Sport

Fürstliches Treffen der Leonidas-Familie

Hotspot SN-Sportlerwahl in Hellbrunn und Kleßheim. Wie die Besten des Landes zu ihren Trophäen kamen.

Petra Fuchs (Oberbank, l. im Bild) und Andrea Franz (Spar, r. im Bild) gratulierten den Skisprung-Assen Sara Marita Kramer (Sportlerin des Jahres) und Stefan Kraft (Sportler des Jahres) in den Wasserspielen von Schloss Hellbrunn.  SN/Kolarik Andreas
Petra Fuchs (Oberbank, l. im Bild) und Andrea Franz (Spar, r. im Bild) gratulierten den Skisprung-Assen Sara Marita Kramer (Sportlerin des Jahres) und Stefan Kraft (Sportler des Jahres) in den Wasserspielen von Schloss Hellbrunn.

An unterschiedlichsten, aber äußerst prägnanten Plätzen wurden 2021 die begehrten Leonidas-Trophäen der "Salzburger Nachrichten" an die Besten des Landes überreicht. Ein Großteil der Preisträgerinnen und Preisträger durfte sich bei den fürstlichen Wasserspielen in Hellbrunn über die Trophäen freuen. Nass gespritzt wurde zwar keiner, aber die aufgeregten Blicke einiger Passanten bei einer Führung durch den Park waren ihnen sicher.

"Ich habe mich schon so auf den Löwen gefreut", sagte etwa Sara Marita Kramer. Für die Aufsteigerin des Jahres in der Skisprungszene, die mit ihren zwei WM-Medaillen die Weltklasse im Eiltempo erreichte, hat ein Löwe ohnehin eine besondere Bedeutung: "Ich habe einen auf meinem Helm aufgemalt, weil ich ja halbe Holländerin bin - und das ist unser Symbol." Nach Marcel Hirscher also wieder eine Weltklassesportlerin aus Salzburg mit holländischen Wurzeln. "Und das ohne Berge", scherzte Sara Marita Kramer.

Für Großschanzen-Weltmeister Stefan Kraft war es bereits der dritte Goldene Löwe als Salzburger Sportler des Jahres. "Ich vermisse zwar die Gala, aber es ist immer wieder eine große und wohltuende Auszeichnung, wenn man bedenkt, wie viele gute Sportler es in Salzburg gibt", so Kraft. Die Skispringer dominieren den Leonidas ohnehin: Im Vorjahr waren Kraft und Chiara Hölzl die Dominatoren der Wahl. Und 2022? "Vielleicht schon mit Olympiamedaillen", meinten Kraft und Kramer mit einem Blick auf Olympia in Peking.

Zum Abschied aus Salzburg durfte Erfolgstrainer Jesse Marsch seinen zweiten Goldenen Leonidas als Trainer des Jahres empfangen – Thomas Beran (Markenleiter Audi) gratulierte.  SN/Kolarik Andreas
Zum Abschied aus Salzburg durfte Erfolgstrainer Jesse Marsch seinen zweiten Goldenen Leonidas als Trainer des Jahres empfangen – Thomas Beran (Markenleiter Audi) gratulierte.

Für Double-Gewinner und Red-Bull-Salzburg-Trainer Jesse Marsch war der zweite Goldene Löwe wie ein Abschiedsgeschenk. Und der US-Amerikaner zeigte ein bisschen Wehmut: "Schade, dass ich die Löwen nie auf der großen Leonidas-Bühne bekommen habe." Vielleicht 2022, wenn die Erfolge dieses Jahres noch zählen? "Da müsste ich ja von Leipzig nach Salzburg eingeflogen werden. Wir werden sehen."

Leonidas 2020/2021: Die Gewinner im Überblick

Sportler des Jahres
1. Stefan Kraft (Skispringen)
2. Peter Herzog (Leichtathletik)
3. Simon Eder (Biathlon)

Sportlerin des Jahres
1. Marita Kramer (Skispringen)
2. Teresa Stadlober (Langlauf)
3. Carina Edlinger (Langlauf)

Trainer des Jahres
1. Jesse Marsch (Fußball)
2. Christian Schwaiger (Ski alp.)
3. Sandra Flunger (Biathlon)

Rookie des Jahres
Stefan Rettenegger (nord. K.)


Lebenswerk
2021 nicht vergeben

Die Löwenbändigerin: Teresa Stadlober

Teresa Stadlober SN/andreas kolarik
Teresa Stadlober

Die Weltklasse-Langläuferin Teresa Stadlober ist schon Stammgast bei der Leonidas-Ehrung: Die Radstädterin darf schon sechs Löwen ihr Eigen nennen - sie ist die Löwenbändigerin der "Salzburger Nachrichten". Genug hat die 28-Jährige aber noch lange nicht: "Es ist immer wieder eine große Ehre, wenn ich einen Löwen bekomme", so Stadlober, die über Jahre schon als einzige Mitteleuropäerin mit den Norwegerinnen oder Schwedinnen in dieser Sportart mithalten kann. Im vergangenen Weltcup-Winter wurde die immer gut aufgelegt wirkende Pongauerin im Gesamtweltcup 14. Herausragend waren aber ihre Platzierungen bei der nordischen WM in Oberstdorf: Dort hieß es 4. (15 km Skiathlon), 5. (30 km Freistil Massenstart) und 9. (10 km Freistil). Aber der Blick der Teresa Stadlober ist längst nach vorn gerichtet: Im kommenden Winter warten die Olympischen Winterspiele in Peking. "Die Vorbereitung für die nächste Saison hat bereits im Mai begonnen, jetzt hoffe ich, dass die Spiele auch stattfinden können. Es wären meine dritten." Die Chancen sind jedenfalls groß, dass die Vorzeigeathletin Stadlober auch 2022 wieder einen Leonidas in Empfang wird nehmen können.

Die Zukunftshoffnung: Stefan Rettenegger

Stefan Rettenegger und Birgit Binderitsch (Bründl Sports) SN/Kolarik Andreas
Stefan Rettenegger und Birgit Binderitsch (Bründl Sports)

Der junge nordische Kombinierer Stefan Rettenegger hat in dieser Saison gleich drei schwere Brocken zu bewältigen gehabt: den ersten Einsatz im Weltcup bei den "Großen" in Ramsau und Seefeld, eine Saison unter schweren Coronabedingungen - und den erfolgreichen Abschluss der Matura am Bundes- und Sportrealgymnasium in Saalfelden. Alles hat der Musterschüler im Sport und in der Schule bestens über die Bühne gebracht. Jetzt kann sich der 19-Jährige aus dem Pongau voll und ganz auf den Sport konzentrieren. Die Voraussetzungen der Zukunftshoffnung sind bestens: Denn mit den zwei Medaillen bei der nordischen Junioren-WM in Lahti 2021 hat Rettenegger, dessen älterer Bruder Thomas auch ein nordischer Kombinierer ist, die Basis für den Goldenen Leonidas als "bester Rookie" des Jahres geschaffen. "Ich kann es noch gar nicht richtig glauben. Jedenfalls ist der Leonidas für die kommenden Aufgaben ein guter Turbo", sagt Rettenegger. Über einen finanziellen Turbo darf sich der Heeressportler bereits freuen: Traditionell gab es aus den Händen von Birgit Binderitsch aus dem Marketing von Bründl Sports einen Gutschein über 1000 Euro.

Der Olympiastarter: Peter Herzog

Peter Herzog SN/andreas kolarik
Peter Herzog

Eigentlich sollte das Karriere-Highlight von Peter Herzog schon vorbei sein. Weil die Olympischen Sommerspiele 2020 aber um ein Jahr verschoben wurden, musste der 33-jährige Marathonläufer aus Saalfelden umdisponieren. Das Wartejahr hatte es in sich. Anfang Oktober 2020 schraubte der Union-Salzburg-Athlet den österreichischen Marathonrekord in London auf 2:10:06 Stunden. Seine eigene Bestmarke verbesserte er um fast eine Minute. Allein dass er zu diesem exklusiven Rennen eingeladen worden war, zeigt den Status des Pinzgauers. Er war dort in einem starken Starterfeld drittbester Europäer.


Der weitere Weg zu Olympia war von Hindernissen gesäumt. Bei einem Test-Halbmarathon bremste Herzog ein Muskelfaserriss. Sein Trainer Johannes Langer stürzte als Begleiter mit dem Rad schwer, und schließlich warf die Covid-19-Impfung den Läufer für einige Tage aus der Spur. "Inzwischen bin ich wieder voll im Plan", beruhigt Herzog. Inmitten der Marathonelite aus aller Welt holt er sich in der Höhenlage von St. Moritz den letzten Schliff für den Olympiamarathon, der wegen der Hitze von Tokio nach Sapporo verlegt wurde.

Das Stehaufmädchen: Carina Edlinger

Carina Edlinger SN/andreas kolarik
Carina Edlinger

Die Coronapandemie hat die ganze Sportwelt im vergangenen Jahr ziemlich durcheinandergebracht. Als es überall schon wieder losging, mussten die Parasportler immer noch warten. "Ein Bewerb nach dem anderen ist abgesagt worden", erinnert sich Carina Edlinger. Als es für die blinde Langläuferin aus Fuschl Anfang März doch noch Rennen gab, hätte sie beinahe w. o. geben müssen: "Nach einem Sturz hatte ich am Tag vor dem Start noch eine Schiene am Bein." Hinfallen gehört dazu, wenn man viele Hindernisse nicht sehen kann. Aber Edlinger steht auch immer wieder auf. Gemeinsam mit Guide Daniel Bauer sammelte sie in Planica (SLO) und Vuokatti (FIN) die meisten Punkte und holte ihren vierten Gesamtweltcup.
Vier gewinnt - das Team Edlinger war ein Erfolgsquartett. Neben Carina und ihrem Guide gehörte noch Servicemann Rudolf Hirschegger, einst schon Wachsguru der ÖSV-Adler um Andi Goldberger, dazu. Und natürlich Partnerhund Riley, der als größter Fan stets geduldig im Ziel wartet. 2022 folgen die verschobene WM und Olympia. Gold bei den Spielen fehlt Carina Edlinger noch in ihrer Trophäensammlung.

Die Erfolgstrainerin: Sandra Flunger

Sandra Flunger SN/andreas kolarik
Sandra Flunger

Leonidas-Übergaben sind wie ein Familientreffen. Biathlontrainerin Sandra Flunger hat einst die Tochter von Skitrainer Christian Schwaiger, Julia, trainiert. Marathon-Ass Peter Herzog war ihr Kollege im Skigymnasium Saalfelden. Langläuferin Teresa Stadlober duellierte sich im Nachwuchs mit der Tirolerin Lisa Hauser, und sie würde das wohl heute noch im Weltcup tun, hätte nicht Sandra Flunger eine Idee gehabt: "Es hat ein Jahr gedauert, Lisa vom Umstieg zum Biathlon zu überzeugen. Aber dann war sie sofort gut unterwegs." Zehn Jahre später krönte sich Lisa Hauser zur Weltmeisterin im Massenstart. Der mitunter steinige gemeinsame Weg hat zusammengeschweißt: "Lisa ist wie ein Familienmitglied für mich", sagt Flunger. Die baut mittlerweile für den Schweizer Biathlonverband ein Team auf, das bei der Heim-WM 2025 in Lenzerheide auftrumpfen soll. Für Ratschläge von ihrer Entdeckerin darf Hauser aber nach wie vor an der Loipe Halt machen. So wie auch ein echtes Familienmitglied von ihr. Ehrensache, dass sie in Vertretung ihres verhinderten Cousins Simon Eder dessen Silbernen Leonidas auch gleich in Empfang nahm.

Die Gestressten: Simon Eder / Christian Schwaiger

Ein Meister mit der Waffe ist er schon lange, nun wird er auch noch Waffenmeister: Biathlet Simon Eder steckt mitten in seiner Ausbildung, die er im Hinblick auf seine Zeit nach der Sportkarriere absolviert. Kaum jemand ist berufener, als Waffenexperte im Biathlonsport zu fungieren. Mit einer Trefferquote von 93 Prozent am Schießstand (392 von 420 möglichen) brachte der Bronze-Leonidas-Gewinner im vergangenen Winter die durchwegs jüngere Konkurrenz zum Staunen. So auch in der Mixed-Staffel der Weltmeisterschaft in Pokljuka (SLO), wo er mit Lisa Hauser, Dunja Zdouc und David Komatz zur völlig überraschenden Silbermedaille beitrug.

Der Saalfeldner Erfolgstrainer Christian Schwaiger hat etwas erreicht, was ihm die wenigsten zugetraut haben: die deutschen Skiherren wieder an die Spitze zu bringen. Zuvor als Techniktrainer im DSV für Maria Höfl-Riesch zuständig, hat er als Herren-Cheftrainer Thomas Dreßen oder den früheren ÖSV-Athleten Romed Baumann (WM-Silber Super G Cortina 2021) zu Erfolgen geführt. Der Silberne Leonidas wird nach den intensiven DSV-Trainingstagen nachgereicht.

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