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Marathon-Mann Kipchoge: "Wie der erste Mensch auf dem Mond"

Der Kenianer will im Wiener Prater die Zwei-Stunden-Schallmauer durchbrechen. Der akribisch vorbereitete Marathon-Rekordversuch wird weltweit live übertragen.

42.195 Meter ist die Strecke lang, 1:59:59 Stunden oder schneller sind die Zielzeit: Wenn Eliud Kipchoge sein Vorhaben im Wiener Prater in die Tat umsetzt, wird er damit Sportgeschichte schreiben. Er wäre der erste Mensch, der die Marathondistanz in weniger als zwei Stunden bewältigt hat. Um das Tempo zu veranschaulichen: 100 Meter legt der Kenianer konstant in 17 Sekunden zurück, einen Kilometer in 2:51 Minuten. Das entspricht 21 Stundenkilometern.

Am Samstagfrüh wird es so weit sein. Kipchoge versuchte zwei Tage vor dem Event, die Bedeutung einzuordnen: "Es geht darum, Geschichte zu schreiben. Das ist wie der erste Mensch auf dem Mond." Für die Ineos 1:59- Challenge, wie das Unternehmen offiziell heißt, wird nichts dem Zufall überlassen. In der Prater-Hauptallee in Wien findet der Ausnahmesportler optimale Bedingungen (7 bis 14 Grad, unter 80 Prozent Luftfeuchtigkeit, wenig Wind) und eine schnurgerade und ebene Laufstrecke vor, die er nach dem Start auf der Reichsbrücke vier Mal durchläuft. 41 Tempomacher werden ihn unterstützen, es handelt sich durchwegs um Weltklasseläufer. Forscher der Universität Wien haben sogar die Höhenunterschiede genau vermessen und festgestellt, dass sie dem Läufer in Summe einige Sekunden zusätzlich bringen sollten.

Kipchoge ist überdies der ideale Mann für einen solchen Rekordversuch. Sein offizieller Weltrekord steht bei 2:01:39 Stunden, aufgestellt 2018 in Berlin. Dies wird auch die Rekordmarke bleiben, wenn das Unternehmen in Wien von Erfolg gekrönt ist. Denn der Weltverband, der sich vor wenigen Tagen von IAAF in "World Athletics" umbenannt hat, erkennt nur Zeiten an, die in echten Wettkämpfen erbracht worden sind.

Das ändert aber nichts an der Faszination des Laufs unter Laborbedingungen, der ein weltweit beachtetes Event der Extraklasse werden wird. Mehr als 30 TV-Sender werden berichten, 300 Journalisten sind akkreditiert. Kipchoge hat bereits einmal einen solchen Anlauf genommen. Der Versuch in Monza 2017 scheiterte mit einer Zielzeit von 2:00:25 knapp. Eine Erkenntnis von damals: Abgeschottet von der Öffentlichkeit in einer gespenstisch ruhigen Atmosphäre zu laufen, war kontraproduktiv. Für Wien wünscht sich der 34-jährige Athlet lautstarke Zuschauerunterstützung, die ihm vielleicht die notwendigen paar Sekunden extra bringt. Fans können ihren Platz an der Hauptallee sowie an den zwei Endpunkten beim Praterstern und beim Lusthaus frei wählen. Der Zugang ist kostenlos.

In der Laufszene wird der Samstag mit großer Spannung erwartet: "Der Start von Eliud Kipchoge ist das bedeutendste Sportereignis, das je in Wien stattgefunden hat, weil es einzigartig und weltumspannend ist", sagt Wolfgang Konrad, der Veranstalter des Vienna City Marathons. Salzburgs Rekordmann Peter Herzog (Bestzeit: 2:10:57) sagt: "Die für einen 1:59-Marathon nötige sportliche Leistung ist für mich fast unvorstellbar. Es fasziniert und motiviert mich aber enorm."

Olympiareif ist das Feld der Pacemaker. Unter ihnen befinden sich 1500-m-Olympiasieger Matthew Centrowitz (USA), der fünffache Weltmeister und zweifache Olympiamedaillengewinner Bernard Lagat (USA), das erfolgreiche Brüderteam Henrik, Filip und Jakob Ingebrigtsen aus Norwegen oder der Schweizer Halbmarathon-Europarekordler (59:13 Minuten) Julien Wanders. Eliud Kipchoge, der seit Dienstag in Wien weilt, unterstreicht die Bedeutung seiner Begleiter: "100 Prozent von mir sind nichts im Vergleich zu einem Prozent meines Teams."

Aufgerufen am 15.10.2019 um 12:03 auf https://www.sn.at/sport/mixed/video-marathon-mann-kipchoge-wie-der-erste-mensch-auf-dem-mond-77438392

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