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Untergrund für Bahn-Ausbau: Megaprojekt trotz Salzburger Seetons "technisch machbar"

Der Abschnitt der geplanten Regionalstadtbahn vom Lokalbahnhof bis zum Mirabellplatz wurde penibel untersucht. Nun ist die Bohrkampagne abgeschlossen. Erstes Fazit: Die technischen Herausforderungen beim Bau dürften beherrschbar sein.

Seit Herbst 2020 werden umfangreiche Baugrunderkundungen und Laboruntersuchungen für den Abschnitt des S-Link (Regionalstadtbahn) zwischen dem Lokalbahnhof und dem Mirabellplatz geplant, ausgeschrieben und durchgeführt. Die gute Nachricht laut Verkehrslandesrat Stefan Schnöll: "Wir sind mit den Arbeiten im Plan. Natürlich ist eine Baustelle dieser Größenordnung immer eine Herausforderung, aber laut Experten eine, die beherrschbar sein wird."

"Wir hatten aus geologischer Sicht noch nie ein so genaues Bild"

Landesgeologe Rainer Braunstingl pflichtet dieser Einschätzung bei: "Aus geologischer Sicht brachte die Erkundung im vergangenen halben Jahr ein so genaues Bild, wie wir es in den vergangenen fünf Jahrzehnten nicht hatten. Ohne den Laboruntersuchungen vorgreifen zu wollen, bestätigen die bisherigen Untersuchungen die technische Machbarkeit des S-Link."

Der Bund zahlt mindestens 50 Prozent

Der Spatenstich für das Projekt ist 2023 geplant. Die Inbetriebnahme der Strecke bis zum Mirabellplatz soll 2025 erfolgen. Kosten für den 700 Meter langen Abschnitt: rund 140 Mill. Euro. Die Kosten für das Gesamtprojekt mit Verlängerung bis Hallein werden aus heutiger Sicht mit 650 Mill. Euro veranschlagt. Der Bund zahlt mindestens 50 Prozent.

Speziell angepasst an den feinkörnigen Untergrund

Stefan Knittel, Geschäftsführer der S-Link Projektgesellschaft: "Die Bohrkampagne ist abgeschlossen. Die Bohrkerne liegen vor und die Laborauswertungen sind am Laufen. Art und Umfang der Baugrunderkundung sind so ausgelegt, dass eine ausreichende Beschreibung der Untergrundverhältnisse möglich ist. Zusätzlich zu den klassischen Baugrunduntersuchungen wie Rotationskernbohrungen und bodenmechanischen Laboruntersuchungen wurden unterschiedliche Sondierungsmethoden durchgeführt - und zwar auf dem aktuellen Stand der Technik und speziell angepasst an den feinkörnigen Untergrund." Die Palette der Methoden reichte von Drucksondierungen über geophysikalische und geoelektrische Messungen bis zu Flachdilatometer- und Scherflügelversuchen.

Der Seeton konnte näher charakterisiert werden

Als erste Ergebnisse konnte entlang der Trasse aufgrund des dichten Erkundungsrasters die Tiefenlage der unterschiedlichen Schichtgrenzen erfasst werden. Der Seeton konnte näher charakterisiert werden in schluffdominierte und feinsanddominierte Schichten. Diese Schichten unterscheiden sich beispielsweise in ihren Wasserdurchlässigkeiten und Steifigkeiten. Nähere Ergebnisse werden die Laborauswertungen bringen.

Fokus liegt auf der Untersuchung der Trassenvarianten

Im Zuge dieser Voruntersuchungen wurde eine Vielzahl von Trassenvarianten betrachtet. Diese Untersuchungen wurden bewusst weit gefasst, um möglichst alle Projektanforderungen mit den zahlreichen geotechnischen, bautechnischen und trassierungstechnischen Aspekten (Lage und Höhe) sowie den sonstigen Rahmenbedingungen in Einklang zu bringen.

Verbesserung des Untergrunds wird erforderlich sein

Ein Hauptaugenmerk der Planung liegt derzeit im Bereich der Eisenbahnbrücke über die Rainerstraße, des sogenannten Fünfhauser-Viadukts. An dieser Engstelle kreuzt die künftige S-Link-Trasse unterirdisch den ÖBB-Gleisbereich im Vorfeld des Salzburger Hauptbahnhofs. Hier werden derzeit zahlreiche Varianten untersucht, wobei jedoch bereits heute davon auszugehen ist, dass bautechnische Sondermaßnahmen zur Verbesserung des Untergrunds sowie zur Verhinderung von unzulässigen Setzungen am bestehenden Fünfhauser-Viadukt erforderlich sind.

Setzungsarme und sichere Baumethode für den Tunnel

Eine der derzeit in der engeren Auswahl stehenden Sondermaßnahmen als Vorbereitung für den danach folgenden Bau des S-Link-Tunnels ist die Bodenverbesserung mittels Hochdruckbodenvermörtelung. Dabei sind die Herausforderungen im "Salzburger Seeton" bekannt. Deshalb ist - in Abstimmung mit erfahrenen Fachleuten - geplant, im Herbst einen Feldversuch im Vorfeld zu den Hauptbaumaßnahmen durchzuführen. Ziel des Feldversuchs ist es, durch die Definition der technischen Parameter die Grundlage für eine setzungsarme und sichere Baumethode des S-Link-Tunnels zu erarbeiten.

Ein Ziel ist die möglichst geringe Belastung der Bevölkerung

"Der Abschluss der Baugrunderkundung und das Vorliegen der Ergebnisse der Laboruntersuchungen stellen eine wesentliche Grundlage für die weiteren Planungsschritte dar, die zu den weiteren Verfahrensschritten eingereicht werden. Unser Fokus dabei liegt auf maximaler Effizienz der Bauweise bei gleichzeitig möglichst geringer Belastung der Bevölkerung. Alle Themen werden selbstverständlich nicht nur mit den Behörden im Verfahren erörtert, sondern auch offen kommuniziert", sagt Stefan Knittel.

Aufgerufen am 22.06.2021 um 06:39 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/untergrund-fuer-bahn-ausbau-megaprojekt-trotz-salzburger-seetons-technisch-machbar-102840367

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