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Walter Röhrl: "Der Monte-Sieg war mein einziges Ziel"

Motorsportlegende Walter Röhrl darf seinen 70. Geburtstag feiern. Der für viele beste Rallyefahrer der Geschichte erklärt im SN-Gespräch, warum er rundherum glücklich ist.

Walter Röhrl bei Porsche: „Dein Vertrag gilt lebenslang.“ SN/porsche
Walter Röhrl bei Porsche: „Dein Vertrag gilt lebenslang.“

Für viele gilt er als der beste Rallyefahrer aller Zeiten, als Star des Millenniums. Dazu sagt Walter Röhrl, der zwei fache Weltmeister (1980/82) und 14-fache WM-Laufsieger, selbst: "Des is alles a Schmarrn."

Der Bayer aus Sankt Englmar und Wahlpinzgauer beendete 1987 die Rallye-Karriere, fuhr noch bis 1992 Rundstreckenrennen und ist seit 25 Jahren Porsche-Entwicklungsfahrer und Markenbotschafter. Am 7. März wird Röhrl 70 Jahre alt - und gibt im SN-Interview Einblicke in seine Welt.

Sie sind geprüfter Skilehrer, ausgezeichneter Golfer und ein Ass auf dem Rennrad. Hätten Sie auch eine andere Karriere geschafft?
Walter Röhrl: Profisportler zu werden, daran dachte ich nie. Durch den Herbert Marecek kam ich zu Skirennen und später auch zum Rallyefahren. Das passte meiner Mutter gar nicht. Eigentlich hätte ich vom Vater den Steinmetzbetrieb übernehmen sollen. Ende 1971 hatte ich mit dem Rallyefahren schon aufgehört, war aber schon "infiziert". Der Rückzug war im April 1972 zu Ende, da holte mich Ford-Sportchef Mike Kranefuß für die Olympia-Rallye zurück. Damit war ich Profi, gab meinen Beruf als Chauffeur im Bischöflichen Ordinariat Regensburg auf.

Haben Sie alle Ziele erreicht?
Als Rallyepilot war mein einziges Ziel, die Monte zu gewinnen. (Röhrl ist der einzige Fahrer, der die Rallye Monte Carlo mit vier Marken gewann - 1980 Fiat, 1982 Opel, 1983 Lancia, 1984 Audi, Anm.). Als ich 1980 Weltmeister war, wollte ich wieder aufhören. Mein Beifahrer Christian Geistdörfer und Manager Domingos Piedade meinten nur, "spinnst?". Alles danach war Draufgabe.

Sind Sie ein glücklicher Mensch?
Privat sowieso. Und sportlich auch. Ich bereue nichts. Vielleicht war es ein Fehler, so lang bei Opel (1973-77, Anm.) zu bleiben, denn von allen Werkteams war Opel das einzige, dessen Vorstand es nicht unterstützte. Im Kadett waren es verlorene Jahre. Und viele fragten mich, warum ich keinen dritten WM-Titel holte, mit Audi. Ich ging zu Audi, weil ich nochmals die Monte gewinnen und allen zeigen wollte, wer dort der Chef ist.

Sind Sie gläubig?
Ich wurde streng katholisch erzogen, wurde Ministrant, war in der Pfarrjugend und dann Angestellter im Ordinariat. Aber nach sieben Jahren dort erwischte ich den Absprung.

Beschäftigt Sie die Politik? Wurden Sie je von einer Partei als Quereinsteiger umworben?
Ich beschäftige mich mit Politik wie jeder andere auch. Aber in den letzten Jahren wurde es immer frustrierender. Es wird jetzt nichts mehr entschieden. Ich sah die Angelobung von Trump im TV und dachte mir, ich sei in der Muppet-Show. Das ist der mächtigste Mensch der Welt, da bekommst du richtig Angst. Freunde von mir, die in die Politik gingen, scheiterten alle.

Sie leben seit 37 Jahren in Hinterglemm. Wie wurden Sie "Pinzgauer"?
Es war bei der Winterrallye 1976, als ich vor dem Ziel ausschied. Ich ging zu Fuß die Prüfung weiter und sah mir die nächsten Fahrer an. Da kam einer im VW Käfer mit dem Heck zuerst und danach mit der Schnauze ums Eck. Der interessierte mich. Es war der Haider-Sepp aus Saalbach. Wir wurden Freunde, er lud mich zum Skifahren ins Glemmtal ein. 1980 ließen wir, meine Frau Monika und ich, uns dort nieder. Es war der perfekte Platz: kein Telefon, viel Ruhe und Natur. Der Ort, um sich zu sammeln, Energie zu tanken. Abseits vom Trubel.

Sportskanone Walter Röhrl: Der Rennrad-Enthusiast legte bei dieser Tour für Gerhard Kuntschik (SN) und Gerhard Nöhrer („Kleine Zeitung“) eine kleine Trainingspause ein. SN/privat
Sportskanone Walter Röhrl: Der Rennrad-Enthusiast legte bei dieser Tour für Gerhard Kuntschik (SN) und Gerhard Nöhrer („Kleine Zeitung“) eine kleine Trainingspause ein.
Sie sind 70 und topfit. Wieso?
Mein Leben ist Bewegung. Ich kann nicht herumsitzen und ein Buch lesen. Ich muss aufs Radl oder auf eine Skitour.

Haben Sie unter Ihren Konkurrenten auch echte Freunde gefunden?
Ja. Den Jocki Kleint zum Beispiel, den Sepp Haider, den Franz Wittmann und den Jörg Pattermann. Das sind die engsten. "International" sind es Ari Vatanen, Hannu Mikkola, Jean-Pierre Nicolas, Anders Kulläng, Sandro Munari und Miki Biasion. Vielleicht der Stig Blomqvist, aber der redet ja nichts.

Mit Markku Alén hatten Sie eine Dauerrivalität?
Wir waren Rivalen, hatten aber kein Pro blem. Er war nie link, immer korrekt.

Sind Sie mit Ihrem längsten Beifahrer Christian Geistdörfer in Kontakt?
Der war einige Zeit unterbrochen, ist aber seit Langem wieder aufrecht. Wir bestreiten ja Oldtimer-Events zusammen und ich helfe ihm beim Rallye-Festival Daun.

Wer waren für Sie die härtesten Konkurrenten, schnellsten Gegner?
Der Schnellste war eindeutig Henri Toivonen. Der fuhr eine Prüfung gleich wie ich, aber auf der nächsten flog er raus. Ich sagte einmal, ich fürchte, dass drei den Rallyesport nicht überleben würden: Toivonen, Vatanen, McRae. Bei zwei hatte ich leider recht, Vatanen war einmal klinisch tot, wurde aber zurückgeholt. Außer Toivonen waren die Besten wohl Mikkola, Waldegård, Blomqvist. Ich kann die späteren Stars wie Sainz, Loeb, Ogier nicht fair beurteilen.

Wie sehen Sie die aktuellen Rallyes?
Die Autos haben einen irren Standard erreicht. Jeder Fahrer muss höchstes Risiko gehen. Es gibt keine Taktik mehr.

In Portugal stoppte Sie kürzlich ein Motorradfahrer, der Sie im Porsche erkannte, und bat um ein Autogramm.
Früher wollte ich mich immer vor den Fans drücken. Sie nervten mich. Jetzt werd ich alt und denke, das ist doch ein wunderschönes Gefühl, dass sie mich noch kennen.

Wie lang läuft Ihr Porsche-Vertrag?
Ich bin seit 25 Jahren Botschafter, aber ich habe jetzt das Testen aufgegeben, das sollen die Jungen machen. Ich wollte zum Vertrag schon sagen, es reiche jetzt, da sagten sie mir: "Dein Vertrag gilt lebenslang."

Aufgerufen am 23.09.2018 um 06:26 auf https://www.sn.at/sport/mixed/walter-roehrl-der-monte-sieg-war-mein-einziges-ziel-321094

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