Kultur

Gesucht: Ein Schoßhund, der seinen eigenen Tod vortäuscht

Weder Orchestermusik noch Rampenlicht darf ihn aus der Fassung bringen: Regisseur Stephen Medcalf sucht für seine "Viva la diva"-Inszenierung einen nervenstarken Vierbeiner.

"Tricks kann er zwar keine, aber er ist es gewohnt, den ganzen Tag im Geschäft zu stehen und Musik zu hören. Seine Lieblingsoper ist ,Tosca'", berichtet Felicitas Fallenegger. Mit ihrem fünfjährigen Kaninchendackel Shadow ist sie am späten Freitagnachmittag zum Hunde-Casting des Landestheaters gekommen. Später, während seines ersten Auftritts auf der Probebühne in Salzburg-Aigen, wird er am Schoß von Sängerin Anne-Fleur Werner sitzen, während sie ihre Arie singt. Ob er den begehrten Job bekommt? Immerhin winken neben den 50 Euro Gage pro Aufführung vor allem Ruhm und Anerkennung. Doch die Konkurrenz ist groß: Zehn Hunde und ihre Herrchen bzw. Frauchen sind zur Probebühne gekommen, um ihre Vierbeiner groß rauszubringen. Regisseur Stephen Medcalf zeigte sich zuversichtlich, den perfekten Kandidaten für seine Inszenierung der Opera buffa "Viva la diva" - bei der es um Eifersüchteleien zwischen Operndarstellern geht - zu finden.

"Der Hund muss mitten in der Arie loslaufen und dann auf den Schoß seines Frauchens springen", erklärte Medcalf den Besitzern der tierischen Kandidaten. Außerdem muss sich das Tier von einem Sänger zum anderen weiterreichen lassen und sollte daher handlich und nicht zu schwer sein. Auch auf einer Sänfte sollte sich das Tier auf die Bühne tragen lassen. Aber das ist noch nicht alles: In einer Szene soll der Vierbeiner - wenn möglich - einem der Protagonisten über das Gesicht schlecken.

Nach etwa eineinhalb Stunden stehen die drei Finalisten fest: Langhaar-Chihuahua-Dame Penny (4) aus Bayern hatte sich als besonders musikbegeistert erwiesen. "Großartig, wie interessiert er während der Arie dreingeschaut hat", meinte Stephen Medcalf. Der fünfjährige Jack Russel Terrier Kenny aus Frankenburg in Oberöstereich hatte dafür auf Anhieb den erwünschten Sprung auf den Schoß von Sängerin Anne-Fleur vollbracht - und das auf Aufforderung auch noch wiederholt. Dafür gab es sogar Beifall vom Regisseur. Aber auch der mit seinen zehn Jahren schon etwas ruhigere Kleinpudel Bobby aus Henndorf hat das Zeug zum Star. So wie es sein Herrchen Harald Rumpold angekündigt hatte, stellte er sich tot und streckte - auf dem Rücken liegend - alle Viere von sich.

Für Medcalfs Inszenierung ist das nicht unwesentlich: Stirbt doch der Hund am Ende des letzten Aktes den Bühnentod. Nach einer weiteren Casting-Runde will Medcalf seine Wahl treffen. Die Premiere findet am 8. Februar statt. Bis 2. April stehen elf weitere Aufführungstermine auf dem Programm.

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