Kultur

Teresa Präauer: Wenn der Dollar auf den Euro klettert...

Teresa Präauers erstes Drama "Ein Hund namens Dollar" feiert am Schauspiel Frankfurt Premiere.

Teresa Präauer arbeitet bereits an einem weiteren Stück, das in Frankfurt zur Aufführung kommen soll.  SN/wallstein verlag/langdon
Teresa Präauer arbeitet bereits an einem weiteren Stück, das in Frankfurt zur Aufführung kommen soll.

Drei Romane hat die in St. Johann aufgewachsene Autorin und bildende Künstlerin Teresa Präauer bislang veröffentlicht. Vergangene Woche feierte ihr erstes Theaterstück in Frankfurt Premiere.

Ihr Stück "Ein Hund namens Dollar" feierte am Schauspiel Frankfurt Premiere. Wie kam es zu diesem Wechsel ins dramatische Genre?
Präauer: Das war eine Einladung durch das Schauspiel Frankfurt, die überraschend gekommen ist, aber vielleicht nicht von ungefähr: Mein letzter Roman ,Oh Schimmi' ist ja beinah wie ein Sprechstück gebaut und erschließt sich wohl am besten laut gelesen. Es soll übrigens im Herbst am Schauspielhaus Wien als Monolog gezeigt werden und wird dann als Koproduktion nach Bregenz wandern.

Die Einladung erfolgte für die monodramatische Serie "Stimmen einer Stadt", in der es darum geht, sich literarisch-dramatisch mit Frankfurt auseinanderzusetzen.

Weshalb wurden Sie, eine Österreicherin, eingeladen, dafür zu schreiben?
Es ging darum, Menschen dieser Stadt zu porträtieren, durchaus auch mit dem Blick von außen, also durch jemanden, der nicht in Frankfurt lebt. Durch die Buchmesse und Lesungen kommt man ohnehin öfter in diese Stadt, aber es ist etwas anderes, jemanden von dort ein paar Mal zu treffen, mit diesem Menschen ins Gespräch zu kommen und dann davon ausgehend einen Text zu schreiben, der diesen Menschen zur Theaterfigur werden lässt, also zu fiktionalisieren und so etwas wie ein Sprachkunstwerk zu schaffen. Ich habe weniger dokumentarisch gearbeitet, als vielmehr eine allgemeine Geschichte erzählen wollen über Auf- und Abstieg, Hochstapelei und Glücksrittertum, Geld und Leben. Frankfurt mit seinen Börsen und Banken bietet dafür eine ideale Projektionsfläche, "Ein Hund namens Dollar" könnte aber überall gespielt werden.

Ein Drama gehört ja nun nicht zwischen zwei Buchdeckel, sondern auf die Bühne im Theater. Welche neuen Anforderungen hinsichtlich Form, Inhalt und Textaufbau ergaben sich für Sie?
Ich glaube, dass man einen Text für die Bühne räumlich, akustisch und performativ denken muss, das ist für die Prosa nicht unbedingt nötig. Ich stellte mir beim Schreiben vor, was könnte der Schauspieler tragen, wie könnte er im Verlauf des Sprechens über die Bühne wandern und klettern, wie würde man die Geschichte nur vom Hören begreifen, wie würden die Wörter klingen, wo braucht es Pausen, Wiederholungen, was bleibt offen und was wird deutlich. Ich gehe selbst öfter ins Theater und frage mich als Autorin und als bildende Künstlerin eigentlich immer, wie würde ich es machen. Inklusive Bühne, Ausstattung, Maske, Kostüm, Ton und Licht.

Die Frankfurter Neue Presse schrieb von einem "hochvirtuosen, hintersinnigen und vergnüglichen, manchmal klamaukigen Sprachspiel". Wie sind Sie mit der Bühnenumsetzung Ihres Textes zufrieden?
Ich bin glücklich mit der Umsetzung, denn sie bleibt genau am Originaltext, der dann wiederum durch einen wirklich komisch, böse, lustig, melancholisch, schnell und fein arbeitenden Schauspieler (Felix Rech) und eine ebensolche Regie (Anselm Weber) zum Leben erwacht.

Einmal mehr spielt das Animalische in "Ein Hund namens Dollar" eine große Rolle. Weshalb sind in Ihren Werken immer auch Tiere zugegen?
Weil sie eine Plage sind, die ich erst loswerde, wenn ich meinen Essayband fertiggeschrieben habe. Er heißt "Tier werden" und erscheint im Herbst im Wallstein Verlag. Danach habe ich hoffentlich meine Ruhe und kann mich anderen Themen widmen. Aber eigentlich sind Tiere in Geschichten immer dankbare oder trotzige Begleiter für Menschen. Im Frankfurter Monolog berichtet der Besitzer des hysterischen Hündchens Dollar, wie sie gemeinsam das riesige Euro-Zeichen am Willy-Brandt-Platz erklimmen.

Wird es bei diesem Ausflug ins Dramatische bleiben? Woran arbeiten Sie derzeit?
Im Herbst 2019 soll ein neues Stück für drei bis fünf Personen die Spielzeit der Kammerspiele am Schauspiel Frankfurt eröffnen. Ich habe dafür eine Komödie im Sinn, das Tragische ist da nicht ausgenommen.

Quelle: SN

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