Fußball

Fußball-Bundesliga: Wie RB Leipzig die Zukunft erobert

Nach dem furiosen Start des Aufsteigers in der Bundesliga herrscht in der Stadt riesengroße Begeisterung. Gedanken an baldige internationale Auftritte werden aber noch verdrängt.

Vor drei, vier Jahren war das noch die normale Zuschauerkulisse bei einem Regionalliga-Heimspiel von RB Leipzig: 8000 Menschen strömten am Donnerstagabend in die Leipziger Red-Bull-Arena. Dabei fand gar kein Match statt. Anlass war der Glühwürmchenumzug, bei dem Kinder mit ihren Lampions das Stadion erleuchteten. Etliche Spieler und ihr Trainer Ralph Hasenhüttl waren mit dabei.

"Ich schätze solche Events sehr, weil es ohnedies in der Bundesliga schwer ist, den engen Kontakt zu den Fans aufrechtzuerhalten", sagte Hasenhüttl. Die deutsche Red-Bull-Fußballfiliale unternimmt viel, um als Verein zum Anfassen wahrgenommen zu werden - und nicht als der profitorientierte Kommerzclub, als den ihn viele Kritiker sehen. Der Plan geht auf: Im Fanshop in der Altstadt gehen Schals und Trikots weg wie warme Semmeln. Ginge es nur um die Leistungen auf dem Rasen, bräuchte es die PR-Offensive im Umfeld nicht: Leipzig hat den besten Start eines Aufsteigers in der Bundesliga-Geschichte hingelegt. Die Truppe mit den ÖFB-Teamspielern Stefan Ilsanker und Marcel Sabitzer ist nach neun Runden ungeschlagen und als Tabellenzweiter erster Verfolger des übermächtigen FC Bayern.

(Noch) keine Bayern-Jäger

Doch als "Bayern-Jäger" fühlt sich niemand in Leipzig, weder aktuell noch in naher Zukunft, wie es viele dem finanzstarken Newcomer prophezeien. Und die "Leipziger Volkszeitung" macht mit einem Rechenexempel gleich deutlich, wie groß der Unterschied ist. In der Ewigen Bundesligatabelle, in der RB gerade den VfB Leipzig überholt hat, müsste man 28 Jahre lang alle Spiele gewinnen, um die Bayern einzuholen - wenn der Rekordmeister gleichzeitig nie mehr punktet . . .

Die Tradition ist es, die RB fehlt. Das ist mittlerweile aber auch schon der einzige Makel, der den Kontrahenten noch zu den Senkrechtstartern einfällt. "Weltklasse" attestierte jüngst sogar Florian Jungwirth vom unterlegenen Gegner Darmstadt den Leipzigern für ihre Spielweise. "Man muss mal die Kirche im Dorf lassen", wehrte Marcel Sabitzer die Komplimente ab. "Es ist ja nicht so, dass wir durch die Liga marschieren."

Wie Pfadfinder, die sich in der aufregenden Glitzerwelt der Topliga wie auf Entdeckungsreise fühlen, wirkten die Spieler auf sie, merkte eine Journalistin am Freitag bei der Pressekonferenz an. Torhüter Péter Gulácsi bestätigt das: "Jedes Spiel ist ein großes Erlebnis für uns." Nüchterner erklärt Ralph Hasenhüttl den Erfolg: "Wir versuchen immer, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass es so weitergeht."

Mit dem sensationellen Lauf in der Bundesliga müssen selbst die Anhänger erst noch klarkommen. Der Marsch von der fünften in die erste Liga seit 2009 war mitunter mühsam und von manchen Enttäuschungen und Rückschlägen gekennzeichnet. Gedanken an einen möglichen Europacup-Startplatz schon im ersten Bundesliga-Jahr überfordern die Anhänger und werden eher verdrängt. Matthias Kießling, der mit seinem "Rotebrauseblog" den Club seit den Anfängen begleitet, sagt: "Es wirkt alles noch etwas unreal." RB Leipzig in der Champions League? Das sei "noch extrem weit weg".

Bemerkenswert findet Kießling, dass sich das Stadion mit seinen 44.000 Plätzen mittlerweile nicht mehr durch "Eventpublikum" fülle, wie es die Red-Bull-Kritiker sehen wollen: "Das war früher so, da wurde es während der Spiele zwischendurch oft richtig still." Jetzt gebe es durchgehend gute Stimmung in der Arena. Das könnte so bleiben, wenn Hasenhüttls Mannschaft ihr Niveau beibehält. Dann würde am Saisonende das Motto vom Mannschaftsbus der Leipziger Nachwuchsteams auf ganz neue Weise wahr werden: "Der schnellste Weg in die Zukunft".

Spezielle Beziehung zu Salzburg

Innerhalb der beiden Filialen des Fußballkonzerns in Salzburg und Leipzig wechselten bereits mehr als 20 Spieler hin und her. Ralf Rangnick fungierte zwei Jahre lang zugleich als Sportdirektor beider Clubs. Trotz der vielen Gemeinsamkeiten streben beide Standorte danach, sich als unabhängig voneinander zu präsentieren. Dies ist Voraussetzung dafür, sowohl mit Red Bull Salzburg als auch mit RB Leipzig in Europacupbewerben spielen zu können.

Start in der 5. Liga

Durch die Übernahme des fünftklassigen SSV Markranstädt stieg Red Bull 2009 in den deutschen Fußball ein. Wegen der strengen DFB-Auflagen bezüglich Sponsornamen in der Vereinsbezeichnung firmiert der Club als "RasenBallsport Leipzig e. V.", kurz RB.

So verlief der Aufstieg von RB Leipzig:


Saison Liga Platz Tore Punkte
2009/10* Oberliga Nordost 1 74:17 80
2010/11 Regionalliga Nordost 4 57:29 64
2011/12 Regionalliga Nordost 3 71:30 73
2012/13* Regionalliga Nordost 1 65:22 72
2013/14* 3. Liga 2 65:34 79
2014/15 2. Liga 5 39:31 50
2015/16* 2. Liga 2 54:32 67

*Aufstieg

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