Fußball

Stöger: "Die Austria wird immer mein Herzensverein sein"

Vor einem Jahr musste Austria-Sportchef Gerhard Stöger seinen Hut nehmen. Im SN-Interview spricht er über Anfeindungen und verrät, ob er sich ein Comeback vorstellen könnte.

 SN/gepa

Mit heftigen Vorwürfen endete Ende 2015 die Ära von Gerhard Stöger beim damaligen Fußball-Erstligisten Austria Salzburg. Seitdem hat er sich in der Öffentlichkeit nicht geäußert. Im Interview mit den "Salzburger Nachrichten" bricht er sein Schweigen.

Wie geht es Ihnen ein Jahr nach dem Aus bei der Austria?
Stöger: Ich bin leider auf Jobsuche, im sportlichen und im privatwirtschaftlichen Bereich. Das Aus bei der Austria ist natürlich nicht spurlos an mir vorübergegangen.

Wir sitzen hier im Kuglhof mit Blick aufs Austria-Stadion. Wie geht es Ihnen dabei?
Es ist schon sehr emotional. Ich fahre öfters am Stadion vorbei. Man sieht die Flutlichtmasten, den Kunstrasen und den Kameraturm. Da hängen schon viele Emotionen dran. Da muss ich mich dann schon zusammenreißen, dass ich auf den Straßen verkehr schaue und nicht auf die Austria-Anlage. Es holt einen natürlich auch immer wieder das Negative ein, aber für mich bleibt das Positive hängen.

Nach Ihrem Abgang wurden Sie und Ex-Obmann Walter Windischbauer von einigen Fans angefeindet. Was sagen Sie dazu?
Nach neuneinhalb Jahren bei der Austria war es schon heftig. Das wünsche ich natürlich niemandem. Vor allem, wenn einzelne Fans, die in der Kurve noch gegen dich gesungen haben, dann herkommen und sagen: "War nicht so gemeint!" Das hat mich sehr getroffen. Da sind schon viele Dinge hinter meinem Rücken gelaufen. Nur bin ich halt niemand, der über die Medien nachtritt. Es ist mir immer um den Verein gegangen und nie um meine Person.

Sind die Fans Fluch oder Segen für die Austria?
Fluch ist für mich zu hart ausgedrückt und pauschalisieren will ich auch nicht. Ich habe in meiner Zeit bei der Austria sehr viele sensationelle Leute kennengelernt, die sehr viel für den Verein gemacht haben. Aber es gibt natürlich auch immer wieder Personen, die der Austria schaden. Da sehe ich aber nicht nur den finanziellen Schaden, sondern auch das Image, das wegen gewisser Aktionen in Mitleidenschaft gezogen wird.

Warum ist die Austria Ihrer Meinung nach in den Konkurs geschlittert?
Wegen der Infrastruktur und dass wir in gewissen Bereichen personell unterbesetzt waren und zu wenig Qualität hatten.

Ein Mitgrund für die finanzielle Schieflage waren die Krawalle beim Cup-Spiel gegen Sturm Graz 2014, durch die die Alternative Vöcklabruck wegfiel. Wahre Worte. Ob das Sanierungsverfahren nicht gekommen wäre, kann ich aber auch nicht sagen. Fix ist, dass du eine eigene Heimstätte brauchst, und das haben wir nicht hinbekommen.

Hätte man überhaupt um jeden Preis aufsteigen sollen?
Ich habe im Februar 2015 dem Vorstand die Frage gestellt, ob wir so weit sind. Da ist ein klares Ja gekommen. Im Nachhinein war es vielleicht ein Jahr zu früh. Wir haben auch darauf gesetzt, die Risikospiele in Grödig oder Wals-Siezenheim spielen zu können.

Wie ist jetzt Ihr Kontakt zum Verein?
Ich bin mit einigen Personen im losen Kontakt. Zum Beispiel mit Didi Emich, den ich schon vor einigen Jahren als Trainer zum Verein geholt habe. In der jetzigen Situation ist Emich der beste Mann für die Austria und die erste Hälfte der Herbstsaison ist überraschend sehr gut gelaufen.

Einige Fans würden Sie gern wieder bei der Austria sehen. Ist ein Stöger-Comeback realistisch?
Die Austria wird immer mein Herzensverein sein. Ich bin jetzt über 50 Jahre alt und war insgesamt 20 Jahre bei der alten und neuen Austria in einer Funktion tätig. Der Abgang hat aber natürlich sehr wehgetan. Aber sag niemals nie. Es müssten aber das Umfeld, das Team und das Image verbessert werden.

Was müsste geschehen, dass sich die Austria wieder nach oben orientieren kann?
Man braucht wieder ein, zwei Galionsfiguren. Otto Konrad könnte ich mir sehr gut vorstellen. Ich wollte ihn nach dem Abgang von Walter Windischbauer schon mit ins Boot holen, leider hat es damals nicht geklappt. Ich hoffe, dass er bald Farbe bekennt.

Kann in Salzburg neben Red Bull überhaupt ein zweiter Profiverein bestehen?
Grundsätzlich sag ich Ja, weil einem Red Bull Salzburg keine Sponsoren wegnimmt. Man muss als Verein einfach gute Leute im Marketing haben. Das hatten wir leider nicht. Dafür bekamen wir die Rechnung präsentiert.

Aufgerufen am 25.09.2018 um 09:08 auf https://www.sn.at/sport/fussball/stoeger-die-austria-wird-immer-mein-herzensverein-sein-496756

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