringt individuelle Klangfarben in Spiel, im Duo finden sie zu großer Geschlossenheit. Man hört dieser Interpretation auch die Vertrautheit mit dem Dirigenten Gustavo Gimeno an, der am Steuerrad des Orchestre Philharmonique du Luxembourg durchaus mit dem Labèque-Turbo Schritt halten kann. Die Schwestern legten mit Adolfo Berios "Polka" nach - und bewiesen in dieser Zugabe-Petitesse durchaus Selbst-Ironie.

Eingebettet wird diese Fahrt mit der neoklassizistischen Achterbahn in zwei weitere Werke des 20. Jahrhunderts. Zunächst Henri Dutilleux' postmoderner Klassiker "Métaboles" aus dem Jahr 1964, der dieses äußerst progressive Gastspiel-Programm auf die Spitze treibt: Dieses Werk erscheint immer wieder wie ein Klangwunder, gelingt dem Komponisten doch gewissermaßen die Quadratur des Kreises. Äußerste Dissonanz, sperrige Klangflächen werden so raffiniert arrangiert, dass diese betörenden Farben eine ganz eigene Poesie entwickeln. Das Orchestre Philharmonique du Luxembourg zeigt hier sein Potenzial auf: Kornette klingen wie menschliche Stimmen, die Klangschönheiten werden in frankophonem Originalton zur Schau gestellt, heikle Unisoni des Riesen-Klangkörpers ertönen packend synchron und Dirigent Gimeno achtet auf Spannung bis zum Ende.

Nach der Pause wird in Sergei Rachmaninows "Symphonischen Tänzen" geschwelgt, die wie ein Rückblick in die romantische Epoche wirken. Auch hier verleiht der Spanier Gimeno den schnelleren Passagen das nötige Feuer, auch wenn die Interpretation in Sachen Kontur und Präzision doch den allerletzten Feinschliff vermissen lässt. Mit einer Orchesterversion von Rachmaninows "Vocalise" erwecken die Gäste aus Luxemburg zuletzt noch zarte Frühlingsgefühle im ungemütlichen Salzburger Spätwinter.

Weitere Konzerttermine: Orchestre philharmonique du Luxembourg, Gustavo Gimeno, Katia & Marielle Labèque. Abo-Zyklus der Salzburger Kulturvereinigung, Felsenreitschule, 14. und 15. März, jeweils 19.30 Uhr.

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