Wirtschaft

Ein Lungauer Dorf bangt um seine letzten Gäste

Muhr im Lungau hat ab 1. Jänner keinen Tourismusverband mehr. Trotzdem gibt es Grund zur Hoffnung - und eine große Investition.

Muhr im Lungau SN/tourismusverband muhr
Muhr im Lungau

Der Lungau bündelt seine Kräfte im Tourismus und ist auf einem guten Weg. Während sich vier Orte im Bezirk (Tamsweg, St. Andrä, Ramingstein und Lessach) zu einem Tourismusverband zusammengeschlossen haben, hat Muhr seinen Verband nun mit 31. Dezember aufgelöst.

"Mangels Bereitschaft zur Fortführung" haben die Mitglieder in einer außerordentlichen Vollversammlung die Auflösung beschlossen, gab Ortschef Sepp Kandler (SPÖ) in seinem Bürgermeisterbrief bekannt. Die bisherige Obfrau Kornelia Gfrerer, die aus familiären Gründen ihr Amt niedergelegt hat, bestätigt: "Notgedrungen mussten wir uns dazu entschließen. Ich habe mich bemüht, aber niemanden gefunden, der meine Aufgaben übernehmen wollte", sagt Gfrerer, die aus Dortmund stammt, jahrelang als Urlauberin gekommen war und vor 35 Jahren auf einen Bergbauernhof geheiratet hat.

Es sei ihr nicht gelungen, den gewünschten Zusammenhalt im Verband zu erreichen. "Viele nörgeln nur, aber tragen selbst nichts bei." Der Standard mancher Quartiere sei völlig veraltet. Und dann würden sich Vermieter darüber wunden, dass keine Urlauber kommen. Trotzdem sehe sie positiv in die Zukunft.

Die Aufgaben des Verbandes soll der örtliche Nationalpark- und Kulturverein mit dem neuen Obmann Vize-Bgm. Hans-Jürgen Schiefer (ÖVP) übernehmen. Die Ortstaxe von einem Euro pro Nächtigung wird die Gemeinde für touristische Zwecke verwenden. Bgm. Kandler bescheinigt der Obfrau sehr gute Arbeit. "Aber das wurde von den Nutznießern zu wenig anerkannt." Die Gemeinde wolle "das touristische Geschehen im Ort nicht sterben lassen". Ein Verband sei für einen so kleinen Ort mit nur rund 6000 Übernachtungen im Jahr eigentlich nicht notwendig.

Muhr liegt - und das ist ein Unikum - sowohl im Nationalpark Hohe Tauern als auch im Biosphärenpark Lungau. An beide Ferienregionen habe der Verband pro Jahr insgesamt 12.000 Euro bezahlen müssen, wobei den Großteil die Gemeinde per Subvention getragen hat.

Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Sommersaison und dabei wiederum auf Tagesausflüglern. Deshalb macht den - verbliebenen - im Tourismus engagierten Muhrern Mut, dass der Nationalpark heuer seine Ausstellung im Gemeindehaus ganz neu errichten wird. Die Investitionen in diese Nationalpark- und Biosphärenparkausstellung betragen laut Ortschef etwa 600.000 Euro. Die Schau soll im Juni fertig werden.

Im vergangenen Sommer registrierte Muhr 4614 Übernachtungen. Das waren um 4,4 Prozent weniger als im Sommer 2016. Im Lungau insgesamt gab es hingegen ein deutliches Plus von 7,1 Prozent auf 427.499 Nächtigungen. Damit lag der Bezirk Tamsweg klar über dem landesweiten Zuwachs von 3,3 Prozent. Bei den Gästeankünften erzielte der Lungau eine Zunahme von 8,3 Prozent auf 116.951.

Daten & Fakten: Beliebte Ausflugsziele

Muhr im Lungau zählt nur 518 Einwohner (Hauptwohnsitze).
Die Zahl der aktiven Vermieter von Gästezimmern beziffert die scheidende Tourismusverbandsobfrau Kornelia Gfrerer mit 15 (mit rund 100 Betten).

Der Ort liegt auf einer Seehöhe von 1107 Metern. Der höchste Berg ist der Hafner (3076 m). Beliebte Ausflugsziele sind z. B. die Rotgüldenseen und der Murursprung sowie Schutz- und Almhütten.

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11. Dezember 2018
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