Wirtschaft

Salzburger Gastronom Raschhofer nimmt kein Bargeld und "schockiert" FPÖ-Chefin Svazek

Nur Bares ist Wahres? Nicht, wenn es nach dem Salzburger Gastronomen Heiner Raschhofer geht. Seine beiden Restaurantketten "my Indigo" und "Glorious Bastards" setzen seit Ende des Lockdowns nur mehr auf bargeldlosen Zahlungsverkehr. Das macht Politiker unruhig.

Heiner Raschhofer. SN/berthold schmid
Heiner Raschhofer.

Der Schutz vor einer Infektion mit Covid-19 ist dabei positiver Nebeneffekt, entscheidend für den Schritt waren aber betriebswirtschaftliche Überlegungen. Negatives Feedback von Gästen habe es dabei nur am Anfang gegeben, sagt der Unternehmer.

"Wir haben uns während des Lockdowns im Frühjahr Gedanken gemacht, wie wir bei reduziertem Geschäft die Prozesse optimieren können. Ein wesentlicher Teil dabei war der gesamte Zahlungsprozess", sagte Raschhofer der APA. "Das Thema bargeldloses Zahlen ist international im Kommen. Wir wollen hier in Österreich zu den Vorreitern zählen." Zugleich sei "cashless payment" ein Vorteil, wenn man Gästen eine höchstmögliche Sicherheit vor einer Infektion mit dem Coronavirus bieten wolle.

Statt Geldscheinen oder Münzen nimmt das Personal an der Kasse nun Kreditkarte, Bankomatkarte oder Zahlungen über Mobiltelefon-Apps wie Apple Pay entgegen. Die Grenze für Beträge ohne PIN-Eingabe wurde hinaufgesetzt. "Wir sind nicht für die Abschaffung des Bargelds. Aber wir sind Nachzügler beim Zahlen ohne Bargeld. In nordischen Ländern hat kein Mensch mehr Bargeld eingesteckt, in Großbritannien wird alles und jeder Betrag mit Karte bezahlt", sagt Raschhofer im Wissen um die Emotionalität des Themas. Auch in Berlin würden die jungen Gastronomiekonzepte mittlerweile alle auf "cashless" setzen. "Das steht auf der Tür draußen und ist dort kein Aufreger mehr."

Bargeld kostet Zeit und damit Geld

Faktum sei, dass das Handling von Bargeld extrem aufwendig ist, so der Gastronom. "Es wird wahnsinnig viel Zeit mit dem Zählen verbracht. Jeder Kellner zählt zuerst sein Geld, der Verantwortliche dann noch einmal den Gesamtumsatz. Und wenn es eine auch nur kleine Differenz gibt, wird noch einmal gezählt." Dazu fallen laut Raschhofer viele Komplikationsmöglichkeiten weg. "Man kann sich weder verzählen noch falsch herausgeben. Immer wieder fand sich in der Kassa auch Falschgeld, das nicht als solches erkannt worden ist." Nicht zuletzt hätten in der Vergangenheit Einbrecher einige Male Tresore in Filialen herausgebrochen.

Zwar verlangen die Zahlungsdienstleister Gebühren für die Transaktionen, dafür entfallen etwa Kosten für Geldtransporte. "Kartenzahlung ist auch schneller als Barzahlung", sagt der Gastronom. Ein geübter Mitarbeiter könne zwar durchaus rasch Wechselgeld herausgeben. "Aber es gibt Kunden, die schon einmal recht lange den exakten Betrag im Geldtascherl suchen." Und das zugedachte Trinkgeld könne einzelnen Mitarbeitern weiterhin problemlos aufgebucht werden.

Gutscheinwertkarten für anonyme Zahler

Skeptische Kunden seien mittlerweile selten geworden. "Im Grunde genommen war es immer ein Argument, das gekommen ist. Die Menschen haben Angst, dass das Bargeld generell abgeschafft wird, und vor der Kontrolle des Staates." Für Gäste, die Wert auf Anonymität legen, hat Raschhofer darum eine Hintertür geöffnet. Zum einen können Gutscheinwertkarten für die Restaurants in den Läden auch noch in bar gekauft werden. Und einzelne Restaurants haben eine Notkasse, wenn tatsächlich wer partout bar zahlen will. "Das ist aber nicht gewünscht und wird auch so gut wie nicht mehr in Anspruch genommen. Mittlerweile zahlen jenseits der 99 Prozent ohne Bargeld."

Die Soulkitchen-Gruppe von Raschhofer betreibt in Österreich 13 "my Indigo"- und drei "Glorious Bastards"-Lokale. Dazu kommen das Raschhofer's Rossbräu und die Szene in der Stadt Salzburg. Die Gruppe setzte laut dem Unternehmer mit Partnern und zuletzt knapp 400 Mitarbeitern im Jahr 2019 rund 24 Millionen Euro um.

FPÖ-Chefin Svazek ist "schockiert"

Die Zahlungsgebarungen in den Raschhofer'schen Gaststätten rief am Donnerstag die Salzburger FPÖ-Chefin Marlene Svazek auf den Plan. Laut Aussendung ihre Partei ist sie "schockiert". Bargeld sei in Österreich ein gesetzlich zugelassenes Zahlungsmittel. Das Verbot stoße bei den Freiheitlichen auf Unverständnis. Svazeks Kritik: "Menschen, die aufgrund ihrer Bonität keinen Anspruch auf eine Plastikkarte haben, werden ebenso ausgeschlossen, wie Pensionisten, die eventuell keine Karte besitzen und auch sonst nicht brauchen, sowie all jene, die schlicht auf das gute alte Bargeld nicht verzichten wollen."

Quelle: APA

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