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Van Lierop: "Ich zweifle nicht an meiner Philosophie"

Percy van Lierop prägte die Nachwuchsarbeit bei Red Bull Salzburg viele Jahre lang, ehe er nach der Abkehr von der niederländischen Fußballschule 2012 gehen musste. Er ist nach wie vor überzeugt von seinem Weg.

Percy van Lierop. SN/
Percy van Lierop.

Vor wenigen Tagen weilte der nunmehrige sportliche Koordinator der Nachwuchsabteilung von Ajax Amsterdam bei einer Trainertagung in Salzburg. Im Gespräch mit den Salzburger Nachrichten erklärt er, warum er einst gehen musste und dass durchaus die Basis für eine Zusammenarbeit mit dem Rangnick-Team möglich gewesen wäre.

Herr van Lierop, Sie waren gerade als Vortragender bei einer Trainerschulung des ÖFB, bei der auch Vertreter von Red Bull Salzburg dabei waren. Wie sieht eine Begegnung zwischen Ihnen und einem Red-Bull-Trainer aus? Van Lierop: In vielem sind wir uns einig. Es geht vor allem um die Frage: Will man mit einer bestimmten Spielweise kurzfristig etwas gewinnen? Oder will man, so wie wir das damals getan haben, Spieler entwickeln, die den Unterschied auf hohem Niveau ausmachen können? Wenn man diese beiden Dinge verbinden kann, ist es natürlich ideal. Als ich bei Red Bull Salzburg gearbeitet habe, war das Ziel, "Sebastian Vettels des Fußballs" zu entwickeln. Dietrich Mateschitz wollte Fußballer, die den Wert der Marke Red Bull verkörpern. Er hat gemeint, ein FC Barcelona hat das Marketing schon auf dem Platz stehen. Es gehe darum, die Identität des Konzerns darzustellen. Heute machen wir das bei Ajax. Es ist ein Prozess, den wir in der Jugend durchführen.

Die Niederlande fehlen bei großen Turnieren, in der Klubrangliste sind sie hinter Österreich zurückgefallen. Ist die niederländische Fußballschule überholt? Van Lierop: Die niederländische Fußballschule ist nicht automatisch das gleiche, was wir bei Ajax mit der Entwicklung von Spielern machen, es ist etwas Spezielles in Amsterdam.

Und gleichzeitig ist es schwieriger geworden, denn uns geht es heute sehr gut in Westeuropa. Es gibt nicht mehr den Straßenfußball. Die Technik und auch die Härte und Durchsetzungsfähigkeit, die man dort früher gelernt hat, das müssen wir nun in die Ausbildung integrieren. Und der internationale Fußball hat sich massiv verändert. Ein kleines Land wie Holland ist unter Druck. Aber auch bei uns werden nach wie vor immer wieder Spieler um hohe Ablösesummen verkauft. Spielern wie De Ligt oder De Jong sind speziell und habe einen sehr hohen Marktwert.

Mit unseren Ajax-Nachwuchsmannschaften haben wir von 42 internationalen Turnieren mit Topgegnern 34 gewonnen, waren vier Mal im Finale und vier Mal unter den Top Vier. Das zeigt, dass die Philosophie immer noch stimmt. Nur die Champions League werden wir nicht leicht gewinnen. Spieler entwickeln, welche bei Ajax ausgebildet sind und später bei anderen Internationale Topklubs die Champions Leaque gewinnen, muss möglich sein. Wann sie auch da den Unterschied machen, ist das oberste Ziel erreicht.

Wie sehen es die Niederländer, dass sie von Österreich in der UEFA-Clubrangliste überholt worden sind? Van Lierop: Bei allem Respekt vor Österreich, unser Anspruch ist ein anderer. Der Verband hat deshalb vieles umgestellt. Was wir früher gemacht haben, war in vielen Bereichen gut. Aber wir haben auch neues integriert. In fünf bis zehn Jahren soll sich das auswirken. Ich verfolge den österreichischen Fußball sehr genau, nicht nur Red Bull Salzburg. Auch den anderen Clubs muss klar sein: Es geht nicht ums Finanzielle, sondern um die Menschen, um die handelnden Personen. Es ist schade, dass sehr fähige frühere Mitarbeiter von mir heute nicht im großen Fußball in Österreich arbeiten. Leuten wie Michael Steiner oder Moh Sahli müssten die Türen weit offen stehen. Auch in Österreich kann es gelingen, Spieler zu entwickeln, die den Unterschied ausmachen. Das zeigt das Beispiel David Alaba.

War es nicht hart für Sie, als Sie 2012 nach dem Einstieg von Ralf Rangnick gehen mussten und zugleich Ihre Philosophie über Bord geworfen wurde? Van Lierop: Ich respektiere alle Sichtweisen. Mit Ralf Rangnick habe ich besprochen, wie wir zusammenarbeiten und Spieler entwickeln könnten. In meinen Gedanken soll es in einer Nachwuchsabteilung um ein Ausbildungskonzept gehen, um Spieler zu entwickeln und nicht nur um eine Spielweise. Spielweise ist dort ein Mittel und nicht das Ziel. Dazu musst du aber immer Leute einkaufen.

Wir haben uns letztlich nicht gefunden. Schade, aber so ist das Leben. Aber ich zweifle nicht an meiner Philosophie. Ich integriere meine Erfahrungen und meine Sichtweise in das Ajax-Konzept, wo tolle Leute wie Marc Overmars oder Edwin van der Sar den jungen Leuten vermitteln, wie es ganz oben im Fußball zugeht. Ich liebe Österreich immer noch, ich habe nicht umsonst immer noch ein Haus in Österreich.

Hat die weitere Entwicklung nicht bestätigt, dass der Schritt von 2012 für Red Bull Salzburg richtig war? Ich will nicht wetteifern oder eine Wertung zwischen falsch oder richtig vornehmen. Aber ehrlich gesagt sehe ich keine weitere Entwicklung, was den Nachwuchs betrifft. Das war auch beim Next-Generation-Turnier sichtbar, und da gibt es mehrere Beispiele. Der Output der Nachwuchsarbeit ist immer erst in einigen Jahren daran sichtbar, wer dann oben ankommt. Ich möchte aber positiv sein und schauen, was in den kommenden Jahren passiert. Ich denke, wir haben damals schon in allen Jahrgängen die Basis gelegt, wo Spieler wie unter anderen Martin Hinteregger, Ante Coric, Valentino Lazaro, Xaver Schlager oder Conny Laimer herausgekommen sind.


Quelle: SN

Aufgerufen am 23.10.2018 um 09:08 auf https://www.sn.at/sport/fussball/international/van-lierop-ich-zweifle-nicht-an-meiner-philosophie-39098314

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