Wirtschaft

Wirtschaftskammer Salzburg: Fliegender Wechsel mitten in der Krise

Der Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg heißt seit Mittwoch Peter Buchmüller. Manfred Rosenstatter muss nach nur einem Jahr im Amt kürzer treten.

Überraschender Wechsel an der Spitze der Wirtschaftskammer: Manfred Rosenstatter (51, links) hat am Mittwoch sein Präsidentenamt an Peter Buchmüller (65) übergeben.  SN/neumayr
Überraschender Wechsel an der Spitze der Wirtschaftskammer: Manfred Rosenstatter (51, links) hat am Mittwoch sein Präsidentenamt an Peter Buchmüller (65) übergeben.

Die Wirtschaftskammer Salzburg hat derzeit alle Hände voll zu tun, um die Betriebe und Unternehmen durch die Coronakrise zu begleiten. Just zu diesem denkbar ungünstigen Zeitpunkt kommt es nun zu einem Führungswechsel an der Spitze der Interessensvertretung.

Manfred Rosenstatter hat sein Amt als Präsident und Obmann des Wirtschaftsbundes am Mittwoch überraschend zurückgelegt und wird künftig nur noch als einer von vier Vizepräsidenten zur Verfügung stehen. Der 51-Jährige hätte nach der Wirtschaftskammerwahl im März in einem Formalakt am 3. Juni vom Wirtschaftsparlament zum Präsidenten gewählt werden sollen. Eine Funktion, die er seit 29. April 2019 inne hatte.

Seinen Rücktritt begründet Rosenstatter damit, dass er durch die herausfordernde wirtschaftliche Situation mit Corona zeitlich nicht mehr zu Rande komme, gleichzeitig als Eigentümer eines Betriebes mit 330 Mitarbeitern und Präsident der Wirtschaftskammer zu fungieren.

An seine Stelle trat noch am Mittwoch Peter Buchmüller. Der 65-jährige Tennengauer ist in- und außerhalb der Kammer kein Unbekannter. Der Kaufmann mit Geschäften in Hof und Großgmain verhandelt seit 2011 die Kollektivverträge im Handel. Seit 2015 ist er außerdem Bundesspartenobmann im Handel - eine Funktion, die er nun zugunsten der Präsidentschaft in Salzburg zurücklegt.

Coronakrise macht eigenem Betrieb zu schaffen

Vor fast genau einem Jahr, am 29. April, hat Manfred Rosenstatter das Amt des Präsidenten der Wirtschaftskammer Salzburg von Konrad Steindl übernommen. Nicht einmal 365 Tage später gibt er es wieder ab. Freiwillig. Und das trotz höchst erfolgreich geschlagener Wirtschaftskammer-Wahl im März, die dem Wirtschaftsbund und seinem Spitzenkandidaten 71 Prozent und damit eine noch deutlichere Machtposition bescherte als bisher.

Doch anstelle von Rosenstatter wird nun am 3. Juni im Wirtschaftsparlament Peter Buchmüller (65) zum Präsidenten gewählt. Übernommen hat Buchmüller das Amt unmittelbar am Mittwochvormittag.

Der fliegende Wechsel ist durch die Corona-Krise nötig, die auch vor Rosenstatters Unternehmensgruppe Alumero mit Sitz in Seeham und Standorten in Polen, Slowenien und den Niederlanden nicht Halt macht. "Die Coronakrise beschäftigt die gesamte globale Wirtschaft, so auch meine Gruppe. Da braucht es einen Eigentümer, der Tag und Nacht da ist. Es braucht meine volle Aufmerksamkeit und mein volles Engagement", erklärt Rosenstatter. Vor 14 Tagen sei seine Entscheidung gefallen, das Präsidentenamt abzugeben. "Die Wirtschaftskammer ist für die Mitglieder jetzt in dieser Phase unheimlich wichtig. Der Präsident ist der erste Ansprechpartner. Es ist mehr als ein Fulltime-Job. Das lässt sich aber zeitlich nicht vereinbaren." Sein Amtsverständnis sei davon geprägt, dass man verantwortlich sei dafür, was man tue. Aber auch dafür, was man nicht tue, schildert Rosenstatter. "Das wäre nicht ich, wenn ich nicht sagen würde: Ich bin nicht mehr so verfügbar, wie es die Mitglieder von mir erwarten."

330 Mitarbeiter beschäftigt Rosenstatters Alumero-Gruppe. Es ist ein klassischer Zulieferbetrieb, etwa auch für KTM. Hauptprodukt aus dem Seehamer Betrieb sind die Unterkonstruktionen von Solar- und Photovoltaik-Modulen, aber auch Elemente für Fenster, Türen, Fassaden, Küchen. "Die gesamten Liefer- und Wertschöpfungsketten sind geplatzt", sagt Rosenstatter. Der Umsatz ist im März um 20 Prozent zurückgegangen. Etwas, das der Betrieb verschmerzen kann. Die Eigenkapitalquote liegt bei 80 Prozent. "Wir schaffen das schon. Aber es bedarf jetzt eines Eigentümers, der Tag und Nacht da ist", sagt Rosenstatter. Die Mitarbeiter in Holland seien in Kurzarbeit, in Slowenien und Polen gebe es aber kein adäquates Modell dazu.

Bedauern bei AK und Funktionären

Bei den Kammerfunktionären löst Rosenstatters Schritt Bedauern aus. Der Präsident wurde mit seiner sachlichen Art im Haus geschätzt. "Er hat sich auch beim Landeshauptmann bereits viel Gehör verschafft. Wir sind traurig, dass er von der Spitze geht", sagt ein Funktionär.

Auch sein Pendant in der Arbeiterkammer, Präsident Peter Eder, war am Mittwoch überrascht und reagiert mit Bedauern. "Schade, weil ich Manfred Rosenstatter sehr geschätzt habe. Wir hatten mit ihm einen guten Draht in die Wirtschaftskammer. Gerade jetzt ist eine gute Gesprächsbasis wichtig für die Krisenbewältigung", sagt Eder.

Rückkehr an die Spitze nicht ausgeschlossen

Völlig zurückziehen wird sich Rosenstatter aus der Wirtschaftskammer aber ohnehin nicht. "Ich rücke in die zweite Reihe." Soll heißen: Der Unternehmer wird Vizepräsident - die Anzahl der Vizepräsidenten in der Wirtschaftskammer Salzburg erhöht sich damit von drei auf vier.

Wie es mit einer Rückkehr an die Spitze aussieht? "Das, wenn ich Ihnen sagen könnte. Ausgeschlossen ist gar nichts", meint Rosenstatter dazu. Vorerst übernimmt das Amt aber Peter Buchmüller. Der 65-Jährige sei alles andere als ein "Schmalspur-Präsident", meint Rosenstatter. "Er ist super vernetzt bis in die Ministerien. Buchmüller bringt diese Zeit mit, die es jetzt benötigt."

Der Neue will kein Kurzzeit-Präsident sein

Buchmüller wird die Obmannschaft in der Bundessparte Handel, wo er 80.000 Unternehmen in ganz Österreich vertreten hat, nun zurücklegen, um in Salzburg 40.000 Unternehmer zu vertreten. Der Tennengauer, der seit Jahren in Mondsee lebt, hat vor, dass er fünf Jahre an der Spitze der WKS bleibt. "Ich bin kein Kurzzeit-Präsident. Es ist geplant, dass ich eine Periode bleibe. Rosenstatter war auch mein Wunsch-Präsident immer in Salzburg." Was ihn von ihm unterscheidet? Nach langem Überlegen meint Buchmüller: "Das Alter. Und ich habe vermutlich eine andere Arbeitsweise."

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