Politik

Kritik an Haslauer wegen Virologen-Sagers - LH stellt "pointierte Aussage" klar

Wie ernst gemeint auch immer er war: Der Sager von Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP), dass Virologen Menschen aus Schutz vor einer Infektion am liebsten einsperren würden, hat scharfe Kritik ausgelöst - auch aus Salzburg.

LH Wilfried Haslauer handelte sich Kritik ein. SN/APA/BARBARA GINDL
LH Wilfried Haslauer handelte sich Kritik ein.

Ulrich Elling vom Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften konterte den Politiker im Puls-24-Interview und warf Haslauer "Fake News" vor. Vielmehr habe die Politik viel zu spät reagiert.

Nach einer Welle der Empörung sah sich Haslauer dann am Freitag gezwungen, seine Äußerungen zu Virologen vom Mittwoch klarzustellen. Es sei gar keine Frage, dass es Aufgabe der Virologen sei, auf ihre Sicht hinzuweisen was optimal zu geschehen habe. Er habe aber andere Aspekte auch zu beurteilen, etwa die gesellschaftlichen und sozialen Auswirkungen.

Haslauer im Rahmen seiner Pressekonferenz am Freitag: "Ich habe etwas pointiert zum Ausdruck gebracht, die Reaktion war genauso pointiert indem man mir komplette Wissenschaftsfeindlichkeit vorwirft. Ich schätze und achte die Arbeit der Wissenschafter, Forscher, Virologen, Komplexitätsforscher. Aber in der Empörungskultur, die wir in Österreich zur Zeit haben, kann man keine pointiert formulierte Aussage treffen. Das nehme ich zur Kenntnis, bitte aber auch diese Richtigstellung zur Kenntnis zu nehmen."

Die am Mittwochabend getätigte Haslauer-Aussage Unterstellung an Virologen und die Absage an Lockdowns seien ein Symptom der Hilflosigkeit, sagte der Molekularbiologe. Die Kritik sei diffamierend und motivationszerstörend für Wissenschafter. "Es entbehrt jeglicher Wahrheit. Das sind komplette Fake News, die Behauptungen, dass wir Leute einsperren wollen", sagt Elling. Die Experten hätten die Coronadynamik sehr wohl vorhergesehen und rechtzeitig intelligente Maßnahmen vorgeschlagen, damit eben Lockdowns verhindert werden können. Nur die Politik habe nicht gehört.

Die Situation sei nicht erst seit Oktober dynamisch, schon im August habe das Prognosekonsortium gesagt, dass es in den Spitälern eng werden wird. Dass die Impfeffizienz wegen Delta abnehme, sei auch bekannt gewesen. Israel habe im August bekannt gegeben, dass Auffrischungsimpfungen helfen. Der Stufenplan sei dann nicht auf die Pandemie zugeschnitten gewesen, sondern auf den Wahlkampf in Oberösterreich, sagte Elling.

Weil man zu lange gewartet habe, brauche man nun "Akutmaßnahmen". Kurzfristig habe man nun nur noch die Wahl zwischen "einer Vollbremsung oder Augen zu und durch". Ein strikter Lockdown würde Elling zufolge auf jeden Fall Wirkung zeigen. Es könnte auch klappen, wenn dieser nur Ungeimpfte betreffen würde, sagte der Experte. Ob das aber machbar sei, ist fraglich. Es müsste strikt kontrolliert werden. Das eigentliche Problem sei aber, dass dafür der politische Wille fehle, sagt Elling.

Kritik kam am Donnerstag auch von Jörg Hutter, dem Sprecher der Spitalsärzte in der Salzburger Ärztekammer. Er griff aber nicht Haslauer, sondern die Politik allgemein an. "Der Ist-Zustand in den Krankenhäusern klafft weit von dem auseinander, was gestern auf der Pressekonferenz gesagt worden ist." Bisher seien fast alle Prognosen, die von Analytikern erstellt worden seien, letztlich auch eingetroffen.

Auch Hutter sprach sich für baldige Kontaktrestriktionen aus. "Sämtliche Maßnahmen, die wir jetzt ergreifen, und das ist die Befürchtung vieler Ärzte, werden erst in zwei bis drei Wochen schlagend. Im Krankenhaus laufen dann wieder alle hinterher, darum brauchen wir jetzt kurzfristige Maßnahmen."

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