Politik

Tempo 80 auf der Stadtautobahn: Gegenwind für Rössler

Auf der Stadtautobahn soll ein Tempolimit für bessere Luft und weniger Lärm sorgen. Die Pläne von Grünen-Chefin Rössler haben in Salzburg eine emotionale Debatte ausgelöst.

Anrainer klagen seit vielen Jahren über Lärm und Schadstoffe durch den Verkehr auf der Autobahn. In der Stadt Salzburg sind Liefering und seine Bewohner besonders betroffen. Auf dem Autobahnabschnitt zwischen Salzburg-Nord und dem Knoten Walserberg werden nationale und EU-Grenzwerte bei den Luftschadstoffen überschritten. Das ist der Grund, warum die Grüne Umweltreferentin Astrid Rössler auf der etwa zehn Kilometer langen Strecke Tempo 80 verordnen will.

Argumentative Unterstützung bietet ihr ein Gutachten der Umweltabteilung des Landes, das eine deutliche Verbesserung der Luftgüte und der Lärmbelastung durch eine Verringerung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 100 auf 80 km/h in diesem Bereich sieht.

In dem Bericht weist die Umweltabteilung auch auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2008 hin, wonach von Grenzwertüberschreitungen betroffene Anrainer das Recht haben, effektive Programme zu ihrem Schutz zu erwirken. Ein solches Maßnahmenprogramm solle es demnächst geben, kündigt Rössler an. Für das Tempolimit als eine dieser Maßnahmen habe sie sich aber, weil am wirksamsten, bereits entschieden.

Umfrage: Was sagen Sie zur Temporeduktion?

Thema spaltet die SalzburgerIn einer Straßenumfrage zeigten sich die Salzburger geteilter Meinung (siehe Video). Viele glauben nicht an eine wesentliche Verbesserung, was Lärmbelastung und Luftqualität betrifft. Ein Salzburger Pensionist begrüßt allerdings den Vorschlag. "Viele fahren ohnehin 130 bei Tempo 100. Vielleicht halten die Autofahrer dann zumindest den Hunderter ein." Eine Angestellte aus Salzburg kann dem Vorschlag ebenfalls positives abgewinnen. "Wir brauchen ohnehin Entschleunigung im Leben."

Unter den Usern von salzburg.com ist eine heftige Debatte entbrannt. Auch auf Facebook wird emotional kommentiert. "Das ist völlig konzept- und orientierungslos. Vernüftiger wäre es, die Vignettenpflicht zwischen Salzburg-Nord und Salzburg-Süd abzuschaffen", stellt Alex Januschewsky fest. Anna S. hält dagegen: "Eine Minute Zeitverlust für 13 Prozent weniger Stickoxid, weniger Lärm und mehr Sicherheit. Das sollten uns unsere Lebensqualität, unsere Gesundheit und die Umwelt schon wert sein." Oliver Weber wirft hingegen ein, dass man aufgrund der zahlreichen Baustellen "ohnehin nicht schneller fahren kann." Armin Scholz fragt polemisch: "Sollen wir laut Rössler dann aufs Rössl umsteigen?" Karin Pindur befürwortet den Tempo 80-Test. "Was wollt ihr? Strafzahlungen wegen Nichteinhaltung der EU-Richtlinien und noch mehr Sparen im Land Salzburg oder geschätzte drei Minuten Zeitverlust?" fragt sie.

Peter Harlander von der Initiative "Stau in Salzburg" will das Argument, dass der Fahrtzeitverlust minimal sei, nicht gelten lassen. "Der Streckenabschnitt darf nicht isoliert betrachtet werden. Tempo 130 wurde im Land Salzburg schon auf langen Strecken durch Tempo 100 ersetzt. Wenn der nächste Schritt Tempo 80 lautet, erhöht sich die Fahrzeit gegenüber Tempo 130 um fast 40 Prozent. Die Funktion der Autobahnen als schnelle Fernverbindungen ist bereits jetzt ernsthaft gefährdet."

((SN).)

Aufgerufen am 24.02.2018 um 03:30 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/tempo-80-auf-der-stadtautobahn-gegenwind-fuer-roessler-4337662

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