Politik

Erzdiözese Salzburg feiert Teilzeitheilige "Santa Precaria" und erhebt Forderungen

Der 29. Februar ist der Tag der prekär Beschäftigten und Gedenktag von "Santa Precaria" - einer fiktiven Heiligen. Die Betriebsseelsorge der Erzdiözese Salzburg informiert im Einkaufszentrum Forum 1. Die Liste der Forderungen ist lang. Das Motto ist: "Fair statt prekär."

Angelika Maria Fuchs von der Betriebsseelsorge der Erzdiözese Salzburg.  SN/erzdiözese salzburg
Angelika Maria Fuchs von der Betriebsseelsorge der Erzdiözese Salzburg.

Arbeit schützt vor Armut. Für rund 300.000 Personen in Österreich gilt genau das nicht. Laut dem Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer leben sieben Prozent der Beschäftigten in Armut. Die Betriebsseelsorge der Erzdiözese Salzburg hat diese Menschen im Blick - besonders am 29. Februar, am Tag von "Santa Precaria". Die Liste der Forderungen ist lang: Sie reicht von planbaren Arbeitszeiten (statt "allzeit bereit") über eine existenzsichernde Mindestentlohnung (statt "von der Hand in den Mund leben") bis zu umfassender sozialer Absicherung (statt Armutsgefährdung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und im Alter).

Die Palette der Betroffenen reicht vom Paketzusteller bis zur Akademikerin

Als prekäre Beschäftigungen gelten alle Arbeitsformen, die von der klassischen Beschäftigung - also unbefristete Vollzeit - abweichen. Angelika Fuchs, Religionslehrerin und Betriebsseelsorgerin in der Erzdiözese Salzburg: "Wir sprechen also von Teilzeit, Leiharbeit, freien Dienstverträgen oder den ,neuen Selbstständigen'. In der Praxis zieht sich das durch viele Branchen, unabhängig von Ausbildungsniveau und Berufserfahrung. Das fängt beim Lkw-Fahrer und Paketzusteller an, geht über die Reinigungskraft bis zur Akademikerin, die nur zeitlich begrenzte Forschungsaufträge bekommt."

Laut Arbeiterkammer gibt es in Salzburg rund 15.000 "Working Poor"

Die Arbeiterkammer Salzburg geht davon aus, dass es in Salzburg rund 15.000 "Working Poor" gibt. 2017 verdienten in Salzburg rund 7000 Personen weniger als 1000 Euro netto pro Monat, obwohl sie das ganze Jahr Vollzeit arbeiten. Nur knapp mehr als die Hälfte der Salzburger Beschäftigten gehen laut AK noch einem "Normalarbeitsverhältnis" nach - mehr als 36 Stunden in der Woche, weder befristet noch bei einem Arbeitskräfteüberlasser. AK-Präsident Peter Eder: "Ein Mindestlohn von 1700 Euro würde in Anbetracht der hohen Lebenshaltungskosten für viele eine deutliche Erleichterung bedeuten. Die Notwendigkeit ist jedenfalls gegeben."

Erster Aktionstag findet am 29. Februar im Forum 1 statt

Die Beschützerin aller prekär Beschäftigten ist "Santa Precaria". Ihr Gedenktag fällt auf den 29. Februar, den es ja nur alle vier Jahre gibt. "Santa Precaria" ist damit eine echte Teilzeitheilige. Angelika Fuchs holt sie in die Erzdiözese Salzburg und informiert bei einem Aktionstag im Einkaufszentrum Forum 1 am Salzburger Hauptbahnhof über die fiktive Schutzheilige und die Betriebsseelsorge - von elf bis 15 Uhr. Die Betriebsseelsorge gehört zum ABZ - Haus der Möglichkeiten in der Salzburger Kirchenstraße 34. Das ABZ/Kirche & Arbeitswelt ist eine Einrichtung der Katholischen Aktion Salzburg.

Im Jahr 2001 riefen Aktivisten in Italien "San Precario" ins Leben

Im Jahr 2001 wurde von italienischen Aktivistinnen und Aktivisten "San Precario" als Schutzpatron für all jene ins Leben gerufen, die von Prekarisierung betroffen sind. Da dies in Österreich besonders Frauen sind, soll in Österreich "Santa Precaria" die fiktive Schutzheilige sein. "Sie steht symbolisch für viele Frauen und Männer, die sich solidarisch für Gerechtigkeit in der Arbeitswelt einsetzen", heißt es.

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