Politik

Von der Abschiebung bedroht: Welle der Solidarität für Ali Wajid

Wird an gut integrierten Lehrlingen wie Ali Wajid vom Innenministerium ein Exempel statuiert? Der Wirt und Politiker Sepp Schellhorn sieht das so. "Weil man weiß, wo sie wohnen und arbeiten."

Der pakistanische Lehrling Ali Wajid soll abgeschoben werden, obwohl er gut integriert ist. Bernhard Jenny (l.), Obmann der ARGEkultur, setzt sich für ihn ein. SN/chris hofer
Der pakistanische Lehrling Ali Wajid soll abgeschoben werden, obwohl er gut integriert ist. Bernhard Jenny (l.), Obmann der ARGEkultur, setzt sich für ihn ein.

Er absolviert eine Kellnerlehre im ARGE-Beisl im Stadtteil Nonntal, er spricht nach drei Jahren in Österreich sehr gut Deutsch und hat österreichische Freunde und Bekannte. Trotzdem soll Ali Wajid nach Pakistan abgeschoben werden.

Zu Fronleichnam wurde der Flüchtling festgenommen. Er sollte in Schubhaft auf seine Rückführung warten. Bernhard Jenny, Obmann der ARGEkultur in Salzburg, konnte in einem längeren Gespräch mit einem Polizisten aber eine "Freilassung gegen gelindere Mittel" erreichen. Das bedeutet, dass sich Ali Wajid alle 48 Stunden persönlich bei der Polizei melden muss.

"Es gibt eine unglaubliche Welle der Solidarität", berichtet Jenny - sowohl in sozialen Medien als auch auf persönlicher Ebene. "Sehr viele Leute haben sich bei Ali oder bei mir gemeldet."

Jenny sagt, er sehe das Ganze als eine große Chance: "Die gesamte Parteienlandschaft, die Landesregierung, alle wollen eine Lösung für dieses Problem."

Zu den Fürsprechern gehört auch der Gastronom und Neos-Politiker Sepp Schellhorn. Er kritisiert das Vorgehen des Innenministeriums: "Jene, die sich gut integrieren, die Deutsch lernen und arbeitswillig sind, werden abgeschoben. Auf straffällige Asylbewerber und Terroristen kann man nicht so leicht zugreifen, aber bei den gut integrierten weiß man, wo sie zu Hause sind und wo sie arbeiten. Ich halte das für ein ganz fatales Signal."

Die Neos setzten sich für das deutsche Modell ein. Dort dürfen Lehrlinge ihre Ausbildung fertig machen und danach zwei Jahre lang in Deutschland arbeiten. "Ali Wajid hat keinem etwas getan, er liegt niemandem auf dem Geldbörsel. Sein Asylbescheid wurde in zweiter Instanz abgelehnt, aber da muss es Übergangslösungen geben", fordert Schellhorn.

Auch Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) machte erst kürzlich in einem SN-Interview einen Vorschlag in diese Richtung: Er regte an, die bestehende Rot-Weiß-Rot-Karte auf Asylbewerber auszudehnen, die in einer Ausbildung stehen. Die Karte erlaubt es Bürgern aus Nicht-EU-Staaten, in Österreich legal zu wohnen und zu arbeiten.

Für so eine Lösung müsste sich Salzburg allerdings in Wien starkmachen, denn die Angelegenheit fällt in die Zuständigkeit des Bundes. Bernhard Jenny wünscht sich, dass mit der Abschiebung von Ali Wajid zugewartet wird, bis die rechtlichen und politischen Voraussetzungen geklärt sind. "Sonst kommt man in ein paar Monaten drauf, dass Ali hätte bleiben können."

Asylbewerber, die eine Lehre machen, abzuschieben sei in Zeiten des Facharbeitermangels kontraproduktiv, sagt Sepp Schellhorn. "Mit Asylbewerbern löst man den Fachkräftemangel nicht, aber man kann ihn lindern." Die aktuelle Statistik des AMS zeigt, dass die Arbeitslosigkeit zwar rückläufig ist. Bei den Lehrstellen gibt es hingegen keinen positiven Trend: Auf 759 offene Lehrstellen (plus 16,2 Prozent seit Mai 2017) kommen nur 304 Lehrstellensuchende.

Schellhorn beschäftigt in seinen Betrieben Personen, die dasselbe Schicksal treffen könnte wie Ali Wajid: "Sie haben vermehrt Angst, abgeschoben zu werden, und sind verunsichert."

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