Sport

Johannes Hirschbichler: Im Kopf surrte die Spirale nach unten

Der Bruch nach einem Sturz war schnell geheilt. Jetzt spielt auch der Kopf wieder mit, wenn Johannes Hirschbichler auf das Rennrad steigt.

Schnell beim Zeitfahren: Johannes Hirschbichler SN/radteam tirol/eisenbauer
Schnell beim Zeitfahren: Johannes Hirschbichler

Unter die besten zehn wollte Johannes Hirschbichler fahren in Kärnten. Er wurde Dritter und war überrascht. Der Weißbacher hatte bei der Österreichischen Meisterschaft im Einzelzeitfahren vor wenigen Tagen international bewährte Profis wie Tour-de-France-Starter Patrick Konrad hinter sich lassen können. Als Rouleur und Zeitfahrer war er schon 2017 aufgefallen. Er gewann "King of the Lake" am Attersee und das Zeitfahren bei der Tour de Kärnten - auf fast identer Strecke wie bei der Meisterschaft. Sein Kopf brachte "die positiven Erlebnisse vor zwei Jahren zurück". Von der Zeit dazwischen gibt's wenig positive Erinnerung.

Als Profi wurde der 26-Jährige nach der guten Saison 2017 vom Team Vorarlberg unter Vertrag genommen. Ein Sturz im Trainingslager in Valencia vor Saisonbeginn machte Hoffnungen zunichte. Das gebrochene Schlüsselbein war bald kein Problem mehr. Doch der Kopf hört nicht auf zu surren. Das Geräusch kam nicht vom Surren der Fahrradketten im Peleton. "Mir war schwindlig, ich hab phasenweise nicht mehr ganz mitbekommen, was rundherum los war", sagte er - "das ist mitten im Feld ja auch gefährlich". Trotzdem stieg er auf, fuhr Rennen und hoffte, "dass das weggeht". Es ging lange nicht weg, drückte auf die Leistung und er hatte immer weniger Renneinsätze. "Eine Spirale nach unten", sagt er.

Trotzdem schien es, dass Hirschbichler auch für heuer einen Platz im Team Vorarlberg haben würde. Dann aber wurde das Team verkleinert. Nun fährt er, der als Radmechaniker in Martins Bikeshop in Unken nicht nur Arbeit, sondern - "wie bei Freundin und Familie auch" - eine "immense Unterstützung" hat, für Radteam Tirol.

Eine kleines, familiäres Team ist das mit dem Vorteil, dass einige Kollegen aus Hirschbichlers Gegend stammen. Also wird manchmal gemeinsam trainiert. Das sei "motivierender, als sich allein im Regen auf den Weg zu machen", sagt er im SN-Gespräch. Wenige Minuten zuvor war er von einer Ausfahrt zurückgekommen. "Ein paar Bergintervalle", sagt er trocken - das gehört zum Grausamsten beim Training. Erst recht, wenn einer kein Bergspezialist ist: "Ich fahr halt drüber", sagt er. Obwohl: Dann fällt ihm eine Runde ein, die er gern mag. Hinaus Richtung Berchtesgaden und zurück über den Hirschbichl. Hirschbichl? Da gibt es Steigungen jenseits von 20 Prozent?! "Ja schon, aber landschaftlich ist es sehr schön".

SPORT-NEWSLETTER

Jetzt anmelden und wöchentlich die wichtigsten Sportmeldungen kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 28.11.2020 um 09:23 auf https://www.sn.at/sport/mixed/johannes-hirschbichler-im-kopf-surrte-die-spirale-nach-unten-70833943

Kommentare

Schlagzeilen