Bundesliga

Trainerwechsel beim LASK - Thalhammer folgt auf Ismael

Der Fußball-Bundesligist LASK hat sich von Trainer Valerien Ismael getrennt. Wie der Club am Samstag mitteilte, übernimmt Dominik Thalhammer das Amt des Trainers und des Sportdirektors. Der 49-Jährige war bereits 2007/08 als Assistent von Karl Daxbacher bei den Linzern beschäftigt. Thalhammer ist aktuell noch Teamchef von Österreichs Frauen-Nationalmannschaft.

Thalhammer kommt nach Linz SN/APA (Archiv)/HANS PUNZ
Thalhammer kommt nach Linz

Der LASK hätte die Meisterrunde mit drei Punkten Vorsprung auf Red Bull Salzburg als Spitzenreiter aufgenommen, beim effektiven Start nach der Coronavirus-Zwangspause waren die Athletiker mit drei Zählern Rückstand aber nur Zweite. Der Bundesliga-Senat hatte wegen verbotenen Mannschaftstrainings ohne Einhaltung der Abstandsregeln sechs Punkte abgezogen, später wurde die Strafe auf vier Zähler reduziert. Am Saisonende war der LASK nach mäßigen Leistungen nur Vierter.

Unstimmigkeiten innerhalb der Mannschaft sollen laut Medien ausschlaggebend für den Trainerwechsel gewesen sein. Der Club lieferte am Samstag die Bestätigung der am Freitag aufgetauchten Gerüchte über den Trainerwechsel. Vizepräsident Jürgen Werner, der den gebürtigen Franzosen mit deutschem Pass am 27. Mai 2019 als Nachfolger von Oliver Glasner präsentiert hatte, dankte Ismael "sehr herzlich für die gute und engagierte Arbeit". Es sei keine Entscheidung gegen Ismael, sondern für Thalhammer gewesen.

LASK-Präsident Siegmund Gruber erklärte, er verstehe den Frust und Ärger von Ismael, nach dieser "großartigen Saison" gehen zu müssen. "Die Entscheidung ist uns wirklich sehr schwergefallen", wurde Gruber zitiert.

Thalhammer sei schon im vergangenen Jahr der Wunschkandidat gewesen, sagte Werner. Der Oberösterreicher habe sich aber dem Frauen-Nationalteam und dem ÖFB verpflichtet gefühlt. Als heuer bei einer nochmaligen Anfrage die Chance da war, habe man gewusst, dass man rasch Nägel mit Köpfen machen müsse.

Gruber betonte, man sei mit Thalhammer stets auf einer Wellenlänge gewesen. "Das Präsidium war sich immer bewusst, dass er wohl wie kein Zweiter zum LASK, unserer Philosophie und unseren Zielen passt", betonte der Club-Chef. "Er wird uns nochmal besser machen", erklärte Werner. Thalhammer besitze einen ganz speziellen, ganzheitlichen Blick auf den Fußball.

Thalhammer war bereits 2007/08 als Assistent von Cheftrainer Karl Daxbacher beim LASK tätig. Für den 49-Jährigen ist es die zweite Station als Cheftrainer im heimischen Fußball-Oberhaus. Im September 2004 hatte er als 33-Jähriger bei Admira Wacker Bernd Krauss abgelöst, musste aber im August 2005 nach Niederlagen in den ersten sechs Spielen wieder gehen.

Nach schönen Erfolgen mit dem Frauen-Nationalteam, das er seit 2011 betreut, entschied sich Thalhammer nun für einen Wechsel. "Durch die internationalen Erfolge, die großartigen Leistungen, vor allem im Grunddurchgang, und den anstehenden Stadionbau ist der LASK für mich als Linzer eine Riesenchance, die ich nicht noch einmal ablehnen konnte", erklärte der UEFA-Pro-Lizenz-Trainer. "Ich bin von diesem Projekt absolut überzeugt und bedanke mich beim Präsidium, dass sie mir hier die volle sportliche Verantwortung übertragen."

Der Abschied vom Frauen-Nationalteam, das er in das Halbfinale der EM 2017 geführt hatte, falle ihm schwer, gab Thalhammer zu. "Ich hoffe aber, dass mir der ÖFB bei meiner Vertragsauflösung entgegenkommt, damit ich schon gegen Manchester United am 5. August auf der Bank sitzen kann." Da steht für die Schwaz-Weißen in England das Achtelfinal-Rückspiel der Europa League auf dem Programm. Das Hinspiel hatte der LASK daheim 0:5 verloren.

Der Bestellung Thalhammers war ein Verwirrspiel vorausgegangen. Zu den bereits kursierenden Gerüchten um den Abgang von Valerien Ismael hatte der Club am Freitag keine Stellungnahme zuwege gebracht. Sogar der Rücktritt von Vizepräsident Jürgen Werner, dem "Erfinder" und engen Vertrauten von Ismael, stand im Raum. Am Samstag posierten Werner und Präsident Siegmund Gruber, denen ein Zerwürfnis nachgesagt wird, einträchtig mit dem neuen Trainer.

Erstmals eine Teamchefin?

Noch unklar ist, wer Thalhammer in den Funktionen als Frauenteamchef und Leiter der ÖFB-Traineraus- und -fortbildung folgt. Heiße Kandidatin beim Frauenteam wäre seine bisherige Assistentin Irene Fuhrmann. Die einzige Frau in Besitz einer UEFA-Pro-Lizenz in Österreich hat den erfolgreichen Weg im ÖFB-Frauenbereich wesentlich mitgestaltet. Auch beim "Sommermärchen" 2017, dem sensationellen EM-Halbfinaleinzug mit den ÖFB-Frauen, war Fuhrmann an Thalhammers Seite. Sie wird aber viele Mitbewerber haben: "Das ist ein sehr begehrter Job im Fußball geworden", sagte ein Kenner der Szene den SN. Ein Blick auf die Liste der beschäftigungslosen Trainer lässt erahnen, dass es demnächst viele Anrufe bei Sportdirektor Peter Schöttel geben wird.

Von den Verbandsbossen gab es Lob, Dank und Anerkennung für den scheidenden Teamchef. "Dominik Thalhammer hat in den vergangenen Jahren Großartiges für den ÖFB und das Frauen-Nationalteam geleistet und hinterlässt dementsprechend eine große Lücke", teilte Präsident Leo Windtner per Aussendung mit. Sportdirektor Peter Schöttel kündigte an: "Wir sind jetzt dabei, die frei gewordenen Bereiche in den kommenden Wochen neu zu strukturieren und bestmöglich zu besetzen, um die nächsten Schritte für die Entwicklung des Frauenfußballs und der Trainerausbildung zu setzen."

Quelle: APA

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