Entscheidung birgt Risiken

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Standpunkt Michael Unverdorben

Gerade einmal fünf Tage hat es gedauert, ehe Fußballmeister Red Bull Salzburg auf der Suche nach einem neuen Trainer fündig geworden ist. Dass der Nachfolger von Marco Rose Jesse Marsch heißt, kommt nicht wahnsinnig überraschend. Er ist einer aus dem Bullenstall, war drei Jahre lang Cheftrainer bei den Red Bulls in New York und zuletzt Assistent von Ralf Rangnick in Leipzig. Er kennt die Philosophie des Red-Bull-Fußballs und die unverrückbare Konzernlinie. Insofern macht die Verpflichtung des 45-jährigen Amerikaners, dem Trainer des Jahres in der Major League Soccer 2015, sicher Sinn.

Die andere Frage ist, ob sich die Salzburger Bullen mit dieser Entscheidung einen Gefallen getan haben. Immerhin war man in den vergangenen Jahren sehr darum bemüht, auf die formale Trennung zwischen Salzburg und Leipzig hinzuweisen. Dass nun just der Leipziger Co-Trainer einen fliegenden Wechsel nach Salzburg hinlegt, passt da nicht ins Bild. Einige Bullen-Fans haben am Sonntag gegen eine Verpflichtung von Jesse Marsch protestiert. Sie fürchten eine zunehmende Degradierung innerhalb des Red-Bull-Fußballimperiums. Diese Angst wird erst dann schwinden, wenn Marsch an die außergewöhnlichen Erfolge seines Vorgängers Rose anknüpfen kann. Der Druck auf den neuen Chefcoach ist damit schon vor der ersten Trainingseinheit in Salzburg unnötig groß.

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