Tauernklinikum braucht eine Entscheidung

Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Versorgung im Tauernklinikum weiter erstklassig. Aber man ist dabei, dem Spital zu schaden.

Standpunkt SN
Gesundheitsversorgung: Wie geht es im Pinzgau weiter? SN/ANTON KAINDL
Gesundheitsversorgung: Wie geht es im Pinzgau weiter?

Vor genau einem Jahr wurde die Übergabe der Tauernkliniken an die Salzburger Landeskliniken eingeleitet. Passiert ist seither wenig. Durch das Zaudern ist man auf dem besten Weg, dem Krankenhaus massiven Schaden zuzufügen.

Zahlreiche Ärzte, vor allem am Standort Mittersill, haben das Klinikum verlassen. Das ist bei einem Betrieb dieser Größenordnung normal. Einige Mediziner haben Führungspositionen in anderen Häusern übernommen. Inzwischen nutzt aber die Opposition im Land jede Kündigung, um eine Attacke gegen den Spitalsreferenten LH-Stv. Christian Stöckl (ÖVP) zu starten. Es gelingt nicht mehr, alle Stellen nachzubesetzen. Dafür sind neben dem Ärztemangel vor allem die negative Berichterstattung und die Unklarheit, wie es mit dem Haus weitergeht, verantwortlich. Ärzte, die sich ihren Arbeitsplatz aussuchen können, warten in dieser Situation natürlich ab.

Aber warum zieht es sich so? Das Land reißt sich nicht um die Übernahme der Rechtsträgerschaft, würde sie doch nur mehr Verantwortung und mehr Kosten bedeuten. Die Gemeinde weiß nicht so recht, ob sie die Rechtsträgerschaft abgeben soll. Jahrzehntelang hat es gut funktioniert und in den letzten Jahren hat man rund zehn Millionen Euro in das Klinikum investiert. Verursacht man, wenn man es "herschenkt", finanziellen Schaden für die Stadt oder das Land, und ergeht es einem dann wie dem wegen der Übergabe von Swaps an das Land nicht rechtskräftig verurteilten ehemaligen Salzburger Bürgermeister?

Und Teile der Krankenhausführung wollen die Übergabe nicht. Sich dafür einzusetzen bedeutet für sie, sich für den Verlust des eigenen Einflusses oder gar der Position einzusetzen. Die Gemeindevertretung als eigentlicher Chef tut sich schwer, durchzugreifen. Mangels personeller Ressourcen ist sie auf die Expertise aus dem Spital angewiesen. Es ist nicht mehr möglich, dass Gemeindepolitiker praktisch in ihrer Freizeit einen Betrieb mit über 800 Angestellten unter immer schwierigeren rechtlichen Rahmenbedingungen führen. Die Zeit der Gemeindespitäler ist vorbei.

Inzwischen haben Spitalsmitarbeiter das Land gewarnt, dass die Versorgung im Winter gefährdet sein könnte. Stöckl hat die Dienstpläne angefordert und bietet eine sofortige provisorische Übernahme an, bevor die Verträge stehen. Alle Verantwortlichen sollten sich noch vor Weihnachten zusammensetzen und Nägel mit Köpfen machen. Und die Patienten sollten dem Spital weiter vertrauen. Die Versorgung ist noch nicht gefährdet und erstklassig wie eh und je. Aber wenn man so weitermacht, drohen noch mehr Ärzte zu gehen, und dann ist Feuer am Dach.

Aufgerufen am 18.07.2018 um 03:12 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/tauernklinikum-braucht-eine-entscheidung-21413116

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