Hallein: Der neue und der alte heimliche Stadtchef

Ein ungleiches Duo führt Hallein. Was sich im Stadtamt jetzt ändern soll.

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Standpunkt Thomas Auinger
Der neue Halleiner Bürgermeister Alexander Stangassinger, im Hintergrund Stadtamtsleiter Erich Angerer SN/spö/www.arne-mueseler.com
Der neue Halleiner Bürgermeister Alexander Stangassinger, im Hintergrund Stadtamtsleiter Erich Angerer

Nach der Wahl und dem Machtwechsel erlebt Hallein eine besonders spannende Zeit. Der neue SPÖ-Bürgermeister Alexander Stangassinger ist erst seit eineinhalb Wochen offiziell im Amt. Zwei Fragen beschäftigen ihn am meisten: Wie kann Hallein rasch neue Kinderbetreuungsplätze schaffen? Und wie steht die zweitgrößte Stadt des Landes finanziell wirklich da?

Aber auch in der Stadtverwaltung selbst mit ihren mehr als 400 Bediensteten muss sich Stangassinger einen Überblick verschaffen. Das Amt solle kundenorientierter und bürgerfreundlicher werden. Und er lässt ausheben, in welchen Abteilungen sehr viele Überstunden anfallen, um festzustellen, wo personelle Engpässe bestehen. Das hat einen durchaus pikanten Hintergrund. Der oberste Bedienstete selbst, Stadtamtsleiter Erich Angerer, steht seit Längerem wegen seiner vielen Überstunden in der Kritik. Angerer wundert sich, dass sich ein Beamter immer wieder wegen seines Fleißes in der Öffentlichkeit rechtfertigen muss.

Der neue Bürgermeister lässt keinen Zweifel daran, dass er etwas ändern will: Ein Amtsleiter müsse sich nicht persönlich um jedes Detail kümmern. Es gebe ja Abteilungsleiter. "Man muss delegieren." Das sei auch in der Wirtschaft so. Nicht einmal in einer Führungsposition sei es notwendig, rund um die Uhr zu arbeiten. Es werde nicht zuletzt zum Wohle der Gesundheit darauf achten, so der Stadtchef.

Erich Angerer war neben den beiden letzten nicht gerade führungsstarken ÖVP-Bürgermeistern ein sehr mächtiger Mann, praktisch der (gar nicht so heimliche) Chef im Rathaus. Er hat den Apparat am Laufen gehalten, wie er auch selbst meint. So viel Chef wird er ab nun wohl nicht mehr sein können. In seiner eigenen Wahrnehmung war er schon bisher nicht die bestimmende Kraft. "Wir wissen in der Verwaltung sehr gut, wo die Aufgaben der Beamten enden und wo jene der Politiker beginnen. Das Stadtamt dient dem Bürgermeister." Egal von welcher Partei dieser komme, "jeder kriegt den gleichen Service", sagt Angerer. Er weise nur darauf hin, was zu tun sei, entscheiden müsse die Politik. Was seine Arbeitszeiten betreffe, gehe er es bereits seit einer Weile ruhiger an - allein schon wegen seines weiteren Studiums an der Uni, das vor dem Abschluss steht.

Intern viel Staub aufgewirbelt hat in Vorwahlzeiten das Dienstauto des Stadtamtsleiters. Die im Vorjahr noch ÖVP-dominierte Gemeindevertretung hat auch die private Nutzung des Dienstwagens abgesegnet. Vor allem SPÖ-Mandatare hatten das kritisch beurteilt. Angerer hatte sich in einem Gutachten bestätigen lassen, dass er Aufgaben zu erledigen habe, die mit jenen eines Bezirkshauptmanns vergleichbar seien, wie er betont. "Auch ein Bezirkshauptmann hat ein Dienstauto. " Es sei alles rechtens. Auch der Überprüfungsausschuss und die Gemeindeaufsicht hätten das bestätigt.

Einen Dienstwagen hat auch der Halleiner Bürgermeister. "Ja, ich habe Anspruch darauf und ich werde ihn aller Voraussicht nach nutzen", sagt der Stadtchef. Übrigens: Das Duo könnte manchmal eine Fahrgemeinschaft bilden. Beide wohnen am Dürrnberg und sind dort gemeinsam in die Schule gegangen.

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