Fußball

Dolmetscher: In der Sprache der Fußballer

Ausländische Spieler haben es schwer, wenn sie zu einem neuen Club kommen. Bei Red Bull Salzburg kümmern sich eigene Beauftragte um sie.

Angenommen, ein junges Fußballtalent hat Angebote von Manchester United, Bayern München und Red Bull Salzburg. Dayot Upamecano stand vor einem Jahr vor diesem Luxusproblem. Entschieden hat sich der damals 16 Jahre alte Franzose nicht für einen der ganz großen Clubs, sondern für Salzburg. "Mich hat neben den tollen Trainingsbedingungen die herzliche Atmosphäre beim Verein beeindruckt", sagt Dayot.

Dafür gesorgt hat Mustapha Mesloub. Der Dolmetscher hat Dayot zusammen mit dessen Mutter für ein paar Tage zu sich nach Hause eingeladen.

Musti hilft immer

Musti, wie ihn alle nennen, ist mehr als nur ein Übersetzer für die französisch sprechenden Spieler. Der 56-jährige frühere Nachwuchstrainer mit algerischen Wurzeln kümmert sich um sie, als wären sie seine Kinder. "Wenn sie neu hierher kommen, sind sie verloren", sagt er. "Ich lebe selbst seit 26 Jahren in Österreich. Meine Liebe zu diesem Land übertrage ich auf die Jungs."

Er begleitet sie etwa auch zu Behörden oder ins Krankenhaus. Das Gleiche machen seine Kollegen Dragan Radovanovic für die spanisch und portugiesisch sprechenden Teammitglieder und Yuki Miyazawa für die Asiaten. Spieler aus 16 verschiedenen Nationen kicken bei Red Bull Salzburg. Die Übersetzer sind beim Training oder bei der Videoanalyse immer mit dabei. Denn auch wenn sie alle Deutschunterricht erhalten, es bliebe zu viel von den Botschaften der Trainer auf der Strecke.

Dayot Upamecano sagt: "Ich bin extrem froh, dass Mustapha immer da ist. Nicht nur wegen der gemeinsamen Sprache, sondern auch menschlich." Das schätzen auch Spieler, die längst zu anderen Clubs weitergezogen sind: Sadio Mané, der beim FC Liverpool spielt, steht noch in engem Kontakt mit ihm: "Er kommt immer noch gern auf Urlaub nach Salzburg." Naby Keïta, jetzt in Leipzig, zeigt ihm seine Verbundenheit mit dem Spitznamen "Tonton" ("Onkel").

"Es ist viel Arbeit, aber es ist sehr schön", sagt Musti. Für jede Herausforderung findet er eine Lösung und hilfreiche Menschen. So auch jetzt mit Extra-Unterricht für Dayot Upamecano: Demnächst wird Dayot 18, und deshalb lernt er fleißig auf Deutsch für den Führerschein.

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