Long Covid wird oft zu spät erkannt

Bis zu einem Jahr können Menschen an Symptomen einer Coronainfektion leiden. Viele Ärzte wissen laut AMD zu wenig darüber.

Ambulante Rehabilitation für Long-Covid-Patienten bietet das Rehazentrum Salzburg unter der Leitung von Josef Niebauer.

21.000 Krankenstände wegen Long Covid wurden bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) seit dem Beginn der Pandemie bisher gemeldet. Trotzdem bestehe nach wie vor das Problem, dass die Folgeerkrankung einer Coronainfektion zu spät oder gar nicht erkannt werde. Das sagt Ortrud Gräf, Vorständin des Arbeitsmedizinischen Dienstes (AMD) Salzburg.

Symptome einer Coronainfektion, die nach vier Wochen nicht abgeklungen sind, werden als Long Covid bezeichnet. Mittlerweile sind 200 Krankheitssymptome von Long Covid beschrieben. Oft gebe es komplizierte Konstellationen, was die Diagnose erschwere, sagt Ortrud Gräf.

Mit dem Urteil eines steirischen Gerichts, wonach einer 33-Jährigen vorübergehend eine Berufsunfähigkeit bescheinigt wurde, sei ein wichtiger Schritt zur Unterstützung betroffener Personen getan, sagt Gräf. "Wenn ich nicht arbeitsfähig bin, ist meine Existenz gefährdet. Und die Arbeitsunfähigkeit muss ich mit einer Diagnose beweisen."

Sie habe mehrere Fälle erlebt, in denen es bei den Betroffenen monatelang gedauert hat, bis eine Diagnose gestellt wurde. "Es gibt bei Männern öfter das Problem, dass sie eine Pfortadernthrombose haben. Die Betroffenen kommen selbst gar nicht auf die Idee, dass das etwas mit einer Coronainfektion zu tun haben könnte, vor allem wenn die akute Infektion sehr mild verlief."

Sie habe eine Patientin gehabt, die monatelang Kopfschmerzen hatte, bis ihr in einer Spezialambulanz in Wien endlich eine Diagnose gestellt wurde. "Viele Ärzte wissen noch zu wenig über Long Covid." Zwar gebe es mittlerweile einen Behandlungsleitfaden. Dieser sei aber sehr umfangreich. "Neben dem Impfen und vielen anderen Dingen haben nicht alle Ärzte Zeit dazu, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen."

Gemeinsam mit der Ärztekammer würde man die Mediziner in diesem Bereich laufend weiterbilden, sagt ÖGK-Arbeitnehmerobmann Andreas Huss. Mit den vielen Symptomen sei es aber nicht einfach, die Ärzte zu sensibilisieren, sagt Huss. "Die Medizin lernt durch Beobachtung, das dauert einfach seine Zeit." Wichtig sei, dass niemand durch das soziale Netz falle. "Wir sensibilisieren auch unsere Chefärzte. Wenn es so war wie bei der Frau in der Steiermark, dass sie jede Woche vorgeladen wurde, dann ist das sicher nicht in Ordnung."

Mit besonders komplexen Fällen seien viele Hausärzte auch überfordert, da sei es gut, dass es mittlerweile Spezialambulanzen wie jene in Wien und Innsbruck gebe. Auch in vielen Spitälern gebe es Long-Covid-Ambulanzen. Bei den Reha-Plätzen sei die Versorgung ausreichend, sagt ÖGK-Obmann Huss. "Da gibt es teilweise noch freie Plätze."

In der Ärztekammer habe man die Aufmerksamkeit ganz klar auf das Thema Long Covid gelenkt, sagt Christoph Fürthauer, Kuriensprecher der niedergelassenen Mediziner bei der Salzburger Ärztekammer. "Wie kennen das auch bei anderen viralen Erkrankungen, dass die Symptome lange Zeit anhalten. Aber nachdem es so viele Coronainfektionen gibt, ist dieses Thema nun in den Vordergrund gerückt."

Fürthauer verweist auf den Long-Covid-Leitfaden der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und viele Schulungen der Ärztekammer. Für die Betroffenen sei es auch deshalb eine schwierige Situation, weil es eine Erkrankung sei, der man mit viel Geduld begegnen müsse. Eine gute Nachricht sei, dass man mittlerweile sehe, dass die Coronaimpfung sehr gut gegen Long Covid schütze, sagt Fürthauer.

Laut ÖGK sind derzeit 1600 Personen in Österreich wegen Long Covid im Krankenstand. 133 Patienten sind seit mehr als einem halben Jahr krank, der längste Krankenstand wegen Long Covid lag bei 61 Wochen.