Wirtschaft

Postalm: Gläubiger stimmen Sanierungsplan zu

Seit Dienstagmittag gibt es grünes Licht für die finanzielle Sanierung der defizitären Postalm-Lifte. Offen ist laut den Eigentümern aber noch, ob Ex-Eigentümer Gerhard Gössl eine alte Forderung gegen ihn bezahlen wird.

Die neuen Postalm-Eigentümer Michael Proksch (links) und Linus Pilar haben am Dienstag eine Mehrheit für ihren Sanierungsplan erhalten.  SN/robert ratzer
Die neuen Postalm-Eigentümer Michael Proksch (links) und Linus Pilar haben am Dienstag eine Mehrheit für ihren Sanierungsplan erhalten.

Am Dienstag ab 11 Uhr wurde vor Gericht über die insolvente Postalm-Liftgesellschaft verhandelt. Um 12 Uhr war die sogenannte Sanierungsplantagsatzung auch schon wieder vorbei - mit einem positiven Ende für die Region. Der neue Postalm-Eigentümer Michael Proksch, der Anfang September die LIftfirma gemeinsam mit Linus Pilar gekauft hat, berichtet: "Unser Sanierungsplan ist mit überwältigender Mehrheit angenommen worden. Es gab nur zwei Gegenstimmen - dafür 37 Pro-Stimmen." Angemeldet wurden im Konkursverfahren rund 1,7 Millionen Euro an Forderungen.

Neue Eigentümer zahlen die Hälfte der Quote bar

Der Inhalt des Sanierungsplans war schon länger bekannt: Die beiden Eigentümer bieten den Gläubigern darin die Zahlung der gesetzlichen Mindestquote - 20 Prozent binnen zwei Jahren - an. Neu ist allerdings, dass nun auch der Hauptgläubiger, die Raika Strobl-St. Gilgen, im Boot ist, wie Proksch bestätigt: "Die Raika bekommt auf den nicht besicherten Teil ihrer Forderungen 20 Prozent." Proksch nennt auch den Zahlungsplan, auf den man sich geeinigt hat: "Es gibt eine Bar-Quote von zehn Prozent, die bereits beim Masseverwalter liegt." Die zweite Hälfte der anerkannten Forderungen werde in vier Raten bezahlt: Zwei Mal werden zwei Prozent und zwei Mal werden je drei Prozent bezahlt - jeweils sechs, 12, 18 und 24 Monate ab Annahme des Sanierungsplans.

Proksch: "Gössl haftet noch mit 100.000 Euro"

Bei der Höhe der Bankforderung gibt es aber noch einen Haken, räumt Proksch ein: "Es geht um eine Gesamtforderung der Bank von 210.000 oder 310.000 Euro - je nachdem, ob Ex-Eigentümer Gerhard Gössl seine 100.000 Euro aufgrund einer alten Haftung zahlt." Denn Trachtenhersteller Gössl war in der Saison 2015/16 Eigentümer der Lifte, hatte sie aber nach nur einem Jahr an den steirischen Unternehmer Karl-Heinz Prentner verkauft.

Eigentümer müssen der Bank außerdem noch einen Lift ablösen

Damit ist es für die beiden neuen Eigentümer - Proksch ist Anwalt in Wien, Pilar Manager in Linz - noch nicht getan. Denn einer der jüngsten Lifte im Skigebiet, der sogenannte Gschlössl-Vierer-Sessellift, gehört mittlerweile der Bank. Proksch bestätigt, dass er gemeinsam mit Pilar diesen Lift der Raika um 200.000 Euro ablösen werde - in zehn Jahresraten. In Summe dürften die beiden neuen Lift-Chefs mit der Raika (Proksch: "Die Verhandlungen haben bis Montagabend gedauert") aber hart verhandelt haben: Denn am Ende hat die Raika ihre Forderung von den angemeldeten 1,13 Millionen Euro auf 510.000 Euro eingeschränkt. Hintergrund war allerdings auch, dass es eine Kredit-Versicherung gegeben habe, die eingelöst worden sei, sagt Proksch. Denn der größte Teil der Bankschulden stamme aus einem Kredit, der vor rund 15 Jahren zum Bau des besagten Vierer-Sesselliftes aufgenommen worden sei, sagt Proksch. Fix ist außerdem, dass die Gemeinde Strobl auf ihren unbesicherten Kredit in Höhe von rund 200.000 Euro inklusive Zinsen verzichten werde.

Öffentliche Hand zahlt nicht für die Sanierung

Klar ist auch, dass den Großteil der Sanierung die beiden Eigentümer stemmen werden: Denn laut Angaben von Proksch würden er und Pilar über die nächsten zehn Jahre verteilt der Bank 240.000 bis 260.000 Euro zahlen. Die anderen Gläubiger - darunter fallen Grundbesitzer, Saison-Mitarbeiter und Lieferanten - werden insgesamt 30.000 bis 60.000 Euro bekommen. Denn hier gebe es auch noch ein kleines Fragezeichen, wie Proksch einräumt: Noch sei offen, "wie viele der strittigen Forderungen in einer Klage enden. Die Frist dafür läuft bis 8. November." Masseverwalter Robert Bukovc werde aber "von sich aus keine Forderungen mehr anerkennen", betont Proksch.

Eigentümer zahlen bis zu 140.000 Euro für die Sanierung

Proksch betont, dass er mit seinem Kompagnon bereits die Barquote hinterlegt habe und bereit sei, in Summe bis zu 140.000 Euro für die Sanierung beizutragen. "Der restliche Betrag, der für die Sanierung nötig ist, soll aus dem laufenden Betrieb erwirtschaftet werden." Das sei realistisch, betont der Anwalt.

Proksch: "Großer Teil der Rettung ist erfolgt"

"Ein großer Teil der Rettung der Liftgesellschaft ist mit heutigem Tag erfolgt", freut sich der Lift-Miteigentümer daher. Und er glaube nicht, dass ihn eventuelle Klagen von bestritten Forderungen aus dem Konzept bringen würde, betont er. Nachsatz: "Die größte Hürde, die es noch geben kann, ist das Wetter. Denn wir brauchen für die Revisionsarbeiten zunächst Schönwetter - und ab Dezember möglichst viel Schnee."

Eigentümer wollen das Skigebiet rund um Weihnachten aufsperren

Als nächsten Schritt wollen die beiden Eigentümer möglichst zügig mit den ehemaligen Mitarbeitern reden, um sie für die nötigen Revisionsarbeiten der Lifte zu gewinnen. Denn der Zeitplan ist ehrgeizig: "Wir wollen zu Weihnachten aufsperren - wenn es viel Schnee gibt, dann auch schon davor."

Investitionen sollen im Frühjahr 2018 starten

Fix ist für Proksch, dass man mit den nötigen Investitionen - geplant ist etwa ein Beschneiungsteich - erst im Frühjahr 2018 beginnen werde, auch aufgrund der noch nicht vorliegenden Genehmigungen. Über die möglichen Kosten - beim Gipfel mit dem Land vorige Woche stand der Betrag von einer Million Euro im Raum - wollte Proksch noch ebensowenig spekulieren wie über deren Aufteilung: "Wir bemühen uns um ein Crowd-Funding-Modell. Ob es Eigenkapital von uns gibt, dazu sage ich nichts." Er betont aber, dass die öffentliche Hand - als Land, Gemeinden und Tourismusverbände - ihr vereinbartes Drittel zur Investitionssumme ebenfalls erst frühestens mit Frühjahr 2018 aufbringen müssten.



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