Mixed

Missbrauch: Neue Anlaufstelle für Sportlerinnen und Sportler in Salzburg

Eine Sportwissenschafterin und Psychologin ist die vertrauliche Ansprechpartnerin in der neuen Fachstelle Safe Sports. Salzburg ist Vorreiter in Österreich.

Chris Karl, Landesrätin Martina Berthold (Grüne) und Walter Pfaller, Geschäftsführer der Landessportorganisation.  SN/lmz
Chris Karl, Landesrätin Martina Berthold (Grüne) und Walter Pfaller, Geschäftsführer der Landessportorganisation.

Ab sofort steht die Sportwissenschaftlerin, Psychologin und Kindertrainerin Chris Karl als Ansprechpartnerin für Sportlerinnen und Sportler zur Verfügung. Das teilte Landesrätin Martina Berthold am Freitag mit. Mit der neu eingerichteten Salzburger Fachstelle Safe Sports unterstützt Karl künftig bei Verdachtsfällen von sexuellen Übergriffen und Machtmissbrauch. Zudem berät Chris Karl Sportverbände und -vereine beim Aufbau einer zielgerichteten Präventionsarbeit.

Die Fachstelle sei keine unmittelbare Reaktion auf die Missbrauchsvorwürfe im Österreichischen Skiverband (ÖSV), betont Berthold. Sie habe bereits vor vier Jahren die Initiative "Wir achten aufeinander! Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport" gestartet. Seither seien zahlreiche Sportverbände und -vereine über Präventionsarbeit informiert worden. Außerdem seien Trainerinnen und Trainer in Workshops geschult worden. Weitere Workshops seien gemeinsam mit der Stadt Salzburg und den drei Dachverbänden (ASKÖ, ASVÖ, Sportunion) in Planung. Auch die Kinder in Volksschulen werden in Workshops sensibilisiert.

Vertraulichkeit ist oberstes Gebot

Berthold: "Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollen ihren Sport ohne Gewalterfahrungen und Machtmissbrauch ausüben können." Manche Kinder und Jugendliche machten jedoch auch verstörende Erfahrungen. "Sie müssen erleben, wie ihre persönlichen Grenzen missachtet werden. Das fängt bereits bei anzüglichen Bemerkungen oder körperlichen Berührungen an, die nichts mit sportlichen Hilfestellungen zu tun haben."
In der Fachstelle Safe Sports ist Vertraulichkeit oberstes Gebot. Erreichbar ist Chris Karl ab sofort unter der Telefonnummer 0664/3365 365.

Chris Karl auch Mitglied in Tiroler Kommission

Die gebürtige Wienerin Chris Karl ist Psychologin, Sportwissenschaftlerin und Kindertrainerin. Sie war zudem in der österreichischen Trainerausbildung für Judo tätig und kann auf eine Leistungssportkarriere in Judo und Ringen zurückblicken. Sie studierte forensische Psychologie in den USA und arbeitet dort am National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC). Chris Karl ist zudem Mitglied der Kommission, die vom Land Tirol zur Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe in der Skischule Stams und Neustift eingerichtet wurde.

Opfer schweigen oft aus Scham oder Angst

Betroffene haben keine Erfahrung, wie sie mit Übergriffen umgehen sollen. Oftmals bleiben sie aus Scham, Angst und Unsicherheit alleine und suchen sich keine oder erst spät Hilfe. Gerade deswegen ist es wichtig, hier Vorkehrungen und klare Regeln im Miteinander einzurichten. "Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe sollen erst gar nicht stattfinden können", betonte Chris Karl. Entsprechend wichtig sei die Präventionsarbeit in den Schulen, Vereinen und Verbänden.

"Sexueller Missbrauch findet dort statt, wo nicht damit gerechnet wird. Täter bzw. Täterinnen verwenden oft Jahre, um sich eine Vertrauenspositionen zu erarbeiten. Diese sind zudem meist Wiederholungstäter und begehen zahlreiche Straftaten, bevor sie zur Verantwortung gezogen werden. Zu 95 Prozent werden die Straftaten von Männern begangen, rund 60 Prozent der Betroffenen sind Mädchen", erklärt Karl.

(SN)

Aufgerufen am 24.01.2018 um 02:51 auf https://www.sn.at/sport/mixed/missbrauch-neue-anlaufstelle-fuer-sportlerinnen-und-sportler-in-salzburg-22862959

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