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Salzburg besiegt Leipzig im Red-Bull-Duell mit 3:2

Was für ein verrücktes Stallduell: Marco Roses Team führte zur Halbzeit mit 2:0, aber Leipzig gelang die Wende. Zwei Minuten vor Schluss traf Gulbrandsen zum 3:2.

Die Salzburger nützten die Unsicherheiten der Leipziger Abwehr eiskalt aus: Munas Dabbur (20.) und Amadou Haidara (22.) sorgen mit einem Doppelschlag früh für die 2:0-Führung. Von den Hausherren war lange kaum etwas zu sehen, ehe Konrad Laimer (70.) und Yussuf Poulsen (82.) noch auf 2:2 stellten. Dann aber kam Fredrik Gulbrandsen und nützte einen schweren Abwehrfehler zum 3:2 in der 89. Minute.

Viele herzliche Umarmungen gab es vor dem Anpfiff zwischen Spielern beider Teams. Gar nicht freundschaftlich gesonnen waren die rund 500 Salzburg-Anhänger, die schon beim Fanmarsch in der Innenstadt mit deftigen Worten ihre Abneigung gegen Leipzig-Trainer und-Sportchef Ralf Rangnick kundtaten.

Der Ärger war spätestens nach 20 Spielminuten vergessen. Dazu trugen ausgerechnet einige jener Ex-Salzburger im Leipzig-Dress bei, deren Wechsel Anlass für den oben erwähnten Unmut war. Stefan Ilsanker bediente Munas Dabbur mit einem Heber in den Strafraum ideal. Der Stürmer scheiterte erst an Torhüter Yvon Mvogo, setzte den Abpraller aber per Kopf zum 1:0 ins Tor (20.). Noch hatten sich die Leipziger nicht von diesem Schock erholt, da rollte schon die nächste Angriffswelle auf die völlig überforderte Abwehr der Gastgeber zu. Hannes Wolf, Andreas Ulmer und Amadou Haidara konnten die Aktion wie in einem Trainingsmatch fertigspielen. Haidara, der mögliche künftige Leipziger, schloss zum 2:0 ab (22.).

Dosenöffner: Munas Dabbur erzielt das 1:0 für Salzburg.  SN/krugfoto/Huebner Jan
Dosenöffner: Munas Dabbur erzielt das 1:0 für Salzburg.
Doppelschlag: Amadou Haidara erzielt das 2:0, die Vorarbeit kam von Andreas Ulmer (l.).  SN/dpa-Zentralbild/Hendrik Schmidt
Doppelschlag: Amadou Haidara erzielt das 2:0, die Vorarbeit kam von Andreas Ulmer (l.).
Und rein damit: Fredrik Gulbrandsen mit dem späten Siegestor zum 3:2 für Salzburg.  SN/APA/AFP/ROBERT MICHAEL
Und rein damit: Fredrik Gulbrandsen mit dem späten Siegestor zum 3:2 für Salzburg.

Leipzig völlig von der Rolle

Ralf Rangnicks Team präsentierte sich völlig von der Rolle. Nur zwei mäßig gefährliche Schüsse von Konrad Laimer und Kevin Kampl aufs Tor von Alexander Walke waren zu verzeichnen. Haarsträubende Abspielfehler ermöglichten den Salzburgern immer wieder Chancen. Wenn die beiden Innenverteidiger Dayot Upamecano und Ibrahim Konaté am Ball waren, begann jedes Mal das große Zittern bei den Leipzig-Fans. Torhüter Mvogo war kaum in der Lage, verwertbare Bälle an seine Mitspieler zu bringen.

Ralf Rangnick reagierte, wechselte in seiner mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Pause verabschiedeten Mannschaft gleich drei Mal und richtete sein Team deutlich offensiver aus. Der Effekt war gleich Null. Im Gegenteil, Salzburg verteidigte konzentrierte, attackierte vorne früh und hatte die besseren Chancen. Dabbur hatte nach einem Traumpass von Wolf in die Tiefe das 3:0 auf dem Fuß, traf aber nur die Stange (55.).

Laimer mit dem Anschlusstor

Einer der wenigen Leipziger, die sich gegen die drohende Blamage stemmten, war Konrad Laimer. Der Aberseer wurde für sein beharrliches Anrennen belohnt, in der 70. Minute luchste er Ulmer den Ball an der Strafraumgrenze ab und verkürzte auf 1:2.

Nun war so richtig Feuer in der Partie. Und bei den Salzburgern schwanden die Kräfte. Einen Weitschuss von Matheus Cunha konnte Walke noch parieren (80.), aber zwei Minuten später war er geschlagen. Kampl hatte viel Platz zum Flanken, Yussuf Poulsen köpfelte zum Ausgleich ein.

Nur ein Punkt nach so starker Leistung? Der überragende Hannes Wolf und Joker Fredrik Gulbrandsen hatten etwas dagegen. In der 89. Minute nützte Wolf einen weiteren katastrophalen Abwehrfehler, spielte auf den freistehenden Norweger, und der machte mit einem Schuss ins rechte Eck alles klar. Nun ist alles angerichtet für zwei tolle Fußballfeste daheim gegen Celtic Glasgow (4. Oktober) und Trondheim (25. Oktober).

Stimmen nach dem Spiel

Marco Rose (Salzburg-Trainer): "Wir haben hoch gepresst und Fehler erzwungen. Wir haben beim 1:0 einen kurzen Weg zum Tor gehabt. Auch das 2:0 haben wir sehr gut ausgespielt. Wir wussten, dass Leipzig vorwärts verteidigt und wir Möglichkeiten haben, hinter ihre letzte Linie zu kommen. Ich glaube, wir haben uns gegenseitig nicht überrascht. Es war ein Kampf um Pressingräume. Wir wollten es heute versuchen, intensiver zu machen als sie und das haben die Jungs gut umgesetzt. Wir machen es dann noch mal spannend, das passiert. Unter dem Strich ist das mit dem Sieg ein toller Lerneffekt für uns. Wir haben uns vorgenommen eine andere Körpersprache zu zeigen, wenn Rückschläge kommen. Die Jungs dürfen das genießen, weil es ein besonderer Sieg für uns ist."

Fredrik Gulbrandsen (Siegtorschütze): "Ich bin sprachlos. Es ist ein wirklich guter Start. Wenn man ein 2:0 verspielt, ist es umso schöner, noch das dritte Tor zu schießen. Als ich reinkam, habe ich einfach versucht, meine Geschwindigkeit auszuspielen. Hannes (Wolf) hat mich wie schon am Wochenende gesehen. Ich bin froh, dass es wieder funktioniert hat."

Hannes Wolf (Salzburg): "Es ist überragend. Wir haben alles richtig gemacht und sind 2:0 in Führung gegangen. Nach dem 1:2 sind wir ein bisschen aus dem Tritt gekommen. Nach dem 2:2 haben wir wieder gespielt wie erste Hälfte. Ich denke, wir gehen verdient als Sieger vom Platz. Ich denke, das macht uns aus. Das war eine harte Zeit für uns (Anm. Aus im Champions-League-Play-off). Es gibt niemanden, der heute nicht am Maximum war, aber das braucht es auch um bei Leipzig zu bestehen."

Ralf Rangnick (Trainer Leipzig): "Die erste Halbzeit war ein Totalausfall bei uns. Manche haben nicht verstanden, was da an Wucht aus Salzburg auf uns zukommt. Wir können uns nur bei den Zuschauern entschuldigen für unsere Leistung."

Konrad Laimer (Leipzig): "Wir haben die ersten 45 Minuten komplett verschlafen, das war fast schon ein Skandal. Wir haben keine Lösungen nach vorne gehabt und keine fünf Pässe hintereinander zusammen gebracht. Wir sind in der zweiten Hälfte besser raus gekommen. Wir haben mit allem, was wir hatten, versucht zurückgekommen. Dann bekommen wir ein blödes 2:3, das unter dem Strich aber verdient war. Es bringt mir nichts, wenn ich treffe und wir verlieren. Wir haben gewusst, dass sie sehr motiviert sind. Das hat man bei uns nicht so gesehen wie bei Salzburg."

Das Match zum Nachlesen im Liveticker:

Aufgerufen am 07.12.2021 um 11:12 auf https://www.sn.at/sport/fussball/international/salzburg-besiegt-leipzig-im-red-bull-duell-mit-32-40275334

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