Wirtschaft

Nach mehr als 30 Jahren sperrte das Traditionscafé Niemetz zu

Am Freitag übergibt Niemetz das Gebäude an seinen Eigentümer, die Salzburger Festspiele. Was dort künftig anstelle von Süßem geboten werden soll, daran wird derzeit heftig getüftelt.

Es gehörte zu den hübschesten Cafés in der Mozartstadt. Pittoreske Einrichtung, eine Kuchenvitrine, die keine Wünsche offenließ, dazu die tolle Lage zwischen Pferdeschwemme und Großem Festspielhaus. Doch nun ist Schluss. Nach mehr als 30 Jahren. Steve Batchelor, Geschäftsführer der Walter Niemetz Süßwarenfabrik GmbH & Co KG, die das Café Niemetz betrieb: "Leider hat sich die Dynamik in Salzburg verändert. Dadurch rechnet sich der Betrieb trotz Festspielen und Tourismus für uns nicht mehr. Und so haben wir uns entschieden, auch unser letztes Kaffeehaus zu schließen." 2015 hatte das Unternehmen, das der gebürtige Amerikaner Batchelor gemeinsam mit Ursula Niemetz führt, die zwei Standorte in Linz geschlossen.

Die Walter Niemetz Süßwarenfabrik GmbH & Co KG erzeugte einst die berühmten Schwedenbomben. Bis das Unternehmen 2013 die Fabrik in Wien sowie die Rechte an den Markennamen Schwedenbomben, Manja und Swedy an die rumänische Heidi Chocolat verkaufte. Eigentümer des Gebäudes an der Rückseite der Pferdeschwemme, das einst eine Garage war, sind die Salzburger Festspiele. Dort werden bereits Pläne gewälzt, wie es künftig genutzt werden soll. "Die Salzburger Festspiele haben die einmalige Möglichkeit, den Festspielbezirk zu erweitern und zu verschönern", sagt Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. Die Übergabe wird am 1. Februar erfolgen.

Die Festspiele würden ohnehin seit Jahren an akutem Platzmangel leiden. Daher komme die nun hinzugewonnene Fläche von etwa 200 Quadratmetern sehr gelegen. Bis in das prominente Haus wieder Leben einzieht, könnte aber ein wenig Zeit vergehen. Möglicherweise werde es im Sommer wieder provisorisch zum Café werden. Die Salzburger Festspiele seien sich ihrer architektonischen Verantwortung und dem Weltkulturerbe-Status der Salzburger Altstadt sehr bewusst. Darum werde es keinen Schnellschuss über die zukünftige Nutzung geben.

Rabl-Stadler ist überzeugt, dass sich nun die einmalige Gelegenheit ergibt, die Rückseite der Pferdeschwemme durch den Umbau geradezu positiv zu beleben. Zunächst werde intern eine Entscheidung über den zukünftigen Verwendungszweck fallen. Extern stehen Gespräche mit dem Bundesdenkmalamt, der Altstadtkommission und der Österreichischen UNESCO-Kommission an. "Mein großes Bestreben ist es, diesen Umbau mit privaten Mitteln zu finanzieren. Denn die Gelder der öffentlichen Hand brauchen wir dringend für die anstehende Generalsanierung unserer Festspielhäuser", sagt Rabl-Stadler.

Ob der Name Niemetz künftig ganz aus dem Salzburger Stadtbild verschwindet, ist ebenfalls noch nicht entschieden. "Wir überlegen derzeit, uns in anderer Form in Salzburg zu präsentieren. Aber das ist noch nicht spruchreif", sagt Batchelor.


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