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Erzdiözese Salzburg: 5177 Personen traten im Vorjahr aus der Kirche aus

Die finanziellen Folgen der Coronapandemie stellen die Erzdiözese Salzburg auch heuer vor große Herausforderungen. Finanzielle Sorgen macht auch die weiter hohe Zahl der Kirchenaustritte.

Die Erzdiözese hat am Mittwoch die Austrittszahlen für das Jahr 2020 bekannt gegeben. SN/robert ratzer
Die Erzdiözese hat am Mittwoch die Austrittszahlen für das Jahr 2020 bekannt gegeben.

Die Erzdiözese Salzburg rechnet in diesem Jahr mit einem ausgeglichenen Budget. Das geht aus dem Haushaltsplan für das Jahr 2021 hervor, den das Konsistorium und der Diözesankirchenrat der Erzdiözese bei ihrer gemeinsamen, wegen der Coronapandemie virtuellen Sitzung noch vor Weihnachten verabschiedet haben. "Mit großen Anstrengungen ist es uns gelungen, trotz der vielen Unsicherheiten ein positives Budget für das kommende Jahr zu erstellen", freut sich Finanzkammerdirektor Cornelius Inama.

Kirchenbeitrag wird heuer um 117.000 Euro weniger einbringen als 2020

Wichtigste Säule des Budgets 2021 bleibt der Kirchenbeitrag mit prognostizierten Einnahmen von rund 48,9 Millionen Euro. Damit liegen die Erwartungen um rund 117.000 Euro niedriger als 2020. Erzbischof Franz Lackner dankt deshalb allen, die dazu beitragen, dass die Kirche ihre Aufgaben weiter erfüllen kann. "Jeder Euro aus dem Kirchenbeitrag macht unser Engagement für die Menschen erst möglich: die Seelsorge in den Pfarren, Bildungsangebote in unseren Schulen und den pfarrlichen Bildungswerken; vor allem aber auch, den Menschen in Not zu helfen. In diesen herausfordernden Zeiten von Corona ist die Kirche hier besonders gefordert", sagt der Erzbischof. Deshalb habe man darauf in der Finanzplanung für das kommende Jahr besonderes Augenmerk gelegt.

Vier-Prozent-Rabatt für jene, die per Bankeinzug zahlen

Übrigens: Wer seinen Kirchenbeitrag künftig über einen Lastschrifteinzug bezahlt, dem kommt die Erzdiözese mit einem Bonus entgegen; das heißt, er zahlt künftig jedes Jahr vier Prozent weniger Kirchenbeitrag. Außerdem gibt es im Jahr der Erteilung des Lastschriftauftrags zusätzlich 20 Euro Vertrauensbonus. Cornelius Inama: "Gerade in der gegenwärtigen Krise hoffen wir, dass diese angebotene Entlastung bei den Beitragszahlern gut angenommen wird."

30,8 Mill. Euro Personalaufwand ist größter Posten im Kirchenbudget

Die Bedeutung des Kirchenbeitrags wird nicht zuletzt daran deutlich, dass an ihm die Gehälter für die rund 900 Personen - Priester, Diakone und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den verschiedenen kirchlichen Arbeitsfeldern - hängen, die in der Erzdiözese angestellt sind. Mit 30,8 Millionen Euro (55,54 Prozent) ist der Personalaufwand der größte Posten bei den Ausgaben. An zweiter Stelle kommt mit rund 4,6 Millionen Euro (8,43 Prozent) der Bauaufwand. Das diözesane Baubudget trägt mit einer Verringerung von 500.000 Euro bzw. zehn Prozent zur Erreichung der Budgetziele bei. Dennoch können mehr als 100 Projekte in den Pfarren mitfinanziert werden. Ein Schwerpunkt wird dabei in den nächsten Jahren der Beitrag zur Erreichung der Klimaziele sein; in diesem Bereich investiert die Erzdiözese eine Million Euro, also rund 20 Prozent ihres Baubudgets. Die Gesamtkosten der Bauvorhaben aller Projekte betragen rund 44,6 Millionen Euro; Geld, das überwiegend regionalen Firmen und Betrieben zugutekommt und damit ein wichtiger Beitrag zur Wirtschaftsförderung ist.

Renovierungen von Kirchen gehen trotz Krise weiter

Rund 900 Gebäude, davon 400 Kirchen und 220 Pfarrhöfe, gehören zur Erzdiözese Salzburg: Zuschüsse für die Außen- oder Innenrenovierung von Kirchen oder Pfarrhöfe gibt es etwa für die Projekte in Altenmarkt, Arnsdorf, Bad Hofgastein, Böckstein, Filzmoos, Fuschl, Großarl, Neumarkt, Lend, Mauterndorf, Piesendorf, Ramingstein, Rußbach, Salzburg-Herrnau, Seekirchen und St. Michael im Lungau. Im Tiroler Teil der Erzdiözese werden im Jahr 2020 folgende Renovierungen von Kirchen oder Pfarrhöfen aus dem Kirchenbeitrag unterstützt: Alpbach, Mariathal, Oberau, Oberlangkampfen, Reith im Alpbachtal und Wörgl.

Austritte weiter hoch, aber im Vergleich zu 2019 gesunken

Sorgen bereiten den Diözesanverantwortlichen trotz des Rückgangs die Kirchenaustritte: 5177 Frauen und Männer haben 2020 die Glaubensgemeinschaft verlassen, gegenüber 5405 im Jahr 2019. Im Bundesland Salzburg waren 3829 Austritte zu verzeichnen, 1348 im Tiroler Teil der Erzdiözese. 408 Personen widerriefen ihren Austritt oder traten in die katholische Kirche ein (Salzburg 309, Tiroler Teil 99). Zahlen, die die Erzdiözese nicht einfach zur Kenntnis nehmen könne, sagt Erzbischof Franz Lackner. Er suche mit jedem Ausgetretenen den Kontakt, biete das Gespräch an. Oft werde zwar der Kirchenbeitrag als Austrittsgrund genannt, dahinter aber stehe meist eine Entfremdung in einer Zeit, in der man auch ohne Kirche und verbindlichen Glauben über weite Strecken gut leben könne. Lackner: "Letztlich braucht es eine neue Glaubwürdigkeit - bei der Kirche wie bei jedem Einzelnen."

Quelle: SN

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