Salzburger Festspiele

Festspiele - Rede von Präsidentin Helga Rabl-Stadler

Festspielpräsidentin Helga-Rabl-Stadler beim Festakt zur Eröffnung der Salzburger Festspiele in der Felsenreitschule, am Samstag, 27. Juli 2019. SN/APA/FRANZ NEUMAYR/LEO
Festspielpräsidentin Helga-Rabl-Stadler beim Festakt zur Eröffnung der Salzburger Festspiele in der Felsenreitschule, am Samstag, 27. Juli 2019.

Herzlich Willkommen bei den Salzburger Festspielen 2019!

Wir sind uns alle ziemlich einig: Klimawandel und Umweltschäden werden zum Umdenken und vor allem zum Anders-Handeln führen müssen:

"Der Mensch verändert sich nicht auf Knopfdruck und auch nicht durch eine übermäßige Moralisierung, die bloß seinen Widerwillen weckt. Natürlich, man kann ihn zwingen, mit Verboten und Regeln. Dann aber wird aus der Klimawende ein Kulturkampf, und viele werden schon deshalb aufbegehren, weil sie um ihre Freiheit bangen. Stichwort: Öko-Diktatur", schreibt der Kunsthistoriker und Journalist Hanno Rauterberg.

Und zieht folgenden Schluss:
"Es zeigt sich, wer etwas verändern will, braucht mehr als gute Argumente und staatlichen Druck. Er muss tiefer ansetzen: am besten dort, wo die Vernunft zurücktritt und der Mensch sich als sinnliches Wesen erfährt. Denn viel stärker als auf Zwang reagiert er bekanntlich auf Lust. Und so braucht die Klimawende, soll sie gelingen, ganz dringend die Unterstützung einer anderen, eher unerwarteten Seite: Sie braucht Kunst."

Hanno Rauterberg steht mit seinem Appell in bester Festspieltradition. Ist es doch der feste Glaube unserer Gründerväter an die Kraft der Kunst, auch oder gerade in schwierigen Zeiten, dem die Salzburger Festspiele ihre Existenz verdanken.

Wohl einer der bildgewaltigsten Verkünder dieser Botschaft ist Peter Sellars.
Begrüßen Sie bitte mit mir den Festspielredner 2019.

Seine Operninterpretationen galten und gelten weltweit als bahnbrechend. In Salzburg hat er 1992 mit Saint François d'Assise von Olivier Messiaen und 2017 mit La clemenza di Tito Festspielgeschichte geschrieben. Gemeinsam mit Teodor Currentzis wird er heute Abend Mozarts Idomeneo hier auf dieser Bühne interpretieren.
Peter Sellars, der Meister der Felsenreitschule.

Und so viel darf ich schon jetzt verraten: Wir werden den Beweis erbringen, dass die Beschäftigung mit den Mythen kein Schwelgen in längst vergangenen Zeiten bedeutet, sondern Auseinandersetzung mit der Welt von heute.

Wie schrieb Hugo von Hofmannsthal an
Richard Strauss: "Denn wenn sie etwas ist, diese Gegenwart, so ist sie mythisch - ich weiß keinen anderen Ausdruck für eine Existenz, die sich vor so ungeheuren Horizonten vollzieht - für dieses Umgebensein mit Jahrtausenden, für dies Hereinfluten von Orient und Okzident in unser Ich, für diese ungeheure innere Weite, diese rasenden inneren Spannungen, dieses Hier und Anderswo, das die Signatur unseres Lebens ist. Es ist nicht möglich, dies in bürgerlichen Dialogen aufzufangen. Machen wir mythologische Opern. Es ist die wahrste aller Formen."
Wir machen mythologische Opern: Idomeno von Wolfgang Amadeus Mozart, Médée von Luigi Cherubini, Oedipe, also Ödipus, von Georges Enescu und Orphée aux enfers, von Jaques Offenbach.

Mit dessen Ouvertüre für Orpheus in der Unterwelt haben wir Sie direkt in das Festspielprogramm 2019 geholt. Danke unserem Mozarteumorchester unter dem Dirigat von Aziz Shokakimov, dem Gewinner unseres Young Conductors Award aus dem Jahre 2016.

Und ich komme jetzt zum eigentlichen Grund meiner Rede, der offiziellen Begrüßung:

Ich begrüße Sie sehr herzlich im Namen des Direktoriums, des Intendanten Markus Hinterhäuser, des kaufmännischen Direktors Lukas Crepaz und in meinem eigenen, sowie im Namen der Leiterin des Schauspiels Bettina Hering und des Konzertchefs Florian Wiegand
im Namen des Kuratoriums sowie
im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und
im Namen unserer Künstlerinnen und Künstler
zu 199 Aufführungen in 43 Tagen auf 16 Spielstätten.

Ich begrüße unseren Bundespräsidenten Alexander van der Bellen und seine Frau Doris Schmidauer, der uns auch diesmal wieder die Ehre der Eröffnung gibt.

Außer Protokoll darf ich unseren ehemaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer, der uns auch nach seiner Amtszeit die Treue hält, mit seiner Frau Margit willkommen heißen.

Ich möchte noch einige Ehrengäste namentlich nennen, die Sie bitte alle gemeinsam mit einem großen Schlussapplaus willkommen heißen:

Grüß Gott den Vertretern der Kirchen und der Religionsgemeinschaften, allen voran Erzbischof Franz Lackner, Nuntius Pedro López Quintana und den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde in Salzburg, Marko Feingold.

Als höchsten ausländischen Gast, darf ich den russischen Kulturminister Wladimir Rostislawowitsch Medinski begrüßen.

Eine herzliches Willkommen Brigitte Bierlein, der ersten Bundeskanzlerin der 2. Republik. Es freut uns besonders, dass Sie Ihre Liebe zur Kunst und Kultur durch Ihre Grußworte bei der heutigen Eröffnung manifestieren.

Und ich begrüße mit Ihnen die Bundesminister der Österreichischen Bundesregierung:
Alexander Schallenberg
Elisabeth Udolf-Strobl
Eduard Müller
Iris Rauskala
Andreas Reichardt
Brigitte Zarfl
Wolfgang Peschorn
Zusätzlich möchte ich aus der großen Schar der Bundesminister außer Dienst jene hervorheben, die in Ihrer Amtszeit für Kunst und Kultur zuständig waren:
Erhard Busek
Thomas Drozda
und Gernot Blümel

Ein Willkommen allen Mitgliedern von Nationalrat und Bundesrat sowie allen In- und Ausländischen Vertreterinnen und Vertretern der Parlamente.

Ein herzliches Grüß Gott unserem Landeshauptmann Wilfried Haslauer. Er ist nicht nur laut Gesetz, sondern was sich immer wieder zeigt, mit Herz und Hirn der ständige Vertreter des Salzburger Festspielfonds.

Grüß Gott auch allen anderen Mitgliedern der Landesregierung.

Willkommen Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf und dem Salzburger Landtag.
Sind Sie herzlich begrüßt Herr Bürgermeister Harald Preuner und alle Mitglieder der Stadtregierung und des Gemeinderats.

Besonders schätzen wir den regen Besuch von Mitgliedern des Diplomatischen und Konsularischen Corps, wurden die Festspiele doch in durchaus politischer Absicht gegründet.

Und ein herzliches Willkommen unserem bewährten EU-Kommissar Johannes Hahn, der seine Expertise und seine Diplomatie glücklicherweise auch in der kommenden EU Kommission für Europa einsetzen wird.

Ein dankbares Willkommen allen Vertretern der Sponsoren und Mäzene. Unser besonderer Dank gilt Heinrich Spängler, der in seinen 20 Jahren als Präsident den Verein der Freunde zu einer stabilen Säule der Finanzierung der Festspiele gemacht hat.

Selbstverständlich gilt unser Gruß auch allen Vertreterinnen und Vertretern der Medien, insbesondere dem ORF mit Alexander Wrabetz und Kathi Zechner an der Spitze sowie Servus TV und unserem wunderbaren exklusiven Medienpartner Jan Mojto von Unitel.
Für alle Genannten bitte ich Sie jetzt um einen herzlichen Willkommens-Applaus.

Zu gerne würde ich Ihnen jetzt unsere aufregenden Opern, unsere anregenden Theaterabende, unsere mitreißenden Konzerte näher schildern. Aber diese Zeit würde unserem Festredner fehlen.

Daher nur noch ein Gedanke zum Mythos. Dessen große Themen, Schicksal und Schuld, Sieg und Niederlage, Freundschaft und Hass, Liebe und Rache treffen über Jahrtausende hinweg auch den Nerv unserer Zeit. Es gibt dazu einen schönen Satz in der Erinnerungsforschung, den Aleida Assmann zitiert:

"Man kann sich an ein Gefühl, eine Emotion nicht erinnern, man kann sie nur wiederherstellen.
Musik, Kunst und Erzählen - diese drei zentralen Medien des Mythos wissen wie man das Gefühl, die Emotion wiederbelebt. Deswegen ist das, was auf der Bühne passiert, wirklich eine Wiederholung, eine Erneuerung der Emotion. Und diese Erneuerung kann im besten Falle auch eine Art Wiederverzauberung bedeuten."
Lassen Sie sich von unseren Künstlerinnen und Künstlern verzaubern!

Quelle: SN

Aufgerufen am 01.11.2020 um 02:12 auf https://www.sn.at/salzburger-festspiele/festspiele-rede-von-praesidentin-helga-rabl-stadler-73989847

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