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Österreichs größte Photovoltaik- Anlage wird in Flachau gebaut

Die Beharrlichkeit der Betreiber hat sich bezahlt gemacht. Am Eibenberg wird Mitte August mit der Errichtung einer 3,5 Hektar großen Sonnenenergie-Anlage begonnen.

Österreichs größte Photovoltaik- Anlage wird in Flachau gebaut SN/sn / brinek
Perfekte Höhen- und Hanglage und nach Süden ausgerichtet. Hier wird die Photovoltaik-Anlage errichtet.

"Ich bin zäh. Die Ausdauer habe ich vom Sport und vom Holzarbeiten", das sagte Leo Huttegger bereits im Februar 2013, als die "PN", erstmals über das Sonnenenergie-Projekt am Flachauer Eibenberg berichteten. Die Familie Huttegger (Lehatl-Hof) und ihre Nachbarn, die Familie Oberreiter (bekannt durch ihren Berggasthof Sattelbauer) sind die Projektinitiatoren und werden die Anlage gemeinsam betreiben. Der Baubeginn steht unmittelbar bevor, bereits im Oktober/November soll die Anlage Strom liefern.

Zur Vorgeschichte: Huttegger war vor einigen Jahren oft mit Holzarbeiten in Deutschland betraut. Dort fiel ihm die Vielzahl von Photovoltaik-Anlagen auf. "Ich dachte mir, das würde auch bei mir daheim Sinn machen und habe das Grundstück neben unserem Hof auf seine Tauglichkeit als Standort für eine PV-Anlage ausgemessen." Das Ergebnis: Die 7,5 Hektar große Wiese am Eibenberg erwies sich als optimal:

Alles passte, die Höhenlage, die Hangneigung sowie die Ausrichtung Richtung Süden hin. "Also bin ich zu meinem Nachbarn, dem Sattelbauer - ihm gehört auch ein Teil des Grundstücks - und habe ihm meinen Plan erklärt." Es stellte sich heraus, dass Leopold Oberreiter ebenfalls bereits mit der Idee einer Photovoltaik-Anlage auf dem Eibenberg spielte.

Man beschloss daher , das Projekt gemeinsam voranzutreiben, auch seitens der Gemeinde stieß man auf offene Ohren und auf Wohlwollen. "Wir dachten also, dass wir rasch mit dem Bau beginnen können, denn wer sollte schon was gegen diese saubere Energieform haben", erläutert Huttegger die Situation der Jahre 2010/2011.

Doch dann begannen die Probleme: 2012 scheiterten die Hutteggers bei dem Versuch, eine Bundesförderung zu erhalten. Grund waren die Unzulänglichkeiten und das Chaos bei der umstrittenen Online-Vergabe. 2013 funktionierte es zu Beginn erneut nicht: Es gab Probleme beim Rechenzentrum der Abwicklungsstelle für Ökostrom, der OeMAG. Erst bei einem zweiten Anlauf klappte es schließlich.

Gleichzeitig stellte sich damals auch die Landesumweltanwaltschaft (LUA) quer. Landesumweltanwalt Wolfgang Wiener störte vor allem die Größe des Projekts. Der Fall ging an den Verwaltungsgerichtshof.

Nun konnten sich die Projektbetreiber doch noch durchsetzen, wenn auch mit einer verkleinerten Variante: Der Flächenbedarf der gesamten Anlage wird nun 3,5 Hektar betragen. Der Jahresertrag an Strom wird rund 3,7 Millionen KWh betragen. "Das entspricht in etwa dem Strombedarf von 1000 Haushalten und damit ziemlich genau dem Bedarf Flachaus", erklärt Bürgermeister Thomas Oberreiter.

Er und die gesamte Gemeindevertretung standen stets hinter dem Projekt: Alle diesbezüglichen Beschlüsse und die durch eine Gesetzesänderung nachträglich nötig gewordene Umwidmung des Areals in eine Sonderfläche Photovoltaik erfolgten einstimmig. "Wir haben es uns ganz sicher nicht einfach gemacht", so der Bürgermeister: Die Fläche wird als optimal betrachtet, weil sie nur sehr wenig einsichtig ist, und daher die Photovoltaik-Anlage das Landschaftsbild nicht stört. Zudem handelt es sich auch um keine landwirtschaftliche Vorrangfläche.

Diese Punkte sind es auch, die seitens des Büros von Landesrat Josef Schwaiger - zuständig u.a. für Landwirtschaft und Energie - als große Pluspunkte der Anlage am Eibenberg genannt werden. Generell präferiert das Land aber kleinere Anlagen wie etwa auf Hausdächern und spricht sich gegen die Verbauung von Agrarflächen aus. In diesem Fall aber passe das Gesamtpaket.

Die Projektbetreiber werden rund drei Millionen Euro in die Anlage investieren. Der Baubeginn steht unmittelbar bevor: "Wir tragen auch viel zur regionalen Wertschöpfung bei, weil wir für die Anlage ausschließlich österreichische Komponenten verwenden", so Huttegger: Die Photovoltaik-Paneele kommen von einem Kärntner Hersteller, die Wechselrichter aus Oberösterreich und die Unterkonstruktion aus Eugendorf.

Die Arbeiten selbst sollen binnen drei Monaten abgeschlossen sein. Die Unterkonstruktion wird auf Pfählen erbaut, die zwei Meter tief in den Boden gerammt werden. "Wir müssen da nichts betonieren, der Boden wird nicht versiegelt", erklärt Huttegger. Das Areal kann künftig weiter von Schafen beweidet werden.

Der gewonnene Strom wird mittels eines 1,4 Kilometer langen Erdkabels in das Tal geleitet und dort direkt in das Ortsnetz von Flachau eingespeist. Angedacht ist auch, in weiterer Folge einen Sonnenenergie-Lehrpfad zu errichten. Leo Huttegger jedenfalls ist froh, dass es nun endlich losgeht: "Möglich wurde dies nur, weil wir alle immer dran geglaubt haben und zusammen mit der Gemeinde an einem Strang gezogen haben."


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