Wirtschaft

Bürger können Anteile für Photovoltaik-Anlage zeichnen

Die erste "Bürgersolaranlage" Salzburgs auf einem Gewerbebetrieb - nämlich dem Gebäude der EZA in Köstendorf - sucht Unterstützer. Am Donnerstag wird zur Bürgerversammlung eingeladen.

Auf dem Gebäude der EZA in Köstendorf soll eine große Photovoltaik-Anlage - finanziert von Bürgern - errichtet werden.  SN/schreglmann
Auf dem Gebäude der EZA in Köstendorf soll eine große Photovoltaik-Anlage - finanziert von Bürgern - errichtet werden.

Auf dem Betriebsgebäude der EZA Fairer Handel in Köstendorf soll eine Photovoltaikanlage mit Bürgerbeteiligung entstehen. Betreiberin der Photovoltaik-Anlage ist die Agentur Erneuerbare Energie eGen - eine Energiegenossenschaft, die das Ziel hat, die Anwendung nachhaltiger Energietechnologien mit Bürgerbeteiligung zu ermöglichen. Der Baustart für die Anlage soll noch im Sommer erfolgen, die Bauzeit beträgt etwa zwei Wochen. Der laufende Betrieb der EZA werde dabei nicht gestört, heißt es.

EZA-Geschäftsführerin Andrea Schlehuber: "Für uns ist wichtig, dass die Energieerzeugung mit unserer Firmenphilosophie zusammenpasst. Klimaschutz spielt dabei eine zentrale Rolle. Durch die Errichtung einer Photovoltaikanlage können wir auf nachhaltige Weise Strom zur Selbstversorgung erzeugen." Und das Beteiligungsmodell der Agentur Erneuerbare Energie eGen ermögliche die Einbeziehung interessierter Bürger und Bürgerinnen und der EZA-Kunden, freut sich die Geschäftsführerin. Das Finanzierungsmodell beschreibt sie so: "Die EZA ist Genossenschafterin, die Bürgerinnen und Bürger können Anteilsscheine zeichnen und so Teil der Energiewende werden."

Inhaber von Anteilsscheinen erhalten erfahrungsgemäß 1,5 Prozent Zinsen

Der Wert der Anteilsscheine wird verzinst. Die Verzinsung wird nach erfolgter Ausschreibung und Festlegung auf den Bestbieter errechnet und liegt laut Energieagentur erfahrungsgemäß bei 1,5 Prozent. Alle Anteilszeichner erhalten darüber hinaus vonseiten der EZA einen Sonderrabatt auf ihre Einkäufe im Verkaufsraum der EZA Fairer Handel in Weng/Köstendorf im Ausmaß von 5 Prozent sowie einen jährlichen Kaffeegenussschein im Wert der jährlichen Verzinsung.
Die Gesellschafter der EZA Fairer Handel, der Verein Aktion 3.Welt und die Katholische Männerbewegung Oberösterreich und Österreich, gaben im Dezember 2018 einstimmig grünes Licht für das Vorhaben. Mit dem Beitritt der EZA Fairer Handel zur Energiegenossenschaft ist der Weg offen für die Realisierung der Photovoltaikanlage.

Erstmals wird bürgerfinanzierte PV-Anlage auf Dach eines Gewerbegebiets errichtet

Vorsitzende der Genossenschaft ist die ehemalige grüne Landtagsabgeordnete Angela Lindner: "Es freut uns sehr, dass auf dem Dach der EZA Fairer Handel so die erste Bürgersolaranlage Salzburgs auf einem Gewerbebetrieb umgesetzt werden kann." Die AEE eGen wird von engagierten Privatpersonen und von Institutionen wie der Öko Strombörse Salzburg getragen. Nach der Stadtgemeinde Saalfelden, der Marktgemeinde Thalgau und der Stadtgemeinde Bischofshofen ist mit der EZA Fairer Handel der erste Gewerbebetrieb der Genossenschaft beigetreten.

Am Donnerstagabend findet eine Bürgerversammlung statt

Photovoltaik-Anlagen sind seit den 1980er Jahren eine bewährte Technologie zur umweltfreundlichen Stromerzeugung. Die Photovoltaik-Anlage wird dachparallel montiert und fügt sich harmonisch in das Gesamtbild des mit dem Energy Globe 2005 ausgezeichneten Gebäudes der EZA Fairer Handel ein. Sobald alle Anteilscheine gezeichnet sind, soll die Anlage bei laufendem Betrieb zügig installiert und noch in diesem Kalenderjahr realisiert werden.

Am Donnerstag findet eine Informationsveranstaltung der AEE eGen um 17 Uhr in der EZA Fairer Handel statt. Das Vorhaben wird dabei detailliert dargestellt. Darüber hinaus können Interessierte bei einer Führung den Betrieb in Köstendorf Weng besichtigen.

Maximal 99 Personen können Anteilsscheine kaufen

Bei Bürgerversammlung wird das Projekt vorgestellt und die Form der Beteiligung beschrieben. Es können sich maximal 99 Personen beteiligen, die Anzahl der Anteilsscheine (=nachrangiges Darlehen) wird je nach Höhe der Investition errechnet. Das von den Bürgerinnen und Bürgern aufgebrachte Kapital wird über einen
geförderten Einspeisetarif der OeMAG (Abwicklungsstelle für Ökostrom AG) in
der Höhe von 7,67 Cent/kWh wieder refinanziert. Die Förderung läuft über 13
Jahre, das ist auch der Zeitraum der Rückzahlung der Anteilsscheine (plus ein Jahr, da die Tilgung erst im 2. Jahr beginnt). Das heißt: Ab dem ersten Jahr wird jeder
Anteil mit 1,5 % verzinst. Ab der Rückführung des eingesetzten Kapitals werden
die Zinsen nur mehr vom verbleibenden Kapital berechnet.

Anteils-Zeichner sind für mindestens neun Jahre gebunden

Der Vertrag wird auf 14 Jahre abgeschlossen, die Mindestvertragslaufzeit beträgt
9 Jahre. Nach dem Zeitraum von 9 Jahren sind ¾ der begebenen Summe
inklusive Zinsen bereits zurückgezahlt. Die Anteilscheine sind übertragbar und
damit besonders enkeltauglich.

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Aufgerufen am 18.05.2022 um 09:52 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/buerger-koennen-anteile-fuer-photovoltaik-anlage-zeichnen-71309443

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