Kultur

Universität Mozarteum: Digital-Juroren hören anders als im Konzertsaal

Bewertet man Klavierspiel hörend anders als sehend? Ein Wettbewerb in Salzburg brachte hochinteressante Erkenntnisse.

Mit einem überraschenden Ergebnis ist der Klavierwettbewerb "Juries in Competition" an der Universität Mozarteum zu Ende gegangen: Jene Jury, die den jeweiligen Pianisten nur per Digitalklavier gehört hat, verlieh den ersten Preis an die Südkoreanerin Yedam Kim. Die beiden Jurys, die auch den leibhaftigen Interpreten gesehen haben, entschieden sich übereinstimmend für Sergey Belyavskiy aus Russland. Er tritt mit 10.000 Euro Preisgeld die Heimreise an.

Für den Initiator Klaus Kaufmann ist das Experiment, eine ,blinde' Jury einzusetzen, damit gelungen. Die Juroren im Wiener Saal bekamen die Tasten- und Pedalbewegungen des online verbundenen Bösendorfer-Flügels zu sehen, der die Interpretation aus dem Solitär eins zu eins wiedergab. "Der Unterschied war evident. Die Jury im Wiener Saal, die sich einzig und allein auf das Gehörte konzentrieren konnte, schwamm oft total gegen den Strom", erzählt Kaufmann. Auch die Anonymisierung der 38 Teilnehmer während des Wettbewerbs sei auf positives Feedback gestoßen.

Damit lassen sich Rückschlüsse nicht nur für künftige Wettbewerbe, sondern auch für Bewerbungen ziehen: Musiker aus Fernost etwa könnten sich eine teure Reise nach Europa zu Wertungsspielen oder Aufnahmeprüfungen ersparen, wenn der Höreindruck per Digital-Flügel genügt, um die Qualität zu erkennen.

Bei der Vergabe der zweiten und dritten Preise waren sich die drei Jurys übrigens wieder einig: Oleksii Kanke aus der Ukraine, Anastasia Vorotnaya aus Russland und Alexander Panfilov landeten je zwei Mal auf dem Podium.

Quelle: SN

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