Kultur

"stART"-Festival: Neue Musik in der XXL-Kugelbahn

Die gute, alte Kugelbahn war und ist ein Kinderzimmer-Klassiker. In der Salzburger ARGEkultur spielt eine XXL-Version der Kugelbahn die Hauptrolle beim "stART"-Festival für Neue Musik.

"stART"-Festival: Neue Musik in der XXL-Kugelbahn SN/argekultur
Die Kugelbahn ist ein Hauptdarsteller in der Koproduktion der ARGE und des Österreichischen Ensembles Neuer Musik. 

Komponist Marco Döttlinger versammelt in seinem Werk "No Formation" Musiker und Schauspieler in diesem Riesen-Konstrukt, die knapp einstündige Uraufführung am Freitagabend wurde begeistert aufgenommen.

In biennalem Rahmen bietet die ARGEkultur jungen Komponisten und Theaterleuten die Möglichkeit, zeitgenössische Musik mit szenischen Elementen zu verbinden. Im Falle von "No Formation" stand vor allem die Installation selbst im Vordergrund, nutzte Marco Döttlinger doch die Kugelbahn vor allem als Klangkörper. ARGE-Leiter Markus Grüner-Musil hatte die Aufgabe, die Kugeln auf die Reise durch das meterhohe Bahnenlabyrinth zu schicken. Anzahl der Kugeln und Zeitabstände schrieb Döttlinger dabei streng in seiner Partitur vor.

Nicht nur die Musiker hatten ihren Platz in dieser eindrucksvollen Konstruktion, auch Metallstäbe wurden als Wegstation eingesetzt - mit hörbarem Erfolg. Was als hintergründige Kammermusik aus kleinsten Motiv-Schnipseln der Musiker Fritz Kronthaler (Saxophon), Sasa Dragovic (Trompete) und Rupert Struber (Percussion) vom Österreichischen Ensemble für Neue Musik (oenm) begann, entwickelte sich zum massiven Klanggewitter. Schließlich sampelte der 30-jährige Tiroler Komponist die Klänge der Kugelbahn und schickte sie elektronisch generiert wieder zurück auf die Bühne. Zuletzt fand die Musik zu ruhigen Klangflächen, die als akustisch musizierter Kontrast Zeugnis von der Vielseitigkeit des jungen Tonsetzers ablegten.

Der theatrale Aspekt beschränkte sich auf die musiklose erste Viertelstunde. Als Metapher unserer Informationsgesellschaft gedacht, ließ die Regisseurin Julia Wissert ihre beiden Darstellerinnen Sofia Papanikandrou und Luna Cenere sich gegenseitig Aufgaben ins Ohr flüstern und diese dann tanzen. Die Bewegungsformen verbanden sich mit einer Endlosschleife aus Nachrichtenmeldungen zu einem amüsanten Intro, dessen Zusammenhang mit der Komposition jedoch eher theoretischer Natur blieb.

Egal: Die ARGEkultur hat sich einmal mehr als wichtige Produktions-Plattform für Neue Musik und junges Theater aus Salzburg erwiesen. Und die Riesen-Kugelbahn erwies sich nach Aufführungsende als Publikumsmagnet. Heute, Samstag, und am 17. September bietet das "stART"-Festival jeweils um 20 Uhr weitere Begegnungen mit diesem Hingucker.

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