Politik

Pulverfass Seniorenpflege - "Salzburg fährt mit Vollgas gegen die Wand"

In der Stadt Salzburg ist jeder fünfte Mensch bereits älter als 65 Jahre. Leben in den eigenen vier Wänden ist oft nur mehr mit Unterstützung möglich. Doch diese steht selbst vor dem Zusammenbruch.

Der Beratungs- und Betreuungsbedarf älterer Menschen in der Stadt Salzburg ist gestiegen – und wird weiter steigen. SN/robert ratzer
Der Beratungs- und Betreuungsbedarf älterer Menschen in der Stadt Salzburg ist gestiegen – und wird weiter steigen.

Düstere Szenarien schilderten Verantwortungsträger der Stadt Salzburg am Donnerstag bei der Darstellung der aktuellen Lage pflegebedürftiger älterer Menschen. 155.000 Personen wohnen derzeit in der Landeshauptstadt, 32.000 davon sind älter als 65 Jahre, sprich: jeder fünfte Stadt-Salzburger. Nicht jeder dieser Menschen hat das Glück, im Alter bei guter Gesundheit zu sein.

Sozialstadträtin Anja Hagenauer (SPÖ) sprach von 1500 Patienten in Langzeitpflege, die sich in Betreuung befänden, weitere 4500 Betreuungsbedürftige lebten zuhause - "aber die haben niemanden". Hagenauer: "Seit Jahren reden wir über eine Pflegekrise, ja eine Pflegekatastrophe, aber es geschieht nichts. Es ist ein Trauerspiel."

Sozialabteilungs-Leiter Patrick Pfeifenberger griff ebenfalls zu drastischen Worten: "Wir fahren mit Vollgas gegen die Wand." Er ortete im Pflegebereich Zuständigkeitskonflikte zwischen übergeordneten Gesundheits- und Sozialressorts.

"Wir sind schon in der Katastrophe"

Diese übertragen sich offenbar auf die Rahmenbedingungen, unter denen die Pflegekräfte am Ort des Geschehens arbeiten müssten. Christoph Baumgärtner, Leiter der Städtischen Seniorenwohnhäuser, sagte, dass von insgesamt 715 Plätzen in den Altenheimen gut 100 nicht mehr belegt werden können - "weil das dafür notwendige Personal fehlt". Laut Baumgärtner handelt es sich dabei um mindestens 30 Vollzeitstellen.

Und somit werden Pflegefälle quasi ausgelagert. Susanne Mayer-Seeleitner, Leiterin der Seniorenberatung, berichtete von 30 betagten Frauen und Männern, die teuer in Krankenhäusern betreut würden, obwohl sie eigentlich nicht in Spitälern sein müssten. Für eine Betreuung zuhause bzw. in einem Seniorenheim gebe es kein Personal.

Pflegemilliarde und Zuwanderung

Sozialstadträtin Hagenauer erneuerte ihre Forderung nach einer bundesweiten Pflegemilliarde. Damit könnte Geld in die Ausbildung von Pflegekräften fließen. Hagenauer sagte weiters, dass Österreich nicht umhinkommen werde, im Pflegebereich auf Zuwanderung zu setzen.

Die Stadt Salzburg voller alter Menschen

Der aktuelle Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung sollte ohnehin Grund genug sein, Betreuung und Pflege dieser Personengruppe auf solide Beine zu stellen. Im Bundesland Salzburg waren mit Stichtag 1. Jänner 2020 genau 19 Prozent der Bevölkerung älter als 65 Jahre. Die erwartete Prognose für das nicht mehr allzuweit entfernte Jahr 2030 lautet bereits 23,3 Prozent. Zehn weitere Jahre später beträgt der Anteil dann schon 26,5 Prozent. Die Landesstatistik hat für eben dieses Jahr 2040 die absolute Zahl an Senioren im Land errechnet. Es sind 153.981 Menschen über 65 Jahre. Die Stadt Salzburg hat heute knapp 1000 Einwohner mehr...

Aufgerufen am 23.05.2022 um 10:04 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/pulverfass-seniorenpflege-salzburg-faehrt-mit-vollgas-gegen-die-wand-116139598

Kommentare

Schlagzeilen