Wirtschaft

Straßendienst spürt Funklöcher auf

Täglich fährt der Straßendienst durch das Land Salzburg. Seit diesem Winter haben sie eine kleine Box dabei, die den Handy-Empfang misst - und so schwarze Flecken entdeckt.

Die Messbox ist so groß wie ein Smartphone, erzählt Peter Dorfinger. Der Forscher koordiniert für Salzburg Research ein Projekt, bei dem die Netzabdeckung im Bundesland überprüft wird. Das Ziel ist eine Karte, die die Versorgung mit mobilen Breitbandinternet zeigt.

Die Messbox hat Dorfinger deshalb in die Fahrzeuge des Straßendienstes verbaut. "Gerade im Winter sind sie mehrmals täglich unterwegs", erklärt der Wissenschafter. 1400 Kilometer lang sei das Netz der Bundes- und Landesstraßen in Salzburg. Daten zu 100.000 Kilometer haben die Boxen bereits erfasst - eine Straße wurde im Schnitt also 71 Mal befahren.

Der Mobilfunkempfang hänge einerseits von der Technologie ab: also davon, ob in der Region die vierte Generation ausgebaut sei. Zudem habe die Topografie - Berge, Gebäude, Bäume - sowie das Wetter Einfluss auf den Empfang. "An einem schönen Tag ist das mobile Breitbandinternet schneller als wenn Schneeflocken durch die Luft fliegen", sagt Dorfinger.

Jede Sekunde überträgt die Box einen Messwert an die Server der Salzburg Research. Das ist eine unglaubliche Menge an Daten. Es sei jedoch notwendig, dass eine Straße nicht nur einmal vermessen wird, sagt Dorfinger: Der Handy-Empfang verändere sich im Laufe eines Tages. Mobilfunk ist ein geteiltes Medium, je mehr Smartphones sich in in eine Funkzelle einloggen, desto weniger Bandbreite steht einem einzelnen zur Verfügung. Zwischen 17 und 23 Uhr ist das Internet langsamer als um 2 Uhr morgens.

Zwischen 17 und 23 Uhr ist man meist zuhause - und ins eigene W-Lan eingeloggt. Wafür braucht der Salzburger dann mobiles Breitbandinternet? 92 Prozent der Haushalte hätten die Möglichkeit, sich ans Kabelnetz anzuschließen, sagt Fabian Prudky. Er ist Breitbandkoordinator des Landes und bei dem Projekt mit dem Straßendienst an Bord. Prudky betont jedoch, dass nicht alle Haushalte Kabelanschluss und damit Zugang zu einer Geschwindigkeit von 200 Mbit pro Sekunde haben: "Es gibt abgelegene Streusiedelungen, in denen kein W-Lan möglich ist. Da ist eine gute mobile Verbindung wichtig." Sonst könnten die Bewohner dort nicht surfen.

Durch den Straßendienst wolle das Land überprüfen, ob die von den Mobilfunkbetreiber angegebenen Daten stimmen. Dabei wollten sie nicht Regionen vergleichen, sagt Dorfinger. "Wir wollen uns im Detail anschauen, welche Bürger nur langsam surfen können - und ihnen mit den Mobilfunkbetreibern eine Lösung bieten." Erste Ergebnisse soll es im Herbst geben.

Für das Festnetz gibt es bereits Erhebungen: Einige Haushalte in Neumarkt am Wallersee und dem Ortsteil Roidwalchen in Straßwalchen können mit entsprechendem Produktpaket mit dem Spitzenwert von mehr als einem Gigabit pro Sekunde surfen. Kleinere Anbieter würden derart schnelles Internet zur Verfügung stellen, sagt Prudky.

In der Stadt Salzburg ist derzeit im Schnitt 200 MBit pro Sekunde möglich. Ob dieser Wert erreicht wird, hängt vom Paket ab. Auf der Breitband-Landkarte gibt es aber auch hellgelbe Punkte, die auf langsames Internet hinweisen. Meist sind Haushalte an den Rändern der Gemeinden betroffen. Weit abgeschlagen ist etwa Wald bei Zederhaus: Die Bewohner surfen mit mit zehn MBit pro Sekunde - sie haben um das zwanzigfache weniger Bandbreite als in der Stadt Salzburg zur Verfügung.

Zum Vergleich: Um ein Video in HD-Qualität zu streamen, brauchen die Nutzer zehn Mbit pro Sekunde, um Serien auf Netflix zu sehen, reichen vier Mbit. Relevant werden die Höchstgrenzen vor allem, wenn mehrere Familienmitglieder gleichzeitig auf das Internet zugreifen.

Schlechtes Internet bedeute nicht nur, dass Videos auf Youtube langsamer laden, sagt Dorfinger. "Jugendliche sind abgeschnitten, wenn sie nicht auf Facebook, Instagram, WhatsApp kommunizieren können."

Auch für Unternehmen habe Internet im Schneckentempo Auswirkungen. Pläne, Fotos, Dokumentationen brauchen ewig, bis sie beim Empfänger eingehen. "Dadurch entstehen wirtschaftliche Nachteile - im schlimmsten Fall erhalten Firmen einen Auftrag nicht."

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