Politik

Dunkles Kapitel wird sichtbar: Mahnmal erinnert an Bücherverbrennung

Ein Mahnmal zeugt jetzt von einem Ereignis, das ansonsten keine Spuren hinterlassen hat.

Wenn am Montagabend das Mahnmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung vor exakt 80 Jahren auf dem Residenzplatz enthüllt wird, dann gibt es erstmals ein sichtbares Zeugnis, ein Zeichen dieses dunklen Kapitels der Geschichte Salzburgs. "Wir finden in Salzburg bis zurück in die römische Zeit materielle Hinterlassenschaften der Geschichte. Nur die Bücherverbrennung hat keine materiellen Zeugen hinterlassen. Jetzt gibt es sie", erklärte Landeskonservatorin Eva Hody.

Das Mahnmal ist so hoch wie eine Sitzbank, und "man darf sich da selbstverständlich hinsetzen", versichert Dagmar Aigner von der Kulturabteilung der Stadt. Entworfen wurde das Mahnmal von der gebürtigen Iranerin Fatemeh Naderi und dem Tennengauer Florian Ziller. Sie haben sich in einem Wettbewerb gegen 106 weitere Einreichungen durchgesetzt. "Wir wollten kein massives, sondern ein feines Kunstwerk schaffen", erklärt Fatemeh Naderi. "Wenn ein Gebäude zerstört wird, bleibt nur eine Struktur übrig. Und wir fanden, ein Buch ist auch so. Es ist vielleicht verbrannt, aber die Struktur bleibt. Das ist die Erinnerung. Damit wir das nicht vergessen." Die Umsetzung sei perfekt gelungen, ergänzt Florian Ziller.

Dass das Mahnmal "vielleicht zu spät", wie es Vizebürgermeister Bernhard Auinger formulierte, oder nicht am historisch belegten Ort aufgestellt wurde, trübt die Freude des offiziellen Salzburg nicht. "Seit 2009 setzt sich die Stadt Salzburg intensiv mit ihrer Geschichte des Nationalsozialismus auseinander. Und denen, die stets einen ,Schlussstrich' ziehen wollen, sage ich: Es wird ihn nie geben. Wir müssen uns dieser Geschichte immer wieder widmen", sagte Bernhard Auinger. Der genaue Ort, an dem die Nazis am 30. April 1938 1200 Bücher verbrannten, liegt etwas näher am Residenzbrunnen. Dort ein Mahnmal zu errichten vertrage sich nicht mit der Funktion des Platzes, man denke nur an den Rupertikirtag, ergänzte Kunstbeirats-Vorsitzender Werner Thuswaldner. Bürgerlisten-Gemeinderätin Inge Haller, die sich seit zwölf Jahren für das Mahnmal eingesetzt hat, betont: "Dass dieses Mahnmal am zentralsten Ort der Stadt errichtet wurde, ist eine große Freude."

Kubus aus Beton und Glas erinnert an die Bücherverbrennung der Nazis

Das Mahnmal in Form eines 2,40 Meter mal 2,40 Meter großen Kubus ragt etwa 45 Zentimeter aus dem Boden heraus und lädt zum Sitzen ein. Durch eine Glasplatte sichtbar ist das schwarze Skelett eines Buches. Die Aufschrift "30 April 1938 Bücherverbrennung Gegen das Vergessen" macht klar, wofür das Monument steht.

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