Politik

Bad Gastein: Land übernimmt Teile des historischen Zentrums

Das Zentrum von Bad Gastein leidet seit Jahrzehnten unter einem teilweisen Verfall der Bausubstanz. Das Land will das nun ändern.

Das Land will die Liegenschaften am Straubingerplatz, das Hotel Straubinger, das Postgebäude und das Badeschloss erwerben, gab Landeshauptmann Wilfried Haslauer am Freitag bei einer Pressekonferenz bekannt. Die Häuser stehen seit mehr als 15 Jahren leer. "In den vergangenen Wochen hat sich ein historisches Fenster aufgetan", sagte Haslauer heute. Es seien intensive Verhandlungen gewesen. Der Kaufvertrag ist am Donnerstag bereits unterschrieben worden und somit verbindlich. Landesrat Hans Mayr und die Wirtschaftskammer stimmten zu.

Am Dienstag werde der Landeshauptmann der Fondskommission des Salzburger Wachstumsfonds vorschlagen, die Liegenschaften zu kaufen. Der Preis liegt bei knapp sechs Millionen Euro. Ziel sei, die Häuser so rasch als möglich an Investoren zu verkaufen. Haslauer ist zuversichtlich, Geldgeber zu finden.

3,4 Millionen Euro wird das Hotel Straubinger kosten. Seit 25 Jahren steht das Gebäude leer. Unverzügliche Baumaßnahmen seien notwendig, um die Substanz zu erhalten - noch vor dem Wintereinbruch. 400.000 Euro sind für die unmittelbare Sanierung nötig, das Gebäude müsse laufend betreut werden. Weitere 50.000 Euro seien für Sanierungsmaßahmen im Badeschloss notwendig. Die Ausschreibung der notwendigen Arbeiten bei den Liegenschaften und deren Abwicklung solle bald erfolgen.

Gemeinsam mit Partnern wolle das Land ein Projekt entwickeln, um alle Immobilien binnen zwei Jahren zu verkaufen. Projektpartner sind Erhard F. Grossnig, Bürgermeister Gerhard Steinbauer und die Bad Gasteiner Kur- und Tourismusverbandgeschäftsführerin Doris Höhenwarter. "Wir haben sehr fair verhandelt", sagt Haslauer. Duval werde sich auf das Kongresshaus und das Haus Austria konzentrieren. Ein Privatinvestor habe wirtschaftliche Vorgaben, das Land nicht. "Wir müssen keinen Gewinn mache."

Das Bad Gasteiner Ortszentrum sei zu einem negativen Symbol geworden. "Die Situation im Zentrum ist mehr als nur ein lokales und regionales Problem - es geht wohl um eine der letzten Chancen zur Rettung eines Kultur- und Wirtschaftsguts von internationalem Rang", sagte Haslauer. Mit dem Kauf will das Land ein Zeichen des Aufbruchs setzen. "Ich will nicht, dass dubiose Geldmittel aus Kasachstan hierher kommen. Es ist in unserem Sinn, das etwas Stimmiges, zu diesem Ortskern Passendes, geschieht."

"Die Preisvorstellungen waren bisher nicht umzusetzen"

Warum hat das Land nicht früher eingegriffen? Das sei nicht möglich gewesen, sagt Haslauer. "Die Preisvorstellungen der Eigentümer waren nicht umzusetzen." Ohne Allianzen wäre die Übernahme nicht möglich gewesen. Eine eigene Arbeitsgruppe mit dem Titel Bad Gastein 2020 soll nun Investoren anziehen. "Wir haben eine neue Qualität, weil mit den Eigentümern eine Lösung gefunden wurde."

Der gesamte Ort und die gesamte Region wünschten sich einen Neustart. "Sie wollen an einem Strang ziehen", sagte Haslauer. Der Landeshauptmann sei daher zuversichtlich, mit dieser Entscheidung den Stein ins Rollen zu bringen. "In einigen Jahren könnte sich ein ganz anderes Bild bieten, wenn wir das Zentrum von Gastein betreten."

Erhard Grossnig ist Projektpartner und Unternehmer. Er beschäftigt 9000 Mitarbeiter in verschiedenen Firmen. Grossnig hat bereits das Haus Sponfeldner im Ortszentrum gekauft. "Es ist Haslauer gelungen, in zähen Verhandlungen zu einer Einigung zu kommen, die wir nicht geschafft haben", sagt der Unternehmer bei der Pressekonferenz. "Mir hätte Phillippe Duval nicht verkauft. Zumindest nicht für diesen Preis."

Das Projekt müsse wirtschaftlich sein "Die Ausgaben dürfen die Einnahmen nicht übersteigen." Ziel sei, das Ortszentrum im neuen Glanz erstrahlen zu lassen. "Eigentlich bin ich zu alt, um mich mit solchen Dingen zu beschäftigen. Aber es macht mir Spaß."

"Der Himmel über Bad Gastein weint"

Bürgermeister Gerhard Steinbauer ist sichtlich gerührt von der Einigung. "Der Himmel über Bad Gastein weint." Seit bald zwei Jahrzehnten würden die Bewohner unter der Situation im Zentrum leiden. Dennoch stehe Bad Gastein mit knapp 1,2 Millionen Nächtigungen gut da. "Das ist auf die Besonderheiten unseres Ortes zurückzuführen. Der Mühlstein um unseren Hals ist aber auf Dauer nicht zu ertragen."

Steinbauer ist überzeugt, dass ein sinnvolles Projekt entwickelt werden könne. "Dann wird Gastein durchstarten, wir werden nicht mehr zu bremsen sein. Heute ist ein Feiertag für uns."

Kurdirektorin Doris Höhenwarter sprach davon, wie schwer die vergangenen 18 Jahre für Gastein gewesen seien. "Wir hatten viele negative Pressestimmen. Gäste haben uns den Rücken gekehrt." Nun scheine sich der gordische Knoten gelöst zu haben. "Ich bin seit neun Jahren Kurdirektorin. Wir haben uns immer mit kleinen Lichtblicken neu motiviert. Oft waren wir kreativ, aber wir haben immer auf diesen Tag gewartet." Jetzt sei es möglich, gemeinsam den Ortskern neu zu entwickeln. Kaum ein Ort habe so viel Potenzial wie Bad Gastein.

Quelle: SN

Aufgerufen am 22.10.2019 um 09:07 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/bad-gastein-land-uebernimmt-teile-des-historischen-zentrums-20049481

"Wolf muss auf Distanz gehalten werden"

"Wolf muss auf Distanz gehalten werden"

Der Wolf breitet sich derzeit rasch in Europa aus und zwingt zu einem Umdenken im Umgang mit ihm. Nachdem wir 150 Jahre ohne ihn gelebt haben, kommt er nun aus allen Richtungen nach Österreich. Derzeit gibt …

Diebe brachen Kellerabteile in Wohnhäusern auf

In der Nacht auf Sonntag wurden in St. Johann im Pongau aus Kellerabteilen zwei Räder und eine Lawinenschutzausrüstung gestohlen. Das teilt die Polizei mit. Der bislang unbekannte Täter oder die Täter stahl(…

Schöne Heimat

Herbst im Naturschutzgebiet Gerzkopf

Von Lisa Payr
21. Oktober 2019
Die schwarze Lacke präsentiert sich im Herbst sehr farbenfroh. Im Hintergrund ein beeindruckendes …

Schlagzeilen