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Manchester United feuert Trainer José Mourinho - kommt Zinedine Zidane?

Der englische Fußball-Rekordmeister Manchester United hat sich von Trainer José Mourinho getrennt. Das gab der Club am Dienstag auf seiner Webseite bekannt.

Ein Interimstrainer werde das Amt zunächst bis Saisonende übernehmen, bis dahin suche der Club eine dauerhafte Lösung, hieß es. Manchester United hatte am Sonntag mit 1:3 (1:1) gegen Tabellenführer FC Liverpool verloren und hat als Sechster der Premier League derzeit 19 Punkte Rückstand auf die Spitze.

Die Mitteilung des Vereins fiel kurz und knapp aus. "Der Club bedankt sich bei José für seine Arbeit in der Zeit bei Manchester United und wünscht ihm Erfolg für die Zukunft."

Dass Mourinho mit den Red Devils den Ligapokal und die Europa League - aus Sicht vieler United-Fans nur Trostpreise - gewonnen hatte, wurde angesichts der desaströsen Bilanz in dieser Saison gar nicht mehr erwähnt. Manchester United hat elf Punkte Rückstand auf einen wichtigen Champions-League-Platz.

Wortgefecht nach Pleite in Liverpool

Starcoach José Mourinho hatte nach diesem Spiel einmal mehr die Fassung verloren, in dem er auf kritische Fragen eines TV-Reporters sehr gereizt antwortete. "Nennen Sie die Spieler etwa unehrlich?!", erwiderte Mourinho auf die Frage, ob er noch die volle Unterstützung seines Teams habe und die Spieler für ihn spielen würden. "Ich glaube, dass sie ehrlich sind", sagte Mourinho empört. "Sie glauben, dass sie unehrlich sind."

Das wollte der Reporter nicht auf sich sitzen lassen. "Es gibt da einen feinen Unterschied", sagte er. "Ich stelle Ihnen die ehrliche Frage, ob Sie glauben, dass die Spieler 100 Prozent für Sie geben."

Mourinho sah jedoch keinen Unterschied. "Ein Fußballer muss jeden Tag alles geben (...), ganz egal, wer der Trainer ist", sagte er. "Es geht um Respekt für den Verein und Respekt für die Fans. Wenn er nicht sein Bestes gibt, ist das unehrlich." Das sei aber nicht der Fall, stellte Mourinho klar. "Die Spieler, die heute auf dem Platz waren, haben ihr Bestes gegeben. Liverpool war das bessere Team."

Schlechtester Start seit 26 Jahren

Auch auf die Frage, ob er nach dem schlechtesten Saisonstart seit 26 Jahren und 19 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Liverpool noch etwas reparieren könne, reagierte Mourinho verärgert. "Was meinen Sie mit reparieren? Indem ich den Titel gewinne?", sagte er. "Natürlich nicht. Das kann ich natürlich nicht reparieren." Ziel sei es, am Ende der Saison unter den ersten Vier zu landen. Bei elf Punkten Rückstand musste Mourinho aber einräumen: "Das wird nicht leicht."

Nur sieben Mal ging der Rekordmeister als Sieger vom Platz - bei fünf Unentschieden und fünf Niederlagen. Die Abwehr ist anfällig. Man United kassierte mehr Gegentore (29) als der Tabellenvorletzte Huddersfield Town (28). Nach dem 1:3 gegen Liverpool attestierte der Sender BBC einen "kreativen Bankrott".

Kommt nun Zindedine Zidane?

Mit Mourinho ist nach David Moyes und Louis van Gaal auch der dritte Nachfolger am viel zu großen Erbe von Teammanager-Ikone Sir Alex Ferguson gescheitert. Als neuester Wunschkandidat galt zuletzt Zinedine Zidane, der seit seinem dritten Champions-League-Sieg mit Real Madrid Ende Mai vereinslos ist.

Auf der Insel fällt nun aber auch ein anderer Name: Mauricio Pochettino (46), der argentinische Coach von Tottenham Hotspur. Als Interimscoach war zunächst Ex-United-Profi Michael Carrick im Gespräch. Bis Saisonende übernimmt aber Ole Gunnar Solskjaer, ebenfalls Ex-United-Spieler, das Team.

Nicht alles war schlecht unter Mourinho

Bei seiner Ankunft im Sommer 2016 hoffte United, Mourinho, der sich einmal als "The Special One" bezeichnete, würde den Club zu alter Größte zurückführen. Mit Porto (2004) und Inter Mailand (2010) hatte er die Champions League gewonnen, war mit Chelsea dreifacher (2005, 2006, 2015) und mit Real Madrid einmal (2012) Meister geworden. Doch im ersten Jahr unter Mourinhos Führung kam United in der Premier League nur auf Platz sechs, rettete die Saison jedoch halbwegs mit dem Sieg in der Europa League. In der vergangenen Saison schaffte man es zwar auf Platz zwei, allerdings mit 19 Punkten Respektsabstand zu Meister Manchester City.

Mourinhos Bilanz ist freilich nicht niederschmetternd. Was die Siegesquote betrifft, ist er fast auf Augenhöhe mit Ferguson. Dieser hatte 59 Prozent seiner Spiele mit Manchester United gewonnen, Mourinho kam auf eine Quote von 58 Prozent. Damit ist der Portugiese klar besser als seine Vorgänger David Moyes und Louis Van Gaal oder der legendäre Matt Busby, die je 52 Prozent verzeichneten.

Jose Mourinho und sein teurer Stareinkauf Paul Pogba – Dauerstreit und Demütigungen. SN/AP
Jose Mourinho und sein teurer Stareinkauf Paul Pogba – Dauerstreit und Demütigungen.

Dauerstreit mit Paul Pogba

Letztlich wurden Mourinho neben der aktuell schwierigen sportlichen Situation auch weiche Faktoren zum Verhängnis. Das teure Team praktizierte unter ihm einen wenig spektakulären Stil. Das verwöhnte Publikum im Old Trafford goutierte die teilweise erschreckend ideenlosen Darbietungen schon lange nicht mehr.

Zudem legte sich Mourinho wiederholt mit Paul Pogba an. Der Weltmeister aus Frankreich enttäuschte seit dem Transfer von Juventus Turin im Sommer vor zwei Jahren wiederholt und wurde von Mourinho oft auch öffentlich kritisiert oder sogar bloßgestellt. Deshalb kokettierte Pogba seit Monaten mit einem baldigen Abgang aus Manchester - wirtschaftlich eine schlechte Entwicklung für den Club, der für den Spieler die damalige Rekordsumme von rund 105 Millionen Euro nach Italien überwiesen hatte.

Quelle: Dpa

Aufgerufen am 24.11.2020 um 10:52 auf https://www.sn.at/sport/fussball/international/manchester-united-feuert-trainer-jose-mourinho-kommt-zinedine-zidane-62713300

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