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PCR-Test-System in Schulen zusammengebrochen: Salzburger Labor spricht von "Datenbankproblemen"

Eine ARGE um zwei Salzburger Labors konnte die erste Runde der PCR-Tests nicht auswerten. In den Schulen wird nun wieder einmal improvisiert.

Bei den Schul-PCR-Tests gab es wieder Probleme. SN/APA/KEYSTONE/ENNIO LEANZA
Bei den Schul-PCR-Tests gab es wieder Probleme.

Ein Wechsel des Anbieters bei den Coronatests in den Schulen brachte nun erneut Startschwierigkeiten mit sich. Und diese dürften noch erheblicher sein als bei der Einführung der Gurgeltests zu Schulbeginn im Herbst.

Das Tauernklinikum Zell am See hatte sich mit der Thalgauer Firma Procomcure sowie einem Wiener und einem Grazer Labor zur Bietergemeinschaft ARGE für molekulare Diagnostik zusammengeschlossen und vor Weihnachten als Bestbieter den Zuschlag für die PCR-Tests in allen österreichischen Schulen ausgenommen von Wien bekommen.

In Salzburg waren am Mittwoch die ersten Proben von Salzburgs Schülerinnen und Schülern abgenommen worden. Die Übermittlung der Ergebnisse habe überhaupt nicht geklappt, sagt Bildungslandesrätin Daniela Gutschi (ÖVP). "Es gab ein totales Chaos." Mehr als 100 Testergebnisse in den Schulen hätten gefehlt. Und die gelieferten Ergebnisse hätten nicht zusammengepasst. "Es hatte jemand einen CT-Wert von 15, was eine hohe Virenlast bedeuten würde. Aber der Test wurde als negativ angezeigt." Und österreichweit seien überhaupt nur 50 positive Tests aufgeschlagen, sagt Gutschi. Denn Probleme gab es offenbar in allen Bundesländern.

Technische Probleme mit der Datenbank

Tauernklinikum-Geschäftsführer Franz Öller sagt, dass es massive technische Probleme gebe. "Wir haben Probleme bei der Validität der Ergebnisse, die Ursache sind Datenbankprobleme." Man arbeite bereits seit Mittwoch an der Lösung und hoffe, diese in den nächsten Tagen finden zu können. Ob die abgenommenen Proben noch korrekt ausgewertet werden, kann man laut Öller noch nicht sagen.

Bei der Abrechnung sei eine Bezahlung pro durchgeführtem Test vereinbart gewesen, sagt Öller. Die Kosten seien ähnlich wie bei den Gurgeltests. Diese liegen laut einer aktuellen Beantwortung einer SPÖ-Landtagsanfrage je nach Poolgröße zwischen 5,45 und 7,53 Euro pro Test. Eine konkrete Zahl wollte Franz Öller nicht nennen.

Bildungsministerium prüft rechtliche Schritte

Das Bildungsministerium zeigte sich verärgert. Die Leistungsanforderungen seien in der ersten Woche der Schultests nicht erfüllt worden, heißt es in einer Stellungnahme. Dem Ministerium sei "eine nicht nachvollziehbar niedrige Zahl von positiven Fällen" gemeldet, den Schulen seien Daten "zu spät, fehlerhaft und unvollständig" übermittelt worden.

Das Ressort habe daher eine Qualitätsprüfung in Auftrag gegeben. Außerdem prüfe man rechtliche Schritte gegen die Bietergemeinschaft.

In Salzburg stelle man sich nun darauf ein, vorerst ohne PCR-Tests auskommen zu müssen, sagt Landesrätin Gutschi. "Wir haben am Donnerstag alle Direktorinnen und Direktoren gebeten, noch einmal Antigentests durchzuführen. Wir hatten diese Woche wegen der hohen Infektionszahlen ohnehin eine zusätzliche Testschleife eingeführt."

Täglich Antigentests kommende Woche

Ab kommender Woche soll es in den Schulen dann täglich Antigen-Schnelltests für die Schüler geben, sagt Gutschi. Auch das System der Klassenschließungen werde an die neue Situation angepasst: Künftig soll ab dem zweiten positiven Antigentest innerhalb von fünf Tagen eine Klasse ins Distance Learning geschickt werden. "Bisher waren dazu zwei PCR-Tests nötig."

FSG: "Regierung sorgt nicht für Sicherheit"

Empört zeigte sich FSG-Lehrervertreterin Diana Sagmeister. Viele Kolleginnen und Kollegen würden unter hoher Ansteckungsgefahr am Limit arbeiten. Es sei das Mindeste, was man erwarten könne, dass das angekündigte strenge Testregime funktioniere. "Die Regierung schafft es nicht, für die Sicherheit der Pädagoginnen und Pädagogen zu sorgen. Unter diesen unprofessionellen Rahmenbedingungen können und werden sie nicht bereit sein, weiterhin ihren Dienst zu versehen."

Rund um das Chaos mit den PCR-Tests an den Schulen gibt es nun einen Aufruf des Bildungsministeriums, dass die Schüler wenn möglich am Wochenende PCR-Tests durchführen sollen. Das würde auch bedeuten, dass ausgerechnet jenes Labor, das die Schultests nach der Ausschreibung nicht mehr weiter machen konnte, nun die Kohlen aus dem Feuer holen muss: Bis Weihnachten hatte ja die Eugendorfer Firma Novogenia die Tests in den Schulen durchgeführt. Novogenia wertet auch die Gratistests in den Supermärkten aus.

Novogenia ist wieder gefragt

Anlaufschwierigkeiten gab es auch bei Novogenia, zuletzt hatten die Tests aber klaglos funktioniert. Für die Schultests habe man sich wegen der Ausschreibungsmodalitäten nicht beworben, sagt eine Sprecherin. Prinzipiell habe man noch weitere Kapazitäten, sollten am Wochenende tatsächlich Tausende Schüler zusätzliche Tests in den Supermärkten abgeben. Wegen der hohen Zahl an positiven Tests sei aber mit weiteren Verzögerungen zu rechnen.

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