Salzburger Festspiele

Gazprom- und OMV-Geld für die Salzburger Festspiele: Heftige Kritik von den Grünen

Die Energiekonzerne und das Festival unterzeichneten in St. Petersburg einen Vertrag für Projektsponsoring.

Die OMV und die russische Gazprom haben am Freitag mit den Salzburger Festspielen einen Vertrag unterschrieben. Es geht dabei um ein auf ein Projekt bezogenes Sponsoring. Aller Voraussicht nach handelte es sich um die Oper "Boris Godunow" des russischen Komponisten von Modest Mussorgski. Sie soll im kommenden Jahr in einer neuen Inszenierung in Salzburg gezeigt werden. Bestätigt wurde das von den Salzburger Festspielen am Freitag nicht. Das Programm für 2020 wird erst im November offiziell bekannt gegeben.

"Ein willkommenes Geschenk für das 100-Jahr-Jubiläum im kommenden Jahr", wird Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler in einer Aussendung zitiert. OMV-Chef Rainer Seele sprach von einem weiteren Beitrag zum kulturellen Austausch zwischen Österreich und Russland. Zugleich verwies er auf die Erfolge von Kooperationen in St. Petersburg und Wien in den vergangenen Jahren. "Ich freue mich, dass unsere Kooperation mit der OMV eine neue Dimension erreicht hat", sagte Elena Burmistrova, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Gazprom.

Die beiden Wirtschaftspartner taten sich etwa bei der Unterstützung von binationalen Ausstellungen in Österreich und Russland zusammen. 2018 wurden Meisterwerke aus der Eremitage - darunter Rembrandt, van Dyck, Tintoretto und Botticelli - zusammen mit Werken des Kunsthistorischen Museums präsentiert und nebeneinander ausgestellt.

Kritik an der Kooperation gab für dieses Sponsoring von den Grünen in Salzburg. "Das schmutzige Geld eines russischen Staatskonzern sollte nicht mit Kultur-Kooperationen reingewaschen werden", wird Simon Heilig-Hofbauer in einer Aussendung zitert. "In Zeiten der sich zuspitzenden Klimakrise ist diese Zusammenarbeit ein falsches Signal", sagte Landeshauptmann-Stellvertreter und Klimareferent Heinrich Schellhorn. Kultursponsoring sei "ein anspruchsvolles und schwieriges Unterfangen", räumt er ein. "Um die Unabhängigkeit und die Glaubwürdigkeit der künstlerischen Arbeit zu schützen muss aber die Wahl der Sponsorengelder auch ethischen Kriterien entsprechen", sagte Schellhorn am Freitag Nachmittag.

Heuer hatte Regisseur Peter Sellars die Festspiele mit einer eindringlichen und viel beachteten Rede zur Verantwortung aller beim Klimaschutz eröffnet. "Ein solcher Appell wird bei einem Finanzierungspartner wie Gazprom zur Farce", sagte der Markus Grüner-Musil, Gemeiderat der Bürgerliste in der Stadt. Führende Kulturinstitutionen wie die Festspiele trügen "auch bei der Finanzierung eine Verantwortung". Es sei aber auch die Politik in der Pflicht. "Sollten keine Sponsor-Gelder abseits zweifelhafter Konzerne mehr zu lukrieren sein, müssen wir auch über den öffentlichen Finanzierungsbeitrag reden", sagte Grüner.

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