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Bildungstalk: Was kann gegen den Lehrermangel getan werden?

Überlastete Lehrerinnen und Lehrer, Studierende als Puffer und offene Stellen weit und breit: Der Lehrermangel ist auch in Salzburg deutlich spürbar. Im SN-Bildungstalk vom 19. September diskutierten Lehrervertreterin Christine Haslauer und PH-Rektorin Daniela Martinek über Ursachen und Lösungen.

Die Stimmung unter Salzburgs Lehrerinnen und Lehrern sei eine Woche nach Schulbeginn "eher bescheiden", berichtet Christine Haslauer, Vorsitzende der Personalvertretung der Pflichtschullehrer, am Montag im SN-Bildungstalk: "Wir haben zwei harte Coronajahre hinter uns, jetzt ist die Ukraine-Krise hinzugekommen. Über all diesen Themen hängt die schwarze Wolke - der Lehrermangel."

Aktuell gebe es noch immer 100 offene Stellen im Bundesland Salzburg - und das allein im Pflichtschulbereich, warnt Haslauer: "Es hat über den Sommer viele Standorte gegeben, die nicht gewusst haben, ob sie zu Schulbeginn ausreichend Personal haben." Die Leidtragenden seien die vorhandenen Lehrerinnen und Lehrer, sagt die Gewerkschafterin: "Die Folge ist, dass Überstunden gemacht werden müssen und fast keine Sabbaticals und Bildungskarenzen genehmigt werden. Also das, was den Beruf mitunter attraktiv macht, ist nicht mehr möglich." Beliebter werde der Beruf dadurch nicht - ganz im Gegenteil: "Auch viele Junge sagen mittlerweile nach ein paar Jahren, dass sie unter diesen Bedingungen den Job gar nicht mehr ausüben wollen."

"Jeder Dienstgeber kann sich ausrechnen, wann die Leute in Pension gehen"

Verwundert zeigt sich Haslauer über die Aussage von Bildungsminister Martin Polaschek, wonach die Pensionierungswellen in diesem Ausmaß nicht absehbar gewesen seien: "Wir haben schon 2011 davor gewarnt, dass die Babyboomer nach 40 Dienstjahren in Pension gehen. Das war kein Geheimnis. Jeder Dienstgeber - und damit ist das Land gemeint - kann sich die Geburtsjahre anschauen und ausrechnen, wann die Leute in Pension gehen."

Bachelorstudierende oft schon im Klassenzimmer

Den vielen Pensionierungen stünden immer weniger Studienanfänger gegenüber, berichtet Daniela Martinek, Rektorin der Pädagogischen Hochschule Salzburg. Bei der Primarstufe, also den angehenden Volksschullehrerinnen und -lehrern, seien die Inskriptionszahlen zwar stabil, bei der Sekundarstufe sinke das Interesse hingegen seit Jahren. Kritisch sieht die Rektorin, dass aufgrund des Lehrermangels vermehrt Bachelorstudierende bereits in den Klassen eingesetzt werden: "Man muss sich vor Augen halten: Eine Vollzeitanstellung und ein Vollzeitstudium bedeuten ein Arbeitsausmaß von 80 Stunden. Das ist weder sinnvoll, noch machbar." Martinek sehe es auch als eine Aufgabe der PH, diesen jungen Studierenden beratend zur Seite zu stehen, um zu verhindern, dass sie durch die Doppelbelastung überfordert werden.

PH-Rektorin schlägt neues Modell für Studium vor

Auch Christine Haslauer berichtet davon, dass junge Lehrerinnen und Lehrer für die Realität des Lehrberufs oft nicht gewappnet seien, vor allem wenn sie eigentlich noch mitten im Studium sind: "Dann stehen sie plötzlich alleine in der Klasse und sind komplett überfordert", schildert die Lehrervertreterin. Sie plädiert dafür, die Ausbildung wieder viel praxisnäher zu gestalten: "Außerdem bin ich ganz stark dafür, das Studium zu verkürzen und den Master freiwillig zu machen."

Derzeit verlangt die Arbeit in der Sekundarstufe ein vierjähriges Bachelorstudium, gefolgt von einem zweijährigen Masterstudium, das nicht berufsbegleitend konzipiert ist. PH-Rektorin Martinek kann sich vorstellen, die Studienarchitektur zu überdenken und schlägt im Bildungstalk ein neues Modell vor: Man sollte Studierenden nach dem Bachelor bereits ermöglichen, etwa 50 Prozent ihrer Zeit an der Schule zu arbeiten, ihnen dafür jedoch 75 Prozent des Gehalts zahlen. Nebenbei könnten sie berufsbegleitend den Master machen - mit der Verpflichtung, ihn in einem gewissen Zeitraum abzuschließen. "Ich glaube, dieses Modell würde die Attraktivität des Lehrberufs definitiv erhöhen", sagt Martinek. Von einem freiwilligen Masterstudium hält sie hingegen nichts: "Ich bin ganz massiv gegen ein Downgrading."

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