Fußball

Marco Rose: "Wir haben eine spezielle Rolle"

Warum für Salzburgs Cheftrainer Marco Rose Platz zwei in der Bundesliga "keine schöne Sache" wäre und man seine Mannschaft "durchaus mögen kann", erzählt der 41-Jährige im Interview.

Marco Rose bei der Arbeit im Trainingslager in Spanien. SN/GEPA pictures
Marco Rose bei der Arbeit im Trainingslager in Spanien.

Vor dem zweiten Testspiel im Trainingslager am Samstag (16 Uhr, Livestream auf www.redbullsalzburg.com) gegen den überlegenen tschechischen Tabellenführer Viktoria Pilsen stand Marco Rose den SN in Spanien Rede und Antwort. Und der Trainer von Fußballmeister Red Bull Salzburg schlug dabei auch kritische Töne an.

Sind Sie mit dem Trainingslager bis hierher zufrieden? Marco Rose: Ich finde, dass die Tage sehr schnell vergangenen sind. Das ist immer ein gutes Zeichen. Wir arbeiten sehr konzentriert, haben viele gute Einheiten gemacht und uns schwerpunktmäßig um Defensivthemen gekümmert. Das erste Testspiel (0:2 gegen Young Boys Bern) war eine gute Standortbestimmung. Man hat gemerkt, dass die Jungs müde sind, aber auch, dass die Automatismen noch fehlen.

Die Defensive war in der Herbstsaison das Prunkstück Ihres Teams. Salzburg hat die mit Abstand wenigsten Gegentore kassiert (14). Woran gilt es da noch zu arbeiten Man kann sich im Detail immer verbessern. Wenn man ein paar Wochen Pause hatte, wird man vielleicht auch nachlässig. Wir machen das, um das Bewusstsein wieder zu schärfen, gut organisiert zu sein, intensiv zu verteidigen. Das wird ein sehr wichtiger Faktor im Frühjahr, denn im Fußball gilt die Prämisse: Meisterschaften gewinnt man über die Defensive.

Aktuell ist Salzburg Tabellenzweiter, liegt einen Punkt hinter Sturm Graz. Wie dramatisch wäre es, wenn man am Ende nicht Meister wird Dann hätten wir ein Ziel verpasst. Wir wollen Meister werden, da brauchen wir nicht herum zu reden. Platz zwei wäre unangenehm, keine schöne Sache, aber ich mag hier eigentlich nicht über verpasste Ziele reden. Wir sind ja im Trainingslager, um daran zu arbeiten, dass wir es schaffen.

Um wie viel höher ist die Intensität im Trainingslager als in einer normalen Trainingswoche in Salzburg Doch um einiges höher. Einerseits haben wir mehr Trainingseinheiten, nämlich täglich zwei, und da waren schon einige richtig knackige Einheiten dabei. Andererseits summiert sich ein höherer Umfang irgendwann auch in Müdigkeit. Da muss man in der Trainingssteuerung aufpassen, weil wir die Jungs natürlich nicht in den Keller trainieren dürfen.

Einen freien Abend haben die Spieler zu einem Lokalbesuch in der Stadt genützt. Gehört es für Sie dazu, die Zügel auch einmal schleifen zu lassen Es ist wichtig, dass man den Kopf zwischendurch freibekommt. Auch Fußballprofis sind normale Menschen (lächelt). Jeder kennt das doch: Wenn man hart arbeitet, muss man auch einmal Dinge geschehen lassen, die dem Team gut tun. Sich außerhalb des Fußballplatzes zu treffen und über andere Themen als Fußball zu reden, gehört für mich dazu.

Sie haben insgesamt 27 Profis hier im Trainingslager, aber zum Saisonstart am 3. Februar gegen die Admira nur elf Plätze zu vergeben. Wie gelingt es Ihnen, alle Spieler bei Laune zu halten? Die Wahrheit ist ja, dass wir den Kader in der Winterpause sogar verkleinert haben. Wenn man die drei Torhüter sowie die Spieler vom FC Liefering wegrechnet, weil sie nach dem Trainingslager zu ihrem Verein zurückkehren, haben wir eigentlich nur mehr 21 Feldspieler. Und das ist für einen Verein, die in drei Bewerben vertreten ist (Bundesliga, Europa League, ÖFB-Cup, Anmerk.) ein normaler Kader. Klar ist es nicht leicht, einen dieser elf Plätze zu bekommen. Für Red Bull Salzburg zu spielen, ist etwas Spezielles. Aber wir geben allen Jungs die Möglichkeit, sich aufzudrängen.

Im Sechzehntelfinale der Europa League trifft Salzburg Mitte Februar auf Real Sociedad. Ist für Sie alles, was in diesem Bewerb noch kommt, eine reine Zugabe Nein, ganz und gar nicht. Ich spüre bei den Jungs, dass sie richtig Lust darauf haben, diese Hürde zu nehmen. Sie sehen für Red Bull Salzburg und sich selbst Möglichkeiten. Dementsprechend selbstbewusst wollen wir auftreten und werden uns im Vorfeld auch nicht als Außenseiter darstellen.

Welche Möglichkeiten sehen Sie für sich selbst? Welche Ziele verfolgen Sie als Trainer? Ganz ehrlich: Ich mach mir darüber wenig Gedanken, weil ich in meiner aktuellen Aufgabe als Trainer des FC Red Bull Salzburg voll aufgehe. Ich konzentriere mich auf meine Kernaufgabe, obwohl ich natürlich weiß, dass in dem Geschäft, auf diesem Niveau und bei einem Verein mit unseren Ansprüchen alles schnell in eine andere Richtung gehen kann.

Hatten Sie damals als Spieler einen Karriereplan Nein, ich war aber damals auch schon sehr ehrgeizig. Vielleicht hätte es mir als Spieler gut getan, wenn ich noch ein bisschen ambitionierter gewesen wäre, noch fordernder mir selbst gegenüber. Aber immerhin habe ich in Deutschland in der Bundesliga gespielt, das ist doch schon ganz ordentlich. In jedem Fall war ich als Spieler jähzorniger als heute im Trainergeschäft.

Was könnte Sie jetzt noch zum Explodieren bringen? Bei Ungerechtigkeiten bin ich empfindlich. Wobei: Der Fehlpfiff in der Champions-League-Quali gegen Rijeka war auch ungerecht und ich habe die Fassung behalten. Wenn Einzelspieler zu hart rangenommen werden und die Kritik überzogen ist, dann greife ich schon mit einer gewissen Vehemenz ein.

Stichwort Kritik: Ist die öffentlich oft sehr kritische Betrachtung des Vereins für Sie nachvollziehbar? Wir haben schon eine spezielle Rolle. Unser Vereinsgeschichte, das ganze Drumherum polarisiert. Fakt ist auch, das in der Vergangenheit der eine oder andere Fehler gemacht wurde, so ehrlich muss man sein. Aber auch andere Vereine machen Fehler, in Österreich, in Deutschland, überall. Inzwischen tun wir viel dafür, um an unserem Image zu arbeiten. Ich glaube außerdem, dass wir einiges für den österreichischen Fußball getan haben und Dinge vorleben, die sich andere Vereine wünschen würden: die professionellen Strukturen zum Beispiel, die klare Spielphilosophie, die Topausbildung.

Vom Publikum wird das nicht immer so wahrgenommen Die Leute, die ins Stadion kommen, sehen das glaube ich so wie ich. Beim Thema Zuschauer habe ich mittlerweile das Gefühl, dass wir nicht sehr viel mehr tun können als wir ohnehin schon tun. Die Mannschaft war extrem erfolgreich in den vergangenen Jahren, sie ist sympathisch und bodenständig. Wenn man uns kennenlernen möchte ist das durchaus ein Team, das man mögen kann.

Zur Person
Marco Rose, 41, spielte im Profifußball für Hannover 96 und Mainz 05. 2013 wurde er Nachwuchstrainer bei Red Bull Salzburg. Im April 2017 gewann Rose die UEFA Youth League, zwei Monate später wurde er zum Cheftrainer in Salzburg befördert und folgte damit auf Meistermacher Oscar Garcia.

Aufgerufen am 17.11.2018 um 02:05 auf https://www.sn.at/sport/fussball/marco-rose-wir-haben-eine-spezielle-rolle-23154166

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