Hirscher steht in einer guten Tradition

Was haben Girardelli, Maier und Hirscher gemeinsam? Serienweise Gesamtsiege im Weltcup und eine Karriere abseits des ÖSV.

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Sport | Fußball, Eishockey, Skifahren und Co. Michael Smejkal

Ende gut, alles gut: Seit Samstagnachmittag ist die Welt des Österreichischen Ski-Verbandes wieder heil und all die Kritik, die in den vergangenen Monaten mitunter recht heftig auf den ÖSV eingetrommelt ist, muss fortan unter einem anderen Licht gesehen werden. Marcel Hirscher ist Gesamt-Weltcupsieger, als erster Skiläufer in der 50-jährigen Historie dieser Rennserie zum fünften Mal hintereinander.

Hirschers Erfolgsgeschichte ist eine, die zeigt, was mit unbändigem Willen und einem Hang zur Perfektion alles möglich ist, wenn man von schweren Verletzungen verschont wird (wenngleich die Frage, warum manche Fahrer von Verletzungen verschont bleiben, bereits Thema einer wissenschaftlichen Untersuchung im ÖSV ist).

Weniger taugt Hirschers Geschichte als Beleg für die Überlegenheit des Österreichischen Ski-Verbandes. Denn Hirscher hat sich mit Billigung des Verbandes ein eigenes Team geschaffen, mit dem er trainiert, testet und alle relevanten Entscheidungen trifft. Warum das bei Hirscher geht und bei Fenninger nicht ging, hat einen einfachen Grund: Hirscher akzeptiert seine Vermarktung durch den ÖSV und nutzt im Gegenzug die völlige sportliche Freiheit auch hundertprozentig. Mit eigenen Trainern und seinem Vater als Mentor und Mastermind hinter dem Projekt Hirscher. Überspitzt könnte man jetzt sagen: der Anteil des ÖSV am Erfolg von Hirscher ist, dass Hirschers Trainer auf der Gehaltsliste des ÖSV stehen. Dass erklärt auch, warum Hirscher seit Jahren im Riesentorlauf zur Weltklasse gehört, das restliche ÖSV-Team im Riesentorlauf aber regelrecht zerzaust wurde. Was Hirscher für sich herausfindet, das gehört dem One-man-Team Hirscher.

Aber da ist einer in einer guten Tradition. Hermann Maier etwa pflügte ebenso als Solist mit eigenem Trainer durch den Weltcup wie Marc Girardelli. Der Lustenauer, der fünf Mal die große Kugel gewonnen hat, schied auf Geheiß seins eigenwilligen Vaters schon mit zwölf Jahren aus dem ÖSV aus, weil sich der mit Funktionären zerkracht hat. So unterschiedlich die drei auch waren, eines fällt auf: Drei Einzelkämpfer, drei Perfektionisten, drei teils verbissene Arbeiter haben mehr Weltcup-Kugeln geholt als alle anderen im ÖSV. Anders herum gefragt: Muss man als Seriensieger nicht von vornherein ein ausgeprägter Egomane sein? Vermutlich auch richtig. Denn ganz sicher kann nur einer mit einem starken Rückgrat und einem ausgeprägten Willen den Weg gehen, den Maier, Hirscher und Girardelli gegangen sind.

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