Politik

Tausende kamen in Salzburg zum Klimastreik

In Salzburg trotzen zwei Demonstrationszüge dem Regen. Bis zu 4000 Schülerinnen und Schüler waren schließlich bei einer großen Kundgebung am Residenzplatz.

Die Lage am Salzburger Hauptbahnhof ist unübersichtlich. Der Vorplatz ist mit Demonstranten gefüllt. Wer keinen Regenschirm hält, hat ein selbstgemachtes Plakat in der Hand. "Das Klima ist heißer als mein Freund", steht darauf zu lesen. Oder: "Rettet die Erde, es ist der einzige Planet mit Bier."

Mitten im Gedränge steht Jolanda Knopf. Die 18-jährige Schülerin des Gymnasiums Zaunergasse hat den Salzburger Ableger der weltweiten Klimastreiks mitorganisiert. Jetzt sei sie schon ein bisschen nervös, sagt sie. Immerhin müsse sie gleich über das Mikrofon zu der Menge sprechen.

Zu merken ist davon wenige Minuten später nichts. Mit lauter Stimme bittet sie die Menge um eine friedliche Demonstration und startet dann gleich die ersten Sprechchöre.

"What do we want? Climate Justice" - das ist in Salzburg schon seit Anfang Februar an Freitagen in der Salzburger Innenstadt zu hören. Die von Greta Thunberg initiierten Klimastreiks lockten zuletzt stets gut 100 Schüler zum Alten Markt. An diesem Tag sind wohl 20 bis 30 Mal so viele gekommen.

Als der Zug am Hauptbahnhof startet, gehen Lilli und Dani aus einer 6. Klasse des Musischen Gymnasiums ganz vorne mit. Die Schule ist mit einigen Klassen vertreten, wie viele es genau sind kann Lilli nicht sagen. "Die Schule ist jetzt jedenfalls leerer als sonst", sagt sie. Für Lilli war es jedenfalls längst an der Zeit, dass sich in Sachen Klimapolitik etwas tut. "Es macht mich so wütend, wenn ich sehe, wie im Supermarkt die Äpfel in dicken Plastiksäcken verpackt sind. Jetzt kann ich meinem Ärger Luft machen." Auch Dani vermeidet Plastik, so gut es geht. Und sie hat auch ihre Ernährung umgestellt - vor allem des Klimas wegen. "Ich ernähre mich seit kurzem vegan, was mir schwerfällt weil ich Käse liebe."

Auch andere Schulen sind mit großen Abordnungen gekommen. Aus dem Gasteinertal soll eine ganze Oberstufe geschlossen gekommen sein, genauso wie eine Schule aus Freilassing. Sogar aus Kitzbühel kamen Schüler.

Vor der Staatsbrücke trifft die Demonstration auf den zweiten Zug, der von der Akademiestraße im Nonntal aus startete. Dort startete ein Gymnasium mit elf Klassen. Der zweite Zug besteht aus weit über 1000 Teilnehmern. Bis zu 4000 Schülerinnen und Schüler gehen schließlich über den Rudolfskai zum Residenzplatz, wo eine Bühne auf die Jolanda Knopf und ihre Mitorganisatorin Gloria Berghäuser wartet.

Gemeinsam begrüßen die Schülerinnen die Menge. "Oh mein Gott, ihr seid so viele", sagt Jolanda Knopf, das Publikum bestätigt das mit lautem Gejohle. Sie sei stolz, dass so viele trotz des Widerstandes von Direktoren, Eltern und Medien gekommen seien. "Es wird immer nur darüber berichtet, was wir alles dürfen. Aber nicht, was die Politiker für Pflichten haben: Österreich hat sich verpflichtet, seine CO2-Emissionen zu senken. Aber seit 2014 steigen sie wieder." Der Schulstreik-Bewegung werde Naivität vorgeworfen, ruft sie ins Mikrofon. "Aber naiv sind die, die glauben, dass man so weiter machen kann wie bisher."

Vor der Bühne drängen sich die Zuhörer, wegen des Regens leert sich der Platz aber schnell. Mitorginisatorin Gloria Berhäuser ist am Ende aber dennoch überwältigt über die große Resonanz des Klimastreiks. "Ich bin schon stolz darauf, wie groß das geworden ist. Und wir werden weiter machen. An den nächsten Freitagen werden wir sicher mehr sein, als in den Wochen zuvor."

SN-Liveblog zum Klima-Protest:

 

 

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