Sport

Die Leonidas-Familie feierte den Löwen

Würdige Ehrung der Besten nach der SN-Sportlerwahl: Die Übergaben der Löwen waren in Coronazeiten eine Herausforderung.

Alle Löwen sind nun an Salzburgs beste Sportlerinnen und Sportler vergeben. Über dreieinhalb Monate nach der geplanten, aber wegen der Coronakrise abgesagten Gala im Terminal 2 des Salzburg Airport haben die "Salzburger Nachrichten" zehn Leonidas in Gold, Silber und Bronze an ihre neuen Dompteure überreicht. Hoch über der Stadt auf dem Mönchsberg, in der Red-Bull-Arena, beim Eisstadion im Volksgarten, im ULSZ Rif und sogar auf der hauseigenen SN-Terrasse wurde es ernst. Statt der glanzvollen Übergabe auf der Bühne gab es diese sechs Termine, die trotzdem gespickt waren mit vielen Emotionen.

Eines vereint die Geehrten in diesen Wochen der Löwen-Übergaben: Die Rührung war nicht zu übersehen. Oft abgebrüht und kühl wirkende Sportlerinnen und Sportler bekommen wiederholt zittrige Hände, wenn der Leonidas in ihren Besitz übergeht. Mit oder ohne große Bühne. Einige sehen sogar einen klaren Stufenplan beim Leonidas: "Zuerst war ich nominiert, heuer bekomme ich einen Leonidas im kleinen Kreis und 2021 dann vielleicht einen Löwen auf großer Bühne", meinte etwa Roland Schwab. Der Volleyball-Erfolgstrainer bekam den Bronzenen Löwen in der Kategorie "Trainer des Jahres".

Wie bei der Zeugnisvergabe saßen gespannt bei der Ehrung im ULSZ Rif Teresa Stadlober, Jacqueline Gerlach, Marina Vukovic und Peter Herzog, um ihre Auszeichnungen entgegenzunehmen. "Spannend wie früher in der Schule", meinte Österreichs Langlaufkönigin Stadlober, die in der Kategorie "Sportlerin des Jahres" den Silbernen Löwen bekam. Damit sind die Leonidas-Ehrungen 2020 beendet.
Die Löwen für 2021 sind in Lauerstellung.

Teresa Stadlober: Hungrig auf Erfolge

Das Warten auf den Silbernen Löwen hat sich für Österreichs Langlaufass Teresa Stadlober gelohnt. Im Hause Stadlober hat der Löwe für den zweiten Rang nun sogar einen Spielkameraden in derselben Farbe, denn für die Radstädterin war es bereits die zweite Auszeichnung in der Kategorie "beste Sportlerin des Jahres". "Eine Ehrung ist immer eine große Wertschätzung für die Leistungen und eine Belohnung für den großen Aufwand, den wir Jahr für Jahr betreiben", sagt die Ausnahmeathletin, die als einzige Mitteleuropäerin im Weltcup mit den nordischen Weltklasselangläuferinnen auf höchstem Niveau mithalten kann. Der neue Leonidas kommt wieder in eine Vitrine mitten im elterlichen Haus. Gut sichtbar für alle.

Warten auf den Langlaufkalender ist auch in diesen Tagen für die 27-Jährige angesagt. Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. "Wir hoffen natürlich auf eine Wintersaison und bereiten uns wie immer vor", sagt Stadlober und stürzte sich mit Heißhunger auf das Buffet im ULSZ Rif. "Mein Vorteil ist, dass ich essen kann, was ich will. Körperbau und Training lassen das zu", sagt Stadlober. Beneidenswert.

Jacqueline Gerlach: Krönender Abschluss

"Den Löwen möchte ich am liebsten nicht mehr auslassen", meinte Jacqueline Gerlach mit ihrem neuen Haustier aus dem Hause SN im Arm. Für die Grasski-Weltcupsiegerin und Weltmeisterin kam der Bronzene Löwe in der Kategorie "Sportlerin des Jahres" überraschend. "Gerade in einer Randsportart so eine Auszeichnung zu bekommen ist etwas Besonderes", sagt Gerlach. Die Auszeichnung kam dann aber doch gerade recht: Denn die Dominatorin in ihrer Sportart hat den Leonidas zum Abschluss ihrer Karriere erhalten: Im Vorjahr hat die 29-Jährige aus Hintersee die Grasski an den Nagel gehängt. Die negativen Folgen für den Sport in Coronazeiten blieben ihr erspart. "Ich beneide meine Kolleginnen und Kollegen nicht. Denn diesen Sommer zu planen ist fast unmöglich."

Trotz ihres Rücktritts bleibt der Sport ein großer Teil ihres Lebens. "Abseits der Pisten mache ich fast mehr Sport denn je." Langeweile wird ohnehin in der "Grasski-Pension" nicht aufkommen, denn auch beruflich hat sie sich mit einer Gastwirtschaft in Hintersee längst etwas aufgebaut. Der Leonidas wird wohl im Liftstüberl einen Ehrenplatz bekommen.

Peter Herzog: Langer Olympia-Anlauf

Sollte es dem Pinzgauer Marathonläufer nach der aktiven Karriere einmal an Zielen fehlen, könnte er mit Motivationsseminaren unter dem Titel "Geht nicht, gibt's nicht" die Säle füllen. Er konnte nicht schwimmen und wurde trotzdem Triathlet. Er war für Marathonbestzeiten zu schwer und lief trotzdem das Olympialimit. Und er konnte als Leichtathlet im Wintersportland Salzburg von einem Leonidas nur träumen - jetzt hat er einen Bronzenen Löwen daheim stehen.
Zu seiner eher unkonventionellen Karriere passt, dass Herzog erst Trainer und dann Spitzensportler wurde. Bei Katharina Innerhofer, einem seiner Schützlinge als Biathlon-Coach, hat er die Trophäe schon bewundert: "So einen hätte ich auch gern einmal, habe ich mir gedacht." Die Trophäe ist auch ein Mutmacher. Olympia wurde um ein Jahr verschoben, an große Marathons ist derzeit nicht zu denken. "Der Löwe motiviert in dieser schwierigen Zeit, weiter täglich hart zu arbeiten", sagt Herzog. Sprach's und lief gleich nach der Übergabe in Berlin erstmals einen Fünf-Kilometer-Straßenlauf, und das gleich mit österreichischem Rekord. Geht nicht, gibt's eben nicht bei Peter Herzog.

Marina Vukovic: Das Ausnahmetalent

Marina Vukovic wird von Karate-Experten eine ganz große Karriere vorausgesagt. Im Oktober 2019 hat sie mit ihrem Junioren-WM-Titel in Santiago de Chile die Karatewelt überrascht. Große Auszeichnungen könnten folgen - eine erste ehrenvolle hat sie nun im Schrank: den Goldenen Löwen als "Rookie des Jahres". Damit setzt die 17-jährige Pinzgauerin eine große Tradition in ihrer Sportart fort, denn auch ihr Vorbild Alisa Buchinger war 2009 Aufsteigerin des Jahres, ehe sie 2016 und 2017 zur Sportlerin des Jahres aufstieg. "Der Leonidas ist meine erste große Auszeichnung, aber sie macht Lust auf mehr. Und vielleicht kann ich in die Fußstapfen von Alisa treten", meint Vukovic, die in Begleitung ihres Vaters und Trainers Ivo zur Ehrung in das ULSZ Rif gekommen war. Das Training musste natürlich für ein paar Stunden ruhen - der Löwe hatte gerufen.

Vukovic durfte sich dann gleich doppelt freuen: Zum Goldenen Löwen kam noch ein zusätzliches Geschenk als Kategoriesiegerin: Thomas Vorreiter (Geschäftsführung Bründl Sports) überreichte dem Ausnahmetalent einen Gutschein im Wert von 1000 Euro.

Roland Schwab: Die Straße der Sieger

Sein Bruder Stefan hat als Kapitän von Rekordmeister Rapid Wien zwar mehr Publikum bei seinen Auftritten, nach Titelgewinnen hat aber der um sieben Jahre ältere Roland die Nase vorn. Mit den Volleyballerinnen von ASKÖ Linz-Steg wurde er in zwei Jahren je zwei Mal Meister und Cupsieger. Wobei die heurige Meisterschaft wegen Corona abgebrochen wurde und bis dahin überragenden Stahlstädterinnen diesmal ohne den verdienten Pokal blieben. Der Leonidas in Bronze für Trainer Roland Schwab ist daher auch so etwas wie die heimliche Meistertrophäe. "Leistung ohne Anerkennung ist Strafe", zitiert er eine passende Weisheit.

Ein ganzes Löwenrudel könnte man in der Siedlung in Saalfelden aufstellen, in der die insgesamt vier Schwab-Brüder aufwuchsen. Biathlet Simon Eder (Sohn von Legende Alfred) und dessen Cousine Sandra Flunger oder die Langlaufbrüder Roland und Thomas Stöggl waren Konkurrenten in Wettkämpfen aller Art, und auch Skitrainer Christian Schwaiger und dessen Tochter Julia (Biathlon) stammen aus dieser Straße der Sieger, in der sich Talent und Ehrgeiz von Haus zu Haus und über Generationen hinweg übertragen.

Matt McIlvane: Später Lohn

Leere - das ist das Resümee, das Salzburgs Eishockey-Trainer Matt McIlvane auch noch vier Monate nach dem Abbruch der Eishockey-Liga Mitte März ziehen kann und muss. "Wir waren auf einem so guten Weg in den Play-offs und dann kam der Abbruch. Die letzte Saison fühlt sich einfach unvollendet an." Doch nach seiner kürzlich erfolgten Rückkehr aus den USA gab es doch noch eine verspätete Auszeichnung für den besten Grunddurchgang, den je ein Team in Salzburg gespielt hat: den Leonidas in Silber. "Das ist eine besondere Ehre. Nicht nur für mich, sondern für den ganzen Trainerstab, der an dieser letzten Saison mitgearbeitet hat." McIlvane war so glücklich, das er danach sogar ein erstes Interview auf Deutsch gegeben hat - nachzusehen auf SN.at/Leonidas.

Den Sommer hat McIlvane in den USA verbracht, wo auch sein Vater an Corona erkrankt ist. "Wir haben großen Respekt vor dem Virus", sagt er und ist froh, dass er zurück in Salzburg ist. "Ich freue mich auf die nächste Saison und dass ich in der Situation trotzdem die Chance habe, als Cheftrainer zu arbeiten. Das ist nicht selbstverständlich."

Leonidas 2020

Sportler des Jahres

1. Stefan Kraft Skispringen
2. Andreas Ulmer Fußball
3. Peter Herzog Leichtathletik


Sportlerin des Jahres

1. Chiara Hölzl Skispringen
2. Teresa Stadlober Langlauf
3. Jacqueline Gerlach Grasski


Trainer des Jahres

1. Jesse Marsch Fußball
2. Matt McIlvane Eishockey
3. Roland Schwab Volleyball

Rookie des Jahres

1. Marina Vukovic Karate

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