Wirtschaft

Cineplexx sperrt Kino in der Stadt Salzburg zu

Schon am Montag läuft der letzte Film über die Leinwand am Standort beim Hauptbahnhof. Cineplexx löst den Mietvertrag, weil die Immobilie verfalle.

Die Gänge im City-Center beim Salzburger Hauptbahnhof sind leer. "Heute spielfrei" steht auf den Glasscheiben vor dem Kassabereich. Dahinter ist noch die Werbung für den neuesten Avengers-Film zu sehen, das blaue Imax-Schild über dem Eingang wurde allerdings bereits abmontiert.

Am Samstagabend wurden in dem Kino noch Filme gespielt, seit Sonntag ist überraschend Schluss mit den Vorführungen. Das hat auch Nderim Hasani überrascht, der das angrenzende Restaurant "City Bräu" betreibt. "Ich hatte am Sonntag 65 Prozent weniger Umsatz als sonst."

"Es wurde nie etwas investiert"

Sein Lokal lebt zu einem guten Teil von den Gästen des Kinos. Das Geschäft sei aber in den vergangenen Jahren immer weniger geworden. "Vor fünf, sechs Jahren habe ich am Sonntag aufgesperrt, weil viele Familien im Kino waren. Aber zuletzt ist es immer weniger geworden. Die Leute gehen ins Kino und fahren dann gleich nach Hause."

Es liege nicht nur um kontinuierlichen Rückgang der Kinobesucher, dass das Geschäft immer schlechter laufe, sagt Hasani. Die Umstände im City-Center würden auch ihren Teil dazu beitragen. "Früher konnte man während des Kinobesuches gratis parken, das ging zuletzt nicht mehr. Und es wurde nie etwas investiert. Die Toiletten im Haus habe ich aus eigener Tasche herrichten lassen."

"Spekulationsobjekt wie viele andere auch"

Seit 17 Jahren betreibe Hasani sein Lokal im Geschäftszentrum "City Center" beim Salzburger Hauptbahnhof. In der Zeit habe er beobachten müssen, wie ein Geschäft nach dem anderen wieder ausziehe. Zuletzt war auch das Fitnesscenter an einen anderen Standort in der Nähe gezogen. Neben dem Kinoeingang betreibt Alexander Neunkirchner ein Friseurgeschäft. Das Haus sei desolat, sagt er. "Ich glaube, das ist ein Spekulationsobjekt wie so viele andere auch."

"Fortschreitender Qualitätsverfall der Immobilie"

Den Zustand der Immobilie nennt auch Constantin Film, Betreiber der Cineplexx-Kette, als Grund dafür, warum der Standort nicht mehr weiter geführt werde. "Wir sehen einen fortschreitenden Qualitätsverfall der Immobilie, der mit unseren hohen Standards und den Anforderungen unserer Besucher nicht vereinbar ist", sagt Constantin-Gesellschafter Christof Papousek. Deshalb habe man sich dazu entschlossen, den Mietvertrag aufzulösen und den Spielbetrieb nicht mehr fortzuführen.

Für die Salzburger Cineplexx-Kunden stünde weiterhin der Standort in Wals-Himmelreich zur Verfügung. Mit Umsatz-Einbußen wegen der Corona-Einschränkungen stünde die Einstellung des Betriebes nicht in Zusammenhang.

Cineplexx plant keinen Ersatzstandort

Einen neuen Standort als Ersatz für jenem am Bahnhof suche die Cineplexx-Kette nicht. "Das steht derzeit nicht zur Diskussion", sagt Papousek. Nach der Wiedereröffnung im August sei es vielmehr das Ziel des Unternehmens, den gesamten Kinomarkt in Österreich und Europa wieder auf Schiene zu bringen - wobei man sich dabei noch Unterstützung von der Bundesregierung erwarte. "Nicht nur im Rahmen der vorgestellten Maßnahmen, sondern auch für die besonders betroffene Kinobranche."

Der Eigentümer der Immobilie, der niederösterreichische Immobilienentwickler Andreas Heigl, hat von der Einstellung des Kinobetriebes am Montagmorgen erfahren. Es sei nicht überraschend gewesen, da es Pläne gebe, die Immobile umzubauen. "Und die Cineplexx-Kette hat mehrmals angekündigt, den einen oder anderen Standort zu schließen."

Mietvertrag läuft bis 2026

Allerdings komme der Schritt einige Jahre zu früh: Der Mietvertrag laufe noch bis 2026. Heigl geht davon aus, dass die Miete auch bis zum Ende des Vertrages bezahlt wird. Über die Pläne für den Umbau könne er noch nichts sagen. Dazu gebe es Gespräche, man sei auch an die behördlichen Auflagen gebunden.

Viel weiter sei man derzeit bei dem Hochhausprojekt, das neben dem derzeitigen Kino geplant ist. Ursprüngliche plante Heigl dort wie berichtet unter dem Namen "The Tree" einen 23-geschoßigen Turm mit einer Nutzfläche von 4000 Quadratmetern. Näheres zum aktuellen Stand wollte Heigl am Montag nicht nenne. Das Projekt stehe aber kurz vor der Genehmigung.

Die verbliebenen Betriebe im City-Center blicken einer ungewissen Zukunft entgegen. Das sagt Gastronom Nderim Hasani. "Meine Frau und ich betreiben das Restaurant mit viel persönlichem Einsatz. Wir haben gute Stammgäste. Vorerst werden wir weiter machen."

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